DER GROSSE BLUFF

Das Team LASSE HALLSTRÖM/RICHARD GERE ist ja seit letztem Donnerstag mit dem prächtigen Hundefilm „HACHIKO – Eine wunderbare Freundschaft“ in unseren Kinos. In dieser Woche kommt auf DVD ein „älterer/neuer“ Film der Beiden als Deutsche Erstveröffentlichung auf den Markt. Dabei handelt es sich um eine aufwändige amerikanische Produktion aus dem Jahr 2006, die in den letzten zwei Jahren auf verschieden internationalen Festivals lief (wie Rom, Cambridge, San Sebastian) und stets beste Noten bzw. gute Besprechungen bekam. Der Originaltitel lautet „THE HOAX“, also „Der Streich“/“Der Schwindler“. Der deutsche DVD-Titel lautet:

DER GROSSE BLUFF“ von Lasse Hallström (USA 2006; B: William Wheeler; 112 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 19.11.2009); Deutscher Untertitel: „Das Howard Hughes Komplott“.

Zu Richard Gere braucht man nicht (mehr) viel zu sagen, der heute 60jährige bekennende Buddhist zählt zu den „angenehmen“ Superstars aus Hollywood. Hat sich mit Filmen wie „Ein Mann für gewisse Stunden“ (1980), natürlich „Pretty Woman“ (1990), „Die Braut, die sich nicht traut“ (1999/beide mit Julia Roberts) sowie „Chicago“ (2002) und „Darf ich bitten?“ einen großen Beliebtheitsnamen gemacht. Der heute 63jährige Schwede LASSE HALLSTRÖM gehört zu den sanften, „gutmütigen“, sensiblen Regisseuren, fing einst mit dem heutigen Kult-Movie „ABBA – Der Film“ 1977 an, um sich dann mit Filmen wie „Mein Leben als Hund“ (1985), „Gilbert Grape- Irgendow in Iowa“ (1993/mit Johnny Depp)), „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ (1998, „Nebendarsteller-„Oscar“ für Michael Caine) sowie „Chocolat“ (2000/mit Juliette Binoche + Johnny Depp) und „Ein ungezähmtes Leben“ (2005/mit Robert Redford + Morgan Freeman) international zu profilieren. Dieser Film hier basiert auf wahren Begebenheiten. Seine Produktionskosten werden auf rd. 50 Millionen Dollar geschätzt, er wurde in New York, in Puerto Rico und in Kalifornien gedreht und basiert auf dem Buch „The Hoax“ des Schriftstellers CLIFFORD IRVING (geboren am 5.11.1930) aus dem Jahr 1972. Und erzählt von einem gigantischen Schwindel, von einer „irren Fopperei“, von einer riesigen Täuschung. Sozusagen: „Schtonk“ auf amerikanisch.

Nur daß es hier nicht um Adolf Hitler und seinen vermeintlichen Tagebüchern geht, sondern um die angebliche Autobiographie des geheimnisvollen US-Milliardärs Howard Hughes (24.12.1905-5.4.1976). Wir befinden uns Anfang der 70er der letzten Jahrhunderts in den USA. Wo der Schriftsteller Clifford Irving soeben erfahren hat, daß sein neuestes Buch doch nicht von einem namhaften Verlag veröffentlicht wird. Erst Zu-, dann Absage. Irving ist „geschafft“. Und kommt, gemeinsam mit seinem Freund und Schriftsteller-Kollegen Richard „Dick“ Süsskind (ALFRED MOLINA), auf die Idee zu behaupten, daß der öffentlichkeitsscheue, exzentrische, unnahbare Milliardär Howard Hughes („Einer der großen Exzentriker des 20. Jahrhunderts“) ausgerechnet IHN ausgesucht hat, um seine Biographie zu schreiben. Natürlich „wackelt“ fortan die Welt der Verlage. Während die Beiden „Auserwählten“ auf Recherche gehen. In der Staatsbibliothek, im Verteidgungsministerium, dort, wo Geheimmaterial zu finden ist, das nur „angeschaut“, aber nicht fotografiert und schon gar nicht mitgenommen werden darf. Dabei stoßen sie auf „Merkwürdigkeiten“. In Sachen Geschäftemacherei zwischen Hughes und dem amtierenden Präsidenten Richard Nixon. Eine „Lüge mit Wahrheiten“ entsteht. Und wäre sicherlich „einfacher“ zu verwerten gewesen, wenn Irving nicht (schon wieder) auf amourösen Abwegen mit Gräfin Nina van Pallandt (JULIE DELPY) wandeln würde, was Ehefrau Edith (MARCIA GAY HARDEN) in Rage versetzt. Und das ganze, schöne Komplott in Frage stellt.

Zudem wachsen die privaten, zwischenmenschlichen Spannungen zwischen Dick und Cliff, denn Richard Süsskind ist nervlich ziemlich am Ende. Doch dann ist es soweit, „das Meisterwerk“, so die Chefetage des Verlages, ist fertig. Doch ausgerechnet jetzt meldet sich der scheue Hughes per Telefonkonferenz, um Stellung zu beziehen. Und Irving begreift, daß sie imgrunde hier ausgetrickst wurden, Mittel zum Zweck waren, inmitten eines politischen Komplotts. Sie waren „Teil eines Ganzen“. Geschickt eingefädelt, raffiniert weitergesponnen. Mit Folgen, denn justament werden 5 Einbrecher gestellt, die im WATERGATE-Haus der „Demokraten“ beim Einbruch erwischt wurden. Ein spannender, ein listiger Film. Mit „saftigen Charakteren“ (Richard Gere im Bonus-Interview). Und einem Richard Gere im 70er Jahre Look, mit Minipli-Frisur-Charme, in charkaterlicher Darsteller-Bestform. Als aufregender Verführer, selbstsicherer Wut-Clown, brillanter Täuscher. Ein Selfmade-Strippenzieher. Geltungssüchtig, auf Ego-Trip.

„Er war ein superber Gauner“, sagt ein TV-Talker bewundernd im Bonusmaterial und zollt dem „realen“ Irving großen Respekt. Denn DER zog „sein Ding“ brachial durch. Und „kriegte sie alle“, die Gaanz Großen GIERIGEN wie die vielen Profi-Chargen drumherum. Die einfach daran glauben WOLLTEN, daß es hier tatsächlich um den Großen Unbekannten Howard Hughes geht. Mit dem bombastische Geschäfte zu machen sind. Und dafür (SEHR) viel vorab zu zahlen bereit waren. Irving bekam sie zuletzt alle. Um dann doch zu verlieren. Und sich offenbaren zu müssen. Die Stones singen süffisant zum Abspann ihren Klassiker „YOU CAN´T ALWAYS GET WHAT YOU WANT“…..; ein toller „Polit-Schwank“. Der einst die USA erschütterte. Und nun filmisch brillant aufbereitet wurde. Mit einem Star-Ensemble, bis in die kleinsten Neben- bzw. Stichwortrollen. Wie z.B. HOPE DAVIS, STANLEY TUCCI, dem alten ELI WALLACH…., wunderbar. Ein vorzüglicher Spannungsfilm. In vielerlei Hin- und Denksicht. Was für eine hervorragende filmische DVD-Entdeckung!
Anbieter: „Ascot Elite“.

P.S.: Bereits 1973/74 verfilmte die ARD dieses „Material“ als Zweiteiler unter dem Titel „DER SCHECK HEILIGT DIE MITTEL“. Buch: Henry Kolarz, Regie: Peter Schulze-Rohr. Mit HORST FRANK als Clifford Irving und Richard Süsskind als er selbst. TV-Erstausstarhlung war am 25. Mai 1974. Würde mich mal SEHR interessieren, wie DIE das filmisch damals auf 184 Minuten aufbereitet haben…..; vielleicht gräbt das ja mal jemand aus.