Hairspray Kritik

HAIRSPRAY“ von Adam Shankman (Co-Prod., Choreographie+R; USA/GB 2007; 117 Minuten; Start D: 06.09.2007) (), basierend auf dem Drehbuch von John Waters zu seinem gleichnamigen Film von 1988 sowie basierend auf dem gleichnamigen Bühnen-Musical von 2002. Bekannt ist Shankman durch „leichte Hollywood-Kost“ wie „Wedding Planner – Verliebt, verlobt, verplant“/mit Jennifer Lopez/2000; „Haus über Kopf – Betreten auf eigene Gefahr“/mit Steve Martin/2003 sowie „Im Dutzend billiger 2 – Zwei Väter drehen durch“/mit Steve Martin und „Der Babynator“/mit Vin Diesel von 2005. Sein neuer Film ist ein REMAKE: Der Kult-Film „Hairspray“ wurde 1988 vom damals 41jährigen JOHN WATERS sowohl geschrieben wie auch inszeniert.

Waters, heute Professor für Film, Kino und Sub-Kultur an der „European Graduate School“ in Saas-Fee/Schweiz, lebt und arbeitet weiterhin in seiner Geburtsstadt Baltimore im Staat Maryland/USA. In der Film-Szene ist er als „schwarzes Schaf“ berüchtigt. Seine frühen Werke „Pink Flamingos“ (1972), „Female Trouble“ (1974) und „Desperate Living“ (1977) gelten gemeinhin als „Trash Trilogy“. Seine (Anfangs-)Filme testen oft die Grenzen und den Geschmack des herkömmlichen Kinopublikums bzw. des herkömmlichen Kinoverständnisses aus; provozieren die (amerikanische) Zensur. In den letzten Jahren dagegen sind die Filme von John Waters mehr und mehr „Mainstream-nahe“ („A Dirty Shame“/2004). 2002 kommt „HAIRSPRAY“ als Musical an den Broadway. Die Bühnenfassung wurde zunächst in Seattle gezeigt, bevor sie mit GROSSEm Erfolg in New York aufgeführt und mit gleich 8 Musical-„Oscars“, den „Tonys“, ausgezeichnet wurde. Der Film adaptiert weitgehend das MUSICAL: Die Handlung spielt im Baltimore von 1962.

Im Mittelpunkt: Der „leicht“ übergewichtige/vollschlanke Teenager Tracy Turnblad. Deren Traum es ist, einmal in der in ihrer Stadt so populären, täglich ausgestrahlten TV-Serie „Die Corny-Collins-Show“ auftreten bzw. tanzen zu dürfen. Als es ihr tatsächlich gelingt, wird sie – gerade wegen ihres „anderen Aussehens“, aber auch wegen ihrer sympathischen Natürlichkeit – über Nacht zum Star. Ihre neue Berühmtheit nutzt sie zugleich für eine Kampagne gegen die Trennung von Schwarzen und Weißen in der Show, aber auch „überhaupt“.

Die „Bunte Bühne“-Kintopp, als ganz hübsches, nettes Kasperletheater; mit ohne musikalischem Ohrwurm; aufgesetzt-schrill, dabei harmlos wie Puderzucker; mit (für heutige Verhältnisse) fragwürdigem Schwarz-Weiß-Verständnis (= alle Schwarzen sind über-nett und können exzellent tanzen); vorhersehbar; choreographisch nur in der letzten Viertelstunde WIRKLICH mitreißend. Eine permanent-aufgesetzt-wirkende Gute-Laune-Show, in der die Gesangs- wie Tanznummern kaum aus dem Sessel (mit-)reißen. Die Debütantin NIKKY BLONSKY ist mit ihrem Ewig-Läccheln und ihrer turmhohen Frisur ganz charmant-niedlich, aber der EIGENTLICHE GAG läuft schwach-schief: Der 53jährige JOHN TRAVOLTA als gewichtige, voluminöse Lockenwickler-/Hausfrau-Tracy-Mutter macht kaum Spaß und noch weniger Sinn.

Im Originalfilm spielte die Drag-Queen DIVINE diese kesse Matrone und war ein heißer Feuer-Feger/ein schräger Darsteller-Hammer. Im Broadway-Musical wurde die Rolle/der Auftritt von Harvey Fierstein mit einem „Tony“ belohnt. Shankman steckt hier nun Travolta in ein gigantisches Latex-Ganzkörperkostüm und lässt ihn übergewichtig-überkandidelt ja/nein herumhüpfen. Ergebnis: Atmosphärisch wie komisch-nööööö. In weiteren Ganz-Okay-Rollen: MICHELLE PFEIFFER als böse Mutter-Zicke vom Fernsehen sowie CHRISTOPHER WALKEN als Teenie-Papa.

Fazit: Der einstige (wichtige) satirisch-bissig-subversive „Hairspray“-Sinn und -Ton ist zugunsten einer dauerhaften Voll-Fröhlichkeit – mit ein bisschen „Problem“ – weg, deshalb: Belanglose Bunt-Unterhaltung (= 2 ½ PÖNIs).

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