Frau in Schwarz Kritik

DIE FRAU IN SCHWARZ“ von James Watkins (GB/Schwed/Kanada 2010/2011; 95 Minuten; Start D: 29.03.2012); noch in bester Erinnerung sind diese „speziellen“ Gruselfilme der britischen HAMMER-Produktion aus den 50er und 60er Jahren. Wo in Schauer-Movies wie „Dracula“, „Frankensteins Rache“, „Der Hund von Baskerville“ „Der Fluch von Siniestro“, „Ein Toter spielt Klavier“ oder „Die brennenden Augen von Schloß Bartimore“ „dunkle Stars“ wie Christopher Lee, Peter Cushing und Oliver Reed ihre faszinierenden Düster-Auftritte hatten. HAMMER-FILMS verknüpfte damals spektakulär wie erfolgreich die atmosphärische britische Gothic-Tradition mit den blutigen „Kopf“-Grausamkeiten des französischen Théatre du Grand-Guignol. Der „Hammer“-Horror wuchs sozusagen „zu/zur Kunst“. Und gilt heute als Kult. Mitte der achtziger Jahre kamen die „Hammer“-Filme aus der Mode. Nach über zwei Jahrzehnten wurde die Legende „HAMMER“ wieder belebt. Reanimiert. Unter neuer Leitung. „The Resident“ von Antti Jokinen hieß 2009 ein neuer Horrorfilm „von dort“. Namhaft besetzt mit „Oscar“-Lady Hillary Swank und, einmal mehr, der Horror-Legende CHRISTOPHER LEE. (Kam bei uns gleich auf DVD am 10.Februar 2011 heraus).

„The Woman in Black“ basiert auf der gleichnamigen, 1983 veröffentlichten Geistergeschichte der heute 70jährigen britischen Autorin SUSAN HILL. Nachdem der Spannungsstoff bisher in GB für ein TV-Movie, für ein Hörspiel sowie für ein Theaterstück adaptiert wurde, ist nun DAS KINO „dran“. Mit diesem Schauerstück, das im London Ende des 19.Jahrhunderts angesiedelt ist. Der junge verwitwete Anwalt Arthur Kipps steht unter stark seelischem sowie auch erheblichem beruflichen Druck. Seit seine Frau vor drei Jahren im Kindbett bei der Geburt des Sohnes Edward gestorben ist, kommt er mit nix mehr klar. Ist sozusagen ein Ewiggefangener seiner Trauer. Steht ständig neben sich. Irgendwann aber soll „damit“ Schluss sein. Also beauftragt ihn sein Kanzlei-Chef mit einer „speziellen“ Aufgabe. Er soll sich um den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow in dem Provinz-Kaff Crythin Gifford kümmern. Wo man ihn „nicht gerade zuvorkommend“ empfängt. Im Gegenteil, bis auf den „entspannten“ wohlhabenden Gutsbesitzer-Gastgeber Mr. Daily, der ihn willkommend begrüßt, versuchen ihn sämtliche anderen „merkwürdigen“ Dorfbewohner, vom Betreten des am Meer gelegenen Herrenhauses „Eel Marsh House“ abzuhalten. Von wegen Aberglauben. Natürlich vergebens. Im Haus dann zunächst die anwaltliche Bürokratie sowie – das Erwartete. ES lebt. Versteckt und nicht unbedingt „gut gelaunt“. Das mysteriöse Titel-Weib. In schwarzer, also bedrohlicher Kleidung. Was, ebenso klar, mit furchtbaren Ereignissen aus der örtlichen Vergangenheit zu tun hat. Die nun auch den jungen Trauma-Anwalt „erreichen“. Die sich nun auch bei Arthur Kipps nach und nach zementieren.

„Die Frau in Schwarz“ ist atmosphärischer HAMMER-Horror. Weniger mit dem Hackebeil, sondern mit Motiven der faszinierenden Ausstattung, der furiosen Lichtgestaltung des Kameramanns TIM MAURICE-JONES („Bube, Dame, König, As“ / “Snatch- Schweine und Diamanten“) und vor allem von diesem völlig isoliert gelegenen monumentalen viktorianischen Gebäude. Mit seinen langen, „qualvollen“ Gängen. In denen sich prickelnde Schauer-Schattenspiele „auftun“. Mit diesen unheimlich knarzenden Böden. Als hörbare Ankündigung von gefährlichen Bedrohlichkeiten. Als sichtbare Wahrnehmung von permanenter Unruhe und nahendem Unheil. Räumlich wie seelisch. Eine verheerende Schmerz-Stimmung von Trauer und Verlust. Geradezu „passend“ zu und für Arthur Kipps.

Mit dem der inzwischen 22jährige DANIEL RADCLIFFE seinen langjährigen Zauber-Burschen „Harry Potter“ erstmals vergessen macht. Nichts erinnert an DEN. Mehr. Ganz im Gegenteil, zurückgenommen, so dass auch die interessanten Nebenfiguren zur spannenden Geltung kommen, begibt sich Ex-Harry im viktorianischen Britannien in seine sensible, unglücksbeseelte Führungsfigur. Und Positur. Bleibt allerdings mit der Frage behaftet, wie denn solch ein junger „Bubi“ schon ein dreijähriger Witwer mit Kind sein kann. Der britische Regisseur James Watkins, dessen Debütfilm, das horrorhafte Sozialdrama „Eden Blake“ (mit Michael Fassbender), im Frühjahr 2008 bei den Festspielen in Cannes (außerhalb des Wettbewerbs) lief und dann der Eröffnungsfilm vom hiesigen Fantasy-Filmfest am 12. August 2008 in Berlin war, spielt mit den guten Versatzstücken des Genres. Regen, Dunkelheit, das verwinkelte „gemeingefährliche“ Haus. Flackerndes Gaslicht, spärlicher Kerzenschein. Die Psychologie der Gänsehaut. Entwickelt konventionellen und dabei optisch eher „empfindsamen“ denn schockreichen Grusel-Schauer-Horror. Ganz der HAMMERschen Tradition verpflichtet. Wo der Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten unweigerlich zusammenläuft (= 3 PÖNIs).

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