HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES – Teil 1

Teil 7/1 „HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES – Teil 1“ von David Yates (USA/GB 2009/2010; B: Steve Kloves; 147 Minuten; Start D: 18.11.2010); lassen wir uns noch einmal von den sagenhaften Fakten inspirieren: Die heute 45jährige britische Schriftstellerin JOANNE K. ROWLING erfand 1990 die Romanfigur Harry Potter während einer Zugfahrt von Manchester nach London. 1995 vollendete sie den 1. Band der siebenbändigen Buchreihe. Am 26. Juni 1997 wurde „Harry Potter und der Stein der Weisen“ mit einer Startauflage von 500 Exemplaren veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe kam 1998 heraus. Der Film kam 2001 in die Kinos. Spielte weltweit rd. 975 Millionen Dollar ein; hatte allein in Deutschland rd. 12,6 Millionen Kinozuschauer. Der Rest ist Roman- wie Film-Legende: „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ (Roman 1999; Film: 2002; belegt Platz 17 auf der Liste der weltweit erfolgreichsten Filme und mit knapp 9,7 Millionen Zuschauern Platz 15 auf der Liste der erfolgreichsten Filme in Deutschland); „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ (Roman 1999; Film 2004); „Harry Potter und der Feuerkelch“ (2000 / 2005); „Harry Potter und der Orden des Phönix“ (2003 / 2007); „Harry Potter und der Halbblutprinz“ (2005 / 2009); „HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES“ (2007 / zweiteilig, 18.11.2010 + 13. Juli 2011).

Die bisherigen Filme spielten bislang weltweit umgerechnet 3,9 Milliarden EURO ein.
Weltweit wurden mehr als 400 Millionen Exemplare der Harry-Potter-Bücher in insgesamt 67 Sprachen verkauft. Joanne K. Rowling ist die erste Schriftstellerin überhaupt, die rd. eine Milliarde US-Dollar an ihren Büchern verdient hat. Von den deutschsprachigen Ausgaben (des Hamburger Carlsen-Verlages) wurden über 30 Millionen verkauft.
Die von Joanne K. Rowling erfundene Bezeichnung „MUGGLE“ für „normale Menschen, ohne Zauberblut“, zählt inzwischen zum offiziellen englischen Wortschatz; wurde 2003 in die Neuauflage des „Oxford Dictionary of English“ aufgenommen.
Die britische Post brachte 2007 Briefmarken mit den Titelbildern aller sieben Harry Potter-Roman-Bände heraus.

Nach Chris Columbus (die ersten beiden Filme), Alfonso Cuarón („Askaban“), Mike Newell („Feuerkelch“) ist David Yates („Phönix“; „Halbblutprinz“ und jetzt auch den „Heiligtümer“-Zweiteiler-Abschluss) der 4. Regisseur dieser erfolgreichen englisch-amerikanischen Filmreihe. Die gegen Ende immer düsterer wird. Zeichneten sich die ersten Filme, die vor allem an der Hogwarts-Zauberschule spielten, mit dem mächtigen Professoren-„Beschützer“ Albus Dumbledore (Richard Harris / Michael Gambon) im Mittel(bei)punkt, durch viel Magie-Poesie, fiebrige, feurige Humor-Tricks, unschuldige „Kindereien“ und reizvolle Schloss-Motive sowie durch eine originelle, urige Personal-Parade aus, geht es jetzt robust ans Hart-Eingemachte. Die Schule ist abgebrannt, der gute Professor tot. Bekannte, geschätzte Figuren wie Rubeus Hagrid (ROBBIE COLTRAINE) oder Severus Snape (ALAN RICKMAN) tauchen nur kurz auf.

Das „Kinder“-Trio um Harry Potter (DANIEL RADCLIFFE), Hermine Granger (EMMA WATSON) und Ron Weasley (RUPERT GRINT) ist jetzt auf sich alleingestellt. Sie sind längst den Kinderschuhen entwachsen, haben den Unschulds-Charme abgestreift. Müssen jetzt eigenständig handeln, entscheiden. Um gegen ihren Erz-Dauer-Feind, den üblen, mörderischen, weltmachtbesessenen Lord Voldemort (RALPH FIENNES), anzutreten, zu bestehen. Und das erweist sich als immer schwieriger. Denn der Lord hat inzwischen seine schurkischen Kräfte gebündelt und holt zum letzten (Todes-)Schlag gegen Harry Potter & Co. aus. Hat das entscheidende Zaubereiministerium, mit Unterstützung seiner Todesesser, übernommen, womit die Jagd auf die Muggles und die Abtrünnigen im Land freigegeben ist. Was für Harry, Hermine + Ron bedeutet, sich andauernd in bedrohlichen Gebäuden, in ekligen Kellergewölben und in verwegenen Wäldern aufhalten, verstecken zu müssen. Was zugleich für Kameramann EDUARDO SERRA bedeutet, herrlichste britische Landschaften (für kommenden britischen „Wohlfühl“-Potter-Tourismus) einfangen zu können. Und für Neu-„Harry“-Komponist ALEXANDRE DESPLAT, die düster-depressive Stimmung musikalisch aufwühlend zu begleiten, zu kommentieren.

Natürlich geht es nur noch einzig und alleine darum, zum Finale zu kommen. Deshalb ist „Harry Potter 7 / 1“ auch ein (rein wirtschaftlich begründetes) Streck-Movie: Inhaltlich schwerfällig, langatmig wie düster-horrorlich ausufernd ausgebreitet (FSK-Freigabe ab 12 Jahren, na ja), mit viel Stillstand- und Wiederholungs-Appeal. Motto: Viel Geplapper, zum Beispiel über die Suche nach den Horkruxen (nicht groß fragen, was/warum und wo die sind), um dann hin und wieder mit brutalen, „aufwachenden“ Action-Füll-Szenen zu hantieren. Schließlich werden die „wichtigen“ „Heiligtümer des Todes“ ins Bitter-Spiel gebracht, bevor endgültig fini ist. Ein rabiater Schnitt mittendrin, Feierabend. Bis denne.
Immer wohlwissend – Harry´s Team kann ja gar nichts passieren, denn sie MÜSSEN ja im Sommer nächsten Jahres auf der Leinwand ganz sicher wieder ´ran. Also pieken sie sich schon mal ein bisschen pubertär untereinander, von wegen Ron ist eifersüchtig, weil er annimmt, dass Harry „seine“ Hermine erobert hat. Wobei dadurch aber auch der schönste Gefühlsmoment des Films entsteht – wenn Harry + Hermine einen intimen, zarten Tanz-Moment-lang mal „loslassen“ dürfen. Als wären sie in einem ganz anderen, schöneren Film. So viele dichte Emotionalität macht sich in „Harry Potter 7 / 1“ ansonsten rar.

Auch, weil plötzlich schauspielerische Mängel der Hauptfiguren empfindlich sichtbar werden: DANIEL RADCLIFFE, zur Drehzeit 20/21, wirkt in seiner Eindimensionalität entfaltungsarm. Kommt nicht so „an“ wie vorher, streift gefühlskalt herum. Dass die darstellerischen Fähigkeiten seines Kumpels RUPERT GRINT, 21, begrenzt waren und sind (wenn er „staunt“, ist er am besten), wurde zu Kindertagen nett übertüncht. Ist aber nunmehr nicht mehr zu verstecken, zu übersehen. Rotkopf Rupert Grint als Ron ist das definitive Schwachglied vom Rampenteam. Einzig die „kompakte“, charmante, französische Britin EMMA WATSON (am 15. April 1990 in Paris geboren), hat sich „artistisch“, elegant, selbstbewusst weiterentwickelt. Hat sich zu einer sympathischen Persönlichkeit entwickelt. Und wird hier sowieso zum eigentlich „Leader“. Wenn sie im Bild ist, zeigt sich sensible, spannende, neugierige, überzeugende Figuren-Spaß-Power. Mit der sie die Boys glatt abhängt. Emma Watson ist auf dem Karriere-Weg.

„Harry Potter 7 / 1“ oder also: Ist man ganz kritik-böse, kann man ruhig empfehlen – sich dieses ellenlange vorfinale Zwischenspiel zu schenken, um sich dann im Sommer nächsten Jahres ganz auf den Final-Countdown zwischen den Kontrahenten zu konzentrieren. So viel versäumt hat man eigentlich nicht (schwache 3 PÖNIs).