I AM MOTHER

PÖNIs:      (3,5/5)

„I AM MOTHER“ von Grant Sputore (Australien/USA 2017/2018; B: Michael Lloyd Green; K: Steve Annis; M: Dan Luscombe, Antony Partos; 114 Minuten; deutscher Kino-Start: 22.08.2019); die Menschheit existiert nicht mehr. Ist auf der Erde ausgelöscht. In einem sterilen unterirdischen Hochsicherheitsbunker führen „Apparate“, Roboter, eine eigenständige Existenz. An diesem unwirtlichen Ort lagern 65.000 Embryonen. Eine Maschine, ein humanoider Roboter, „Mutter“, wählt einen Embryo aus. Er-Sie wurde offensichtlich einst entwickelt, um die Erde nach dem Ende der Menschheit neu zu besiedeln. Diesmal allerdings „besser“. Das erste NEUE Menschenkind wächst heran. „Daughter“. Dabei ist diese künstliche „Mother“-Intelligenz mit einer warmherzigen Stimme (Original: Rose Byrne) sowie mit Wärmemodulen am mechanischen Körper ausgestattet. „Daughter“ wird audiovisuell unterrichtet. Lernt Ballett zu tanzen, sieht alte TV-Serien im Fernsehen. Führt ein wohlbehütetes Leben. In dieser abgeschirmten „Welt“. Was lange abgestimmt gut geht. Klappt. Funktioniert.

Bis eines Tages ein – verletzter – Mensch von draußen Einlass begehrt. Eine Frau („Oscar“-Lady HILARY SWANK) steht vor der Luftschleuse. Wie geht das aber zusammen? Daughter wurde doch erklärt, dass außerhalb dieser „Labor-Behausung“ alles kontaminiert sei. Mutter will die Frau nicht hereinlassen. Daugther ist neugierig. Geworden. Lässt schließlich die Fremde heimlich herein. Als Mutter das mitbekommt, zeigt sich die andere Seite der mechanischen Erzieherin. Fortan duellieren sich zwei: Art „Mütter“. Um die von der Newcomerin CLARA RUGAARD beeindruckend-dicht gespielte „Daughter“.

Ein dystopisches Kammerspiel. Das in den USA nicht ins Kino kam, sondern gleich auf Netflix ausgestrahlt wurde. Lange Zeit ist „I Am Mother“ ein intensives Spannungsstück mit vielen faszinierenden Gedanken. Wie: Eine für einmal möglich gehaltene Zukunft? Wir sind ja heutzutage bereits tief in das System „künstliche Intelligenz“ verstrickt. Und sollte unsere Erde, das erscheint keineswegs mehr undenkbar/unmöglich, demnächst wirklich mal vor die (Kriegs-)Hunde gehen, kollabieren, wäre eine solche Konstellation „machbar“???

„I AM MOTHER“ interessiert als imponierende Fantasy-Schelmerei mit spannenden ethischen wie populären Genre-Fragen. Der dann aber im letzten Drittel leider sowohl die gedankliche wie ideenreiche Puste ausgeht. So dass der Streifen „nicht (mehr) rund“ erklärt wird. Und mau und (um einiges) zu lang zum Ende kommt. Die lange Zeit hochgehandelten Erwartungen an eine prickelnde Auflösung werden nicht erfüllt. Dennoch: Das beunruhigende Drehbuch und diese außerordentlich gelungene „Raum“-Ästhetik und Atmosphäre bleiben ebenso in unheimlicher Erinnerung wie mindestens 80 Anspannungs-Minuten dieser außergewöhnlichen Sci-Fi-Performance (= 3 1/2 PÖNIs).

Teilen mit: