GLÜCK

GLÜCK“ von Doris Dörrie (B+R; D 2011; 112 Minuten; Start D: 23.02.2012)  „Mitten ins Herz“ (1983), natürlich „Männer“ (1985 in Hof entdeckt), „Nackt“ (2002) und zuletzt „Kirschblüten – Hanami“ (2008) sind mir auf Anhieb in positiver Erinnerung, wenn ich an die Filmwerke der „Zwillingsfrau“ aus Hannover (geboren am 26. Mai 1955) denke. Manche Murksfilme vergessen wir mal. Hier nun bediente sie sich Motiven einer Story aus dem Erzählband „Verbrechen“ des Anwalts und Strafverteidigers Ferdinand von Schirach aus dem Jahr 2009. Und „füllt“ quasi diese mit Berliner Gossen-Leben.

Zwei haben sich gefunden: Irina aus Osteuropa, dort geschunden, verhöhnt, vergewaltigt, ist in Berlin traumatisiert wie illegal gestrandet. Hält sich mit Prostitution über Wasser. Er, der obdachlose Punk Kalle, vermag sich ihr zu nähern. Zwei Verletzte klammern sich aneinander. Als ein Freier bei ihr „während der Bedienung“ stirbt und sie panikartig die Wohnung verlässt, taucht er auf und dreht durch. Im Glauben, sie habe „damit“ etwas zu tun, will er Irina und ihre Beziehung schützen. Greift zum Elektromesser und zerstückelt, als ehemaliger Versuchs-Metzger, die Leiche. Was Doris Dörrie veranlasst, dies „dick-deutlich“ wie voll eklig-trivial vorzuführen. Voyeuristisch. Als Splatter-„Kunst“ mit Seelen-Qual(en). Ums halt „doller“ zu machen?: „Wer vorsätzlich langweilt, ist bloß arrogant“, lautet die Interview-Überschrift im Berliner „Tagesspiegel“ vom 15. Februar 2012 mit Doris Dörrie.

Ein zwiespältiger Streifen. Mal sich im Bilderkitsch von Mohnfeldern, Kirschblüten und Wolken aufhaltend, dann sich im sensiblen Gemüt zwischen diesen beiden kaputten Seelen behutsam äußernd, dann dieser blutige exzessive Großangriff aufs Zuschauer-Gemüt. Als Haupt-Akkord. Mittendrin aber, als ausdrucksstarke Leidfigur: Die 32-jährige Italienerin ALBA ROHRWACHER, 2009 als „Europäischer Shooting-Star“ auf der Berlinale ausgezeichnet. Sie kriecht förmlich mit ihrer ungemein intensiven Körpersprache in ihre gepeinigte Irina-Type hinein. Überzeugt beängstigend in stiller Gestik und Mimik. Vermag eine starke Leinwand-Präsenz zu erzeugen. Beim „Punk“-Partner Vinzenz Kiefer wird die „Mühe zum Mithalten“ dagegen fühlbar. Erkennbar. Während zuletzt der Anwalt (Matthias Brandt) plädiert. Erklärt. „Bescheid weiß“. Und dies zu vermitteln vermag. Schirach sei dank.

Der neue Doris Dörrie-Film torkelt uneinheitlich, mit vielen Fragezeichen, durchs Nirwana des Kinos (= 2 ½ PÖNIs).

 

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