Hunting Party – Wenn der Jäger zum Gejagten wird Kritik

HUNTING PARTY – Wenn der Jäger zum Gejagten wird“ von Richard Shepard (B+R; USA/Kroatien/Bosnien- Herzegowina 2007; 101 Minuten; Start D: 29.11.2007); einem New Yorker Hollywood- wie Independent-Autor und -Regisseur („Oxygen“/1999; zuletzt „Mord und Margaritas“/2005, mit Pierce Brosnan). Der Ursprung: Ein Artikel des US-Journalisten und Kriegsberichterstatters Scott Anderson im Oktober 2001 im Magazin „Esquire“ über einen sonderbaren Trip von fünf westlichen Kriegsreportern in Bosnien, die auf eigene Faust versuchten, den als mutmaßlichen Kriegsverbrecher gesuchten Serbenführer RADOVAN KARADZIC aufzuspüren. Dabei geriet die Clique ziemlich schnell mit der CIA in Konflikt, die offensichtlich keinerlei Interesse daran hatte, Karadzic wirklich zu finden/dingfest zu machen und an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu überstellen. Daraus schuf Drehbuch-Autor und Regisseur Shephard eine Art fiktiven Realstoff mit Abenteu(r)er-Charme und Action-Geschmack.

Zur Erinnerung: Während der Irak-Krieg und seine weltweiten Folgen thematisch derzeit zum amerikanischen Kino-Alltag mit-dazugehört, sind die Schrecken des jugoslawischen Bürgerkriegs/sind die Bilder vom Bosnien-Krieg aus den 90er Jahren – ermordete Männer, vergewaltigte Frauen, zerbombte Häuser – weitgehend aus den Medien verschwunden. Dieser Film jedoch stellt genau diese „vergessene Katastrophen“ nach/erinnert an die furchtbaren Gräueltaten jener Tage. Indem er einen ziemlich abgehalfterten Ex-Star-TV-Journalisten auf eigene Faust einen der größten serbischen Kriegsverbrecher, genannt „Der Fuchs“, jagen lässt. Dafür aktiviert er auch seinen ehemaligen Kameramann-Partner, mit dem er einst ein perfekt eingespieltes Team in Sachen Vor-Ort-Kriegsberichterstattung bildete. Außerdem mischt ein Jungspunt von Nachwuchs-Journalist an ihrer Seite mit.

Was folgt ist eine spannende Mixtur aus Polit-Drama, Abenteuer-/Abenteurerfilm und Polit-Satire. Mit dem Motiv, dass weder die schwächliche UNO und schon gar nicht der amerikanische CIA ein ernsthaftes Interesse an der Verhaftung des gesuchten Verbrechers haben. „Übergeordnete Interessen“ sorgen hier für eine merkwürdige „Diplomatie“-Verschwörung. Da wir uns allerdings im (Emotions-)KINO befinden, zimmert Shepard daraus eine private Rache-Story des Glücksritters +Jägers Simon Hunt („Wenn Dein Leben wirklich in Gefahr ist, weißt Du, dass Du wirklich lebst. Der Rest ist Fernsehen!“), die schließlich ein für ihn „befriedigendes“ und für den Zuschauer ein fein-böse-pointiertes Ende erreicht. Der politisch wache Hollywood-Star RICHARD GERE mimt den elektrisierten wie angeschlagenen TV-Schnüffler Hunt mit engagiertem Temperament. TERENCE HOWARD („Vier Brüder“; „Ray“; „L.A. Crash“) als sein afro-amerikanischer Kollegen-Freund ist der Erzähler-hier, der zum moralischen Zentrum wird. Newcomer JESSE EISENBERG als journalistischer Grünschnabel steht mit seiner Blauäugigkeit und seinem naiven Idealismus für „das staunende Publikum“, also uns.

Ein nicht unbedingt komplett gelungener, aber über weite Strecken sehr unterhaltsamer Spannungsfilm, der größtenteils an Originalschauplätzen in Bosnien und Kroatien entstand. Und dessen Hauptstärke es zweifellos ist, die Verbrechen des jugoslawischen Bürgerkriegs und die Ungereimtheiten bei der Suche nach den Hauptverantwortlichen aus der Vergessenheit ins aktuelle Bewusstsein geholt zu haben. Das verdient Lob, Anerkennung und die unbedingte Kinobesuchs-Empfehlung (= 3 ½ PÖNIs).

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