Jackpot Kritik

JACKPOT“ von Magnus Martens (Co-B: + R; Norwegen 2011; Co-B: Jo Nesbo; K: Trond Hoines; M: Magnus Beite; 90 Minuten; Start D: 14.11.2013); übersehen wir den dussligen deutschen Zusatztitel „Vier Nieten landen einen Treffer“. Erklären wir nur mal kurz – nähme man es bzw. das hier ernst, müsste man feststellen, das sämtliche Beteiligte hier einen ausgewachsenen Jagdschein haben. Einen erheblichen Schädel-Schaden besitzen. Einschließlich des Polizisten. Weil aber genau DIES von Anfang an signalisiert wird und als „abgemacht“ gilt, ist dieser nordische Rotzstreifen ein kurioser Kino-Hammer. Wie er schon anfängt: Eine Schießerei im Sexshop „Pink Heaven“. Anstatt angeberische Kids-Befriedigung, ein Blutbad. Mit irrsinnigen Fragen. Details. Erklärungen. Als einziger hat Oscar (KYRRE HELLUM) überlebt. Mit einem Gewehr in der Hand, unter einer übergewichtigen toten Stripperin liegend. Doch Oscar beteuert seine Unschuld. Gegenüber dem, sagen wir einmal, etwas „eigenwilligen“ ermittelnden Oberpolizisten Solor (HENRIK MESTAD). Und muss – ganz – weit ausholen, um für dieses Massaker ein völlig abnormes Gesamtbild zu erklären. Jedenfalls, angefangen hat alles damit, dass zwischen Oscar und vier seiner Mitstreiter von der Arbeit eine Tippgemeinschaft entstand. Die dann in einer Sportwette umgehend 1,7 Millionen Kronen gewinnt. Die urige, besser bizarre Show kann losgehen. Zur tristen, nun aber ziemlich hektischer werdenden Weihnachtszeit.

Dazu muss man noch wissen: Oscar ist eigentlich der Gute. Der jedenfalls an DAS glaubt. Das Positive. Im Menschen. Er ist so eine Art Obersozialarbeiter, der in seiner kleinen Fabrik irgendwo im norwegischen Nirgendwo weiße Plastikweihnachtsbäume am Fließband herstellt. Gemeinsam mit entlassenen Kriminellen, die sich hier „bewähren“ sollen. Doch Oscar ist viel zu lieb und auch etwas einfältig für diesen Führungsjob. Was DIE, trotz oder gerade bei extrem unterentwickeltem I Q, leidlich und weidlich auszunutzen verstehen. Es fängt schon damit an, dass sich ja die Gewinnsumme „auf keinen Fall“ durch vier teilen lässt. Wie oft man auch rechnet. Folglich: Der erste Tote innerhalb der „robusten Gewinnerfamily“. Und Massen von weiteren, schier unglaublichen Schwierigkeiten. Problemen. Situationen. Weil auch immer verrücktere Wendungen, Überraschungen, schräge Entwicklungen an- und ablaufen. An der sau- wie schwarzkomischen Tagesordnung annonciert sind. Glaubt man, sowohl DIE auf der Leinwand wie WIR unten im Parkett, soeben nun das geradezu Unwahrscheinlichste, aber dann auch „Logischste“ überstanden zu haben, wird noch eine und noch eine und noch eine weitere…sagenhafte Nummernschippe ´raufgesetzt. Ganz im Stile von ausrastenden erwachsenen skandinavischen Tarantino- „Babies“. Mit Brüder Coen-Touch („Fargo“). Regisseur Magnus Martens, 38, und sein prominenter Mitschreiber, der virtuose, 51jährige norwegischen Krimi-Bestseller-Autor Jo Nesbo („Headhunter“, 2011 von Morten Tydlum unter dem gleichen Titel großartig verfilmt), servieren hier eine wunderbar trockene, lakonische, pechschwarz- humorvolle Gauner-Gangster-Komödie, mit verblüffend grotesken, herrlich absurden Action-Motiven, die für viel schräge wie prächtige Schmunzellaune sorgen. Da wird munter gehackt, gehämmert, sogar gehäckselt sowie, natürlich, auch viel geballert. Skurriler Slapstick vom dunkel- feinsten. Darüber hinaus ist das Psycho-„Duell“ zwischen dem arroganten Arschloch-Bullen und dem listigen Oscar-Tölpel von atmosphärischer Schweinesahne. Apropos, auch die, also „richtige Schweine“, haben hier eine durchaus interessante Aufgabe, beim Verköstigen von „Spezialfutter“. Köstlich.

Ist dieser schwarze Spaß-Streich aus dem wieder einmal film- originellen Skandinavien, vertreten diesmal durch Norwegen. „Jackpot“ besitzt das charmant- böse Spaßformat von faszinierendem Kult-Trash. Oder umgekehrt (= 4 PÖNIs).

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