Filth and Wisdom DVD-Kritik

Ein neuer britischer Film, der von einem Super-Super-Star der Musik stammt, von MADONNA-höchstpersönlich. Wir kennen von ihr ja zahlreiche Versuche, sich auch auf der Leinwand zu etablieren, als auch gute Schauspielerin; und das lief anfangs auch ganz ordentlich („Susan verzweifelt gesucht“), danach aber meistens gar nicht so gut (“Body of Evidence“; Stürmische Liebe – Swept Away). Nun hat sie es HINTER DER KAMERA versucht, als Chefin, als Regisseurin. Mit dem 2007 hergestellten britischen Spielfilm

FILTH AND WISDOM“, also “Schmutz und Weisheit“ von Madonna (GB 2007; B: Dan Cadan, K: Tim Maurice-Jones; 85 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 04.11.2008); der seine deutsche Erstaufführung während der diesjährigen Berlinale im Frühjahr in der Nebenreihe “Panorama“ hatte, und der es aber dann danach doch nicht bei uns zu einem Kinostart gebracht hat. So findet die deutsche “Massen“-Premiere quasi jetzt auf DVD statt.

Ich muss zugeben, ich habe mich lange gegen den Film “gewehrt“. Er ist völlig anders als gewohnt, besitzt eine ungestüme, wüste Dramaturgie, samt ebensolchem Personal, und geht gegen jeden Geschmacksstrich. Dann aber kam ich hier irgendwie “rein“, und ich muss sagen, gerade seine Art, mal “andere Gedanken, Bewegungen, Figuren“ aufzustellen, besitzt nach und nach einen schräg- charmanten Anarcho-Reiz.

Wir befinden uns im heutigen London. Die Mitwirkenden: Ein ukrainischer Punk, „DER mit dem fetten SCHNAUZBART“, der sein Geld mit Rollenspielen (als Offizier oder Hausfrau) im eigenen Wohnhaus verdient; ein indischer Apotheker der seine Angestellte liebt und deshalb die Familie vernachlässigt; DIE, also die Angestellte wiederum, klaut Medikamente und will “damit“ in Afrika später Gutes tun; eine Balletttänzerin und WG-Mitglied ist pleite und muss strippen gehen; ein vom Punk versorgter blinder Dichter-Fürst (RICHARD E. GRANT) hat das Schreiben aufgegeben, blockiert sich mit seinen Depressionen quasi selbst; ein jüdischer Geschäftsmann mietet den obigen Punk gerne für die bereits erwähnten “exotischen Rollenspiele“, obwohl er doch mit einer Domina zusammenlebt.

Wie das zusammengeht, zusammenläuft, zusammengepackt wurde, ist Trash-pur und verdient Attribute wie billig, schräg, schrill, amüsant. Schlechtes Licht, “duftende Schminke“, improvisierte Szenen, episodenhafte Nichtgeschichten mit viel Nonsens-Energie, diese ganze überkandidelte Chose atmet eine gewisse ungezwungene, schließlich reizvolle Anarcho-Fröhlichkeit und eine ansteckende Lässigkeit aus, so dass man sich in diesen “komödiantischen Suff“ förmlich „reinriecht“. Endlich also einmal keine Ordnung, keine Glätte, keine Bravheit, keine geistige Zensur mit intellektuellem Depri-Tiefgang, sondern so etwas wie “St. Pauli-Fußball“ auf der Leinwand: Frech, rotzig, sumpfig-kess. Sarkastisch-kämpferisch. Auch gerne mal unterhalb der Gürtellinie. Mit viel neugierigem, atmosphärischem 2. Liga-„Na und“-Proll-und-Brüll-Typen-Charme. Die männliche Hauptrolle mimt übrigens der ukrainische Musiker und Schauspieler EUGENE HUTZ (“Alles ist erleuchtet“), dessen New Yorker Gypsy Punk-Band GOGOL BORDELLO tatsächlich Madonna einmal bei einem Konzert in London begleitete.

Eine schön-durchgeknallte Freak-Show bietet sich hier an. Die man sicherlich besser “mit einem guten Getränk“ verdauen kann. Aber: Es tut gut, auch mal “so etwas“ inmitten des reglementierten (Film-) Alltags an sich ranzulassen. Wie heißt es so treffend: Der Film “hat “was“. Was, das muss jeder für sich entdecken bzw. zulassen…

Anbieter: “Ascot Elite Home Entertainment“