HALLOWEEN (Gastkritik)

„HALLOWEEN“ von David Gordon Green (Co-B + R; USA 2018; Co-B: Danny McBride & Jeff Fradley; K: Michael Simmonds; M: John Carpenter; 106 Minuten).

Gastkritik von Caroline „Carrie“ Steinkrug 

Michael Myers schwang 1978 zum ersten Mal das Messer auf der Leinwand. Entwickelt von Großmeister John Carpenter, zusammen mit Debra Hill. Mittlerweile auch zu sehen in 9 weiteren Filmen. Michael Myers ist innerhalb der letzten 40 Jahre so zur Killer-Ikone aufgestiegen. Genau diese Zeitspanne ließ auch der amerikanische Regisseur David Gordon Green verstreichen, bevor er sich aktuell wieder an diesen Kult-Grusel heranwagte. Kein leichtes Vorhaben, da die Low-Budget-Produktion (von „nur“ 325.000 Dollar!) damals nicht nur fast 70 Millionen einspielte, sondern darüberhinaus auch Filmgeschichte schrieb. Und zudem das sogenannte Slasher-Genre etablierte (von Eng.: to slash so./sth. = jm./etw. aufschlitzen). Eine Kategorie, in die sich später auch Berühmtheiten wie Wes Craven mit seiner SCREAM-Reihe mit einfügen sollten. Im Mittelpunkt stets: bestialische Morde, blutige Messer und massenhaft Leichen. Jetzt 2018 fragt man sich: Kann die Nostalgie, um diesen bösen „Jungen“ aus Haddonfield, den modernen Schreck-Geschmack überhaupt noch befriedigen? Kann ein Serienkiller mit einer ausrangierten, weiß-gepinselten William-Shatner-Maske für 1 Dollar und 98 Cents, heute noch Angst einflößen? Oh. Ja.

HALLOWEEN (2018) schließt als zehnte Adaption nahtlos an die Ereignisse des Klassikers HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS (1978; s. Kino-KRITIK) an und ignoriert somit alle anderen neun (miesen) Vorgänger. Michael Myers (wie damals gespielt von: NICK CASTLE) sitzt nach dem Abschlachten von vier Menschen in der Psychiatrie fest, während das „Über-Leben“ von Laurie Strode (erneut: JAMIE LEE CURTIS) immer noch von der traumatischen Vergangenheit geprägt ist. Und natürlich entkommt „es“. Das gesichtslose Böse. Und ES begibt sich wieder auf die Jagd. In der Dunkelheit des 31. Oktobers. Doch auch Laurie hatte vier Jahrzehnte Zeit, sich auf diese Rückkehr vorzubereiten.

Die Neuauflage ist eine famose Castle-Curtis-Show. SIE; einst: scheues Mädchen – nun: taffe Guerilla-Großmutter. Verdiente sie anfänglich mit ihrem Schauspieldebüt nur 8.000 Dollar, ist die heute 60-jährige hier als „Leittier“ fast jede Gage wert. Schwierig allerdings bleibt die erzählerische Verbindung zwischen der liebenden Oma und ihrer gnadenlos-kriegerischen Eremiten-Haltung, die sie ebenso besitzt wie ihr maskierter Gegenpart. Michael selbst tut derweilen das, was er am besten kann. Schweigen. Schleichen. Schlitzen. Seine blutige Spur ist zeitgemäß brutaler als je zuvor; gezeigt im klassischen Geist der Dunkelheit sowie in verstörenden Schärfenwechseln. Regisseur Green schafft an sich ein gutes Gleichgewicht zwischen Hommage-Bekundungen und neuen Wegen. Letztere führen aber leider nicht immer tief genug in die Geschichte hinein, so dass sie insgesamt sehr oberflächlich bleibt. Auf dieser Oberfläche jedoch entsteht ein „antiker Look“, der hingebungsvoll in Halloween-Town-Haddonfield etabliert wird. Mit-Transporteur: Die Musik. Das von Carpenter selbst geschriebene Instrumental-Thema beweist einmal mehr, dass der schlichte 5/4 Takt eines disharmonischen Klavierstücks ausreicht, um Menschen erschauern zu lassen. Kraftvoll. Treibend. Ebenso wie der Tanz des „alten Ehepaares“ Myers und Strode, das sich wohl nichts sehnlicher wünscht, als dass der Tod sie endlich scheidet.

Auch 2018 besitzt HALLOWEEN keine großen Schockeffekte und ist mehr unheimlich als laut. Aber vor allem ist er ein Liebesbekenntnis an eine d e r wichtigsten Horror-Figuren der Filmgeschichte. Ein Werk für Liebhaber, die gerne Samhain gedenken. (= 4 „Carrie“-PÖNIs… und Happy Halloween!).