Flintstones Kritik


Der gute alte Fred. FRED FEUERSTEIN. Mit seinem Bäuchlein, seinem Leopardendress und dem Schnöselschlips kennen und mögen wir ihn. Bald 35 Jahre ist der furchtlose Fred in vertrauter Zeichentrickmanie durch das Steinzeitdorf Bedrock getobt. Und hat dabei unzählige Male seinen ureigenen “Tarzan“schrei losgelassen.

Als Fred und Wilma Feuerstein und Barney und Betty Geröllheimer als “The Flintstones“ am 30. September 1960 beim amerikanischen
Fernsehsender ABC ihr halbstündiges TV-Debüt gaben, war klammheimlich so etwas wie eine televisionäre Revolution eingetreten. Nie zuvor hatte nämlich eine TV-Zeichentrickserie die Länge von 30 Minuten erreicht. 6 bis 7 Minuten galten damals als absolutes Limit. Und: Nie zuvor waren Menschen die obskuren Objekte der Animation gewesen. Enten wie Donald Duck oder Hasen wie Bugs Bunny waren bis dahin die Stars des Cartoon-Genres.

Außerdem: Nie zuvor war eine Trickfilmserie in der abendlichen Hauptsendezeit gelaufen. 6 Jahre und 166 Folgen lang unterhielten “The Flintstones“ das amerikanische Publikum mit Steinzeit-Gags und Höhlenmenschen-Humor. Die Grundidee ist die Absicht, sich über das zeitgenössische Vorstadtleben lustig zu machen. Die “Familie Feuerstein“ ist einerseits als Slapstick-Komödie, andererseits aber auch als sozialkritische Satire gedacht. Der Reiz der Serie ist, dass sich eine ganz normale, durchschnittliche Familie, die “zufällig“ in der Steinzeit lebt, mit den Anforderungen des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen muss. Zusammen mit ihrem entzückenden Töchterchen “Feebles“ genießen Fred und Wilma Feuerstein alle Vorzüge eines modernen Alltags- und Ehelebens. Sie wohnen in einer mit allen Schikanen ausgestatteten Höhle, haben einen Elefanten als Staubsauger, ein Warzenschwein als Müllschlucker und besitzen ein typisches Haustier – einen “bezaubernden“ Dinosaurier mit Namen “Dino“. Und: Sie fahren ein schickes Cabriolet mit Palmendach, Holzkarosserie und Dampfwalzrädern. Der Erfolg der Serie hat inzwischen gigantische Ausmaße angenommen. Zurzeit werden die TV-Abenteuer der “Flintstones“ in 80 Länder und in 22 Sprachen ausgestrahlt. 500 Millionen Menschen schauen regelmäßig zu. Nach Fernsehen, Video, Comics und einem Kino-Zeichentrickfilm von 1966, “Mister Feuerstein lebt gefährlich“, hat nun Hollywood “das Thema“ erneut angepackt. Unter den Fittichen von Steven Spielberg, der diesmal als Mit-Produzent fungiert, machte sich ein Team unter der Leitung von Regisseur Brian Levant daran, den populären Trick-Figuren “menschlichen Atem“ einzuhauchen. Das Ergebnis: Der neue Kinofilm

THE FLINTSTONES – DIE FAMILIE FEUERSTEIN“ von Brian Levant (USA 1994; 91 Minuten; Start D: 21.07.1994).

Brian Levant, mit dem Familienfilmhit “Ein Hund namens Beethoven“ bekannt geworden, bleibt bei der Hauptsache: Tricks und Gags. Nur: 1994 stehen natürlich technisch sehr viel mehr Möglichkeiten zur Verfilmung, die Phantasie ausufern zu lassen, als in den 60er Jahren. Und das wird hier weidlich angewandt und ausgenutzt. Sehr zum Schaden der Story, denn die ist äußerst simpel. Im Mittelpunkt, natürlich: Der eitle Fred. Und sein Freund Barney.

Als Barney bei einem Eignungstest ihres Steinbruch-Unternehmens aus lauter Freundschaft seine Arbeit mit der von Fred vertauscht, passiert es: Fred wird in die Chefetage befördert. Jetzt ist Luxus, aber auch Blindheit im Übermaß angesagt. Denn Fred rastet ob des neuen Jobs und mit seinem vielen Geld völlig aus. Und merkt erst sehr spät, dass er in ein übles Komplott des schmierigen und gierigen Vizepräsidenten geraten
ist. Jetzt kommt es gerade auf die soeben verprellten Nachbarn an, damit

wieder alles ins freundschaftliche Lot kommt.

Ein Jux mit dünnem
Entertainment-Charakter und vielen Anspielungen auf Erfolgsfilme aus der Spielberg-Fabrik, das ist “The Flintstones – Die Familie Feuerstein“. Was an Komik fehlt, ersetzt der korpulente Hauptakteur John Goodman. Der ist auch hierzulande durch Filme wie “King Ralph“ und “Barton Fink“ bekannt geworden und spielt seinen Fred mit sichtlichem Vergnügen. Rick Moranis, der einst im “kleinen Horrorladen“ seine komischen Erfahrungen machte und kürzlich seine “Kinder schrumpfen ließ“, ist ein gutmütiger Barney-Kumpel. Elizabeth Perkins und Rosie O‘Donnell besitzen viel von den hellen Frauen-Figuren aus der Serie. Eine Augenweide aber “daneben“:
ELIZABETH TAYLOR als giftige Schwiegermutter. Die spuckt hier herrlich Gift und Galle, ist eine Furie von wunderbarer Zwietracht.

“The Flintstones – Die Familie Feuerstein“: Ein “moralischer“ Familienfilm schließlich, der, näher betrachtet, mehr auf gute Gefühle und Freundschaft als auf Karriere und Geld setzt. Die emotionale Rückbesinnung auf die eigentlichen Werte der “Steinzeit“-Menschen – eine enorme Überraschung. Zumindest bei einer 40 Millionen-Dollar-Produktion. Doch dahinter steckt “Methode“. Motto: Von den gierigen 80er Jahren in die familiären 90er…: Hauptsache, die Kasse stimmt…(=3 PÖNIs)