IT FOLLOWS

IT FOLLOWS“ von David Robert Mitchell (B + R; USA 2013; K: Mike Gioulakis; M: DISASTERPEACE alias Richard Vreeland; 100 Minuten; deutscher Kino-Start: 9.7.2015); der für gerade einmal 2 Millionen Dollar hergestellte Horror-Thriller (der dann rund 18 Millionen Dollar einspielte und deshalb doch erst ins Kino kommt, bevor er fürs Heim-Kino ausgewertet wird) ist ein prickelnder Spannungs-HAMMER.

Der Autorenfilmer-Neuling DAVID ROBERT MITCHELL, der 2010 den Streifen „The Myth of the American Sleepover“ in Cannes innerhalb der Sektion „Semaine de la critique“ präsentierte, lässt mit seinem zweiten Werk Erinnerungen an die Anfänge eines John Carpenters („Assault – Anschlag bei Nacht“ / „The Thing“) wach werden. Von wegen – suggestive Töne. Dieser eindringliche wie beunruhigende Synthie-Sound. Des amerikanischen Komponisten und Musikers RICHARD VREELAND. Der Morricone des Elektro-Beats. Sein exzessiv hämmernder Soundtrack vermag den Grusel-Horror in faszinierende, dampfende Spannungsstimmung zu formen. Zu versetzen. Der Sog der Musik oder: „It Follows“ ist vornehmlich phantastisches Geräusche-Kino. Jeder noch so lächerliche „Mülleimer“ wird unter Beeinflussung dieser Klänge zum aufregenden möglichen Gefahrenpotenzial.

ES gruselt. Und verändert ununterbrochen seine Gestalt. Kann Gott sei Dank nicht rennen, aber läuft der 19-jährigen Jay (MAIKA MONROE – welch schöner Name) ständig wie unaufhaltsam hinterher. Nur für sie sichtbar. In verschiedenen „Personen“. Aber wer ist ES? Überhaupt? Erinnerungen an Stephen King (mit dem gleichnamigen Roman und der Verfilmung) kommen ebenso auf wie an den klassischen Schauer von George A. Romero („Die Nacht der lebenden Toten“). Allerdings ohne Blutbad.

ES ist zwar sichtbar, aber nicht konkret zu identifizieren. Jay hat mit Hugh geschlafen. Einvernehmlich. Danach hat sie sich infiziert. Nicht mit einer Geschlechtskrankheit oder Aids, sondern mit ES. Erklärt Hugh ihr. Hinterher. Um diesen lebendigen Dämon loszuwerden, muss sie ihn „weiterreichen“. Bei ihrem nächsten Sex. Natürlich Irritation. Unglaube. Unverständnis. Dann Ratlosigkeit. Und Wut. Angst. Verzweiflung. Als ES tatsächlich und immer wieder auftaucht.

Die Freundes-Clique wird alarmiert. Und aktiviert. Wir befinden uns in einem Vorort von Detroit. Menschenleere Straßen. Der städtische Zerfall. Die Kids sind auf sich alleine gestellt. Beim Herauskriegen, wo was wie und wie weiter, und beim „Reagieren“. Bei ihren Abwehrversuchen. Es wird verdammt eng.

Ist Geschlechtsverkehr – zumal vorehelicher – etwas Übles? Auf den Übles folgt? „It Follows“ ist kein reaktionäres, konservatives Ideologie- oder Kirchen-Diktat, sondern ein sagenhaft effektiver Genre-Alptraum. Über eine neue Halluzinations-Bedrohung. Im Kino der ewigen Unruhe. Und Bedrohung. Mit einigen imponierenden Ästhetik-Motiven (etwa in einem Schwimmbad). Und diesem verdammt harten, durchdringenden, wirkungsstarken Paranoia-Power-Sound. Von Disasterpeace.

„It Follows“ geht prächtig an die Nerven (= 4 PÖNIs).

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