Glück an meiner Seite Kritik

DAS GLÜCK AN MEINER SEITE“ von George C. Wolfe (USA 2012/2013; B: Shana Feste, Jordan Roberts, nach dem Debüt-Roman „“You’re not you“ von Michelle Wildgen/2006; K: Steven Fierberg; M: Jeanine Tesori; 93 Minuten; Start D: 16.04.2015); Schlimme Krankheiten sind derzeit ein angesagtes filmisches „In-Thema“: Julianne Moore bekam in diesem Jahr einen „Oscar“ für ihre Rolle einer Alzheimer-Patientin in „Still Alice“; Eddie Redmayne wurde ebenfalls mit einem „Oscar“ belobigt für seinen Part des an ALS erkrankten Stephen Hawkins in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, und nun ist die zweifache „Oscar“-Preisträgerin HILARY SWANK („Boys Don’t Cry“; „Million Dollar Baby“) „dran“ und als an „Amyotrophe Lateralsklerose“ (ALS) erkrankte Pianistin zu erleben. Dabei spielt ihr Film „You’re Not You“ auf der Tastatur = Ziemlich beste Freundinnen.

Kate (Hilary Swank), eine glücklich verheiratete und erfolgreiche Pianistin, erkrankt an dieser tückischen, schleichenden Nervenkrankheit. Beginnend an ihrem 35. Geburtstag, bei dem sich erstmals offene Symptome zeigen. Innerhalb von eineinhalb Jahren wird Kate zum Pflegefall. Ihr Ehemann Evan (JOSH DUHAMEL), ein angesehener Anwalt, steht ihr tapfer zur Seite und hilft aufopferungsvoll, vermag aber mehr und mehr die notwendige Hilfe nicht mehr zu leisten. Eine Pflegekraft muss her. Kate setzt ausgerechnet auf Bec (EMMY ROSSUM), einer ziemlichen Chaoten-Braut: Studentin wie erfolglose Musikerin. Deren unkonventionelle Art und Weise gefällt ihr. Kate fühlt sich nicht mehr als Patientin bemitleidet und bemuttert, sondern als „schwächelnder Mensch“ behandelt. Dass ihr Ehemann über ihre Wahl „überrascht“ bis ungehalten ist, ist ihr egal. Und es kommt wie vorhersehbar: Zwei sozial wie gesellschaftlich völlig ungleiche Frauen werdenden zu Verbündete. Freundinnen. Bec vermittelt Kate Kraft und Würde. Die sie offensichtlich in ihrer Hochglanzwelt bisher „so“ nicht kannte. Während ihr Mann sich in eine Affäre flüchtet.

Auch Hilary Swank ist phänomenal. In dem Befinden, einen kraftvollen Menschen zu spielen, dem mehr und mehr die Kraft und damit der Lebensmut ausgeht. Darstellerisch eine Wucht. Ebenso wie Emmy Rossum, die überzeugende 27jährige Schauspielerin („Mystic River“), Sängerin und Songwriterin. Als autarke Pflegekraft Bec. Doch die Entwicklung hier ist fragwürdig. Die Story ist überfrachtet, mit Klischees zugespült. Mit platten Lebensweisheiten als Ausrufungszeichen! Noch und nöcher Hülsen über Liebe und Freundschaft verkündend! („Warum wollen wir immer die Menschen, die uns gar nicht sehen“). Triefende Sentimentalität verbreitend. Stereotype werden bedient. Alles ist weidlich und leidlich vorhersehbar. Und dadurch reizlos. Langweilig. Uninteressant. Trotz Hilary Swank.

„Das Glück an meiner Seite“ ist emotional glatt auf „Hollywood“ getrimmt, also subtile Zwischentöne und sensible körpersprachliche Pointen vermeidend. Während die softe Jazz- und Chopin-Musik begleitend sülzt. Falsch, alles andauernd falsch, ruft man innerlich dem faden Drehbuch zu. Und bedauert Hilary Swank für den „vergeblichen Aufwand“. Und Film (= 2 PÖNIs).

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