It’s a free world

IT´S A FREE WORLD“ von Ken Loach (GB 2007; Start D: 27.11.2008); dem inzwischen 72jährigen britischen Sozialankläger, der durch gesellschaftskritische Filme wie „Poor Cow – geküsst und geschlagen“ (1967); „Kes“ (1969); „Erwartungen und Enttäuschungen – Looks and Smiles“ (1981); „Riff-Raff“ (1991); „Raining Stones“ (1993); „Land and Freedom“ (1995) und zuletzt „The Wind That Shakes the Barley“ („Goldene Cannes-Palme“ 2006) als d e r engagierte europäische Politfilmer gilt. Hier bleibt er seinem Dauer-Thema treu und erzählt eine berührende Geschichte von SOLL und HABEN, die ebenso brandaktuell wie zeitlos ist.

Motto: Vom Opfer zum Täter. Dabei im Mittelpunkt. Die schlagfertige Angie (großartig-sperrig: KIERSTON WAREING). Die arbeitet in einer Londoner Zeitarbeiterfirma, die billige Arbeitskräfte aus Polen nach Großbritannien vermittelt. Als die alleinerziehende Mutter ihren Job verliert, gründet sie mit ihrer Freundin und Mitbewohnerin Rose (Juliet Ellis) im Hinterhof ihrer Stammkneipe eine eigene Agentur. Dank ihrer Kontakte steigt die 30jährige rasch auf im Geschäft mit illegalen Leiharbeitern, die elendig wie ungerecht ausgebeutet werden. Doch das Geschäftsklima im Tagelöhner-Milieu ist ruppig; Gesetze gelten dort nicht viel und nur für „die Starken“. Der Turbo-Kapitalismus und seine schlimmen Auswüchse: Schon seit Jahren schreibt PAUL LAVERTY die Drehbücher für die Loach-Werke. Hierfür recherchierte er so präzise im Unterschichten-Milieu, daß sein Skript auf dem vorjährigen Venedig-Festival den Preis für das „Beste Drehbuch“ zugesprochen bekam. Ohne missionarischem Ton und Eifer protokollieren Drehbuch-Autor und Regisseur die allmähliche Verrohung und Gier-Sucht einer „modernen Geschäftsfrau“, deren Sympathiewerte ständig schwanken. Natürlich, das Individuum ist zwar frei in seinen Abwägungungen, aber Angie muß ihre Entscheidungen schließlich in einem Gemeinwesen und Umfeld treffen, deren Wertemaßstäbe unter dem Globalisierungsdruck immer mehr verkommen. Das Geld zählt inzwischen weit mehr als das Wohlergehen einzelner Menschen. „It´s A Free World“ ist eine schonungslose Sozialstudie; ist ein packendes Drama, angesiedelt zwischen Wirtschaftskrimi und Familiengeschichte, das mutig in die Schmuddelecken der britischen Wirtschaft schaut, aber sicherlich nicht nur für dort gilt (= 4 PÖNIs).