FISHERMAN’S FRIENDS

PÖNIs:      (4/5)

„FISHERMAN’S FRIENDS“ von Chris Foggin (GB 2018; B: Meg Leonard, Piers Ashworth, Nick Moorcroft; K: Simon Tindall; M: Rupert Christie; 112 Minuten; deutscher Kino-Start: 08.08.2019); die schönsten Geschichten schreibt das Leben selbst. Wie hier. Zusammen mit selbstredenden „künstlerischen Freiheiten“ ergibt sich jedenfalls: bei & mit „Fisherman’s Friends“ ein WOHLFÜHLFILM par excellence. Der seinen Anfang „passenderweise“ mit einer Geburt nahm. Die britische Drehbuch-Autorin Meg Leonard hatte am Tag zuvor ihren Sohn zur Welt gebracht, als sie im Krankenhaus den Fernseher einschaltete und zufällig den ersten TV-Auftritt einer Gruppe namens „Fisherman’s Friends“ sah. „Die Gruppendynamik dieser zehn Männer schlug mich sofort in den Bann“, berichtet sie im Presseheft. „Sie repräsentierten einen einfachen, bodenständigen Lebensstil, nach dem sich viele von uns sehnen“.

1995 taten sich im südwestlichen Fischerort Port Isaac an der Küste Cornwalls einige Einheimische zusammen, um gemeinsam Seemannslieder zu singen. Daraus entstand eine Tradition: Während der Sommermonate trat der Shanty-Chor, der sich „Fisherman’s Friends“ nannte, jeden Freitag „so“ am Hafen auf. Die Gründungsmitglieder, zehn gestandene Kerle um die 50-plus, sind in Port Isaac aufgewachsen und waren als Fischer oder bei der Küstenwache tätig. 2009 beginnt ihre legendäre öffentliche Geschichte.

Als in der Gegend Musik-Manager Danny (DANIEL MAYS) auftauchte. Mit drei Kumpels war der Plan, einen feucht-fröhlichen Junggesellenabschied um Bräutigam Henry (CHRISTIAN BRASSINGTON) zu feiern. Doch sie benehmen sich wie die Axt im Walde. Nölen im Pub über das „falsche Bier“, und eine Yacht gibt es auch nicht zum chartern. Also besorgen sich die hippen Großstädter Paddelbretter und geraten prompt in Seenot. Wieder auf dem Trockenen erleben sie live die Oldie-Truppe mit ihren Songs. Was einen Scherz seiner Kameraden auslöst von wegen – Danny  möchte doch bitte unbedingt diese Fishermen unter Vertrag nehmen. Was Danny ernst nimmt. Und was bald schon für ihn zur Überzeugung wird. Motto: mit der störrischen Old-Boy-Group von insgesamt 653 Jahren einen Vertrag abschließen, um eine LP mit den traditionellen Liedern von ihnen zu produzieren und zu veröffentlichen. Als der „Scherz“ auffliegt, ist es für Danny zu spät. Auszusteigen. Also packt er es an. Während die Kameraden ihn Zuhause, im geschäftigen London, hämisch auslachen. Dabei spielt für Danny auch John Lennon eine Überzeugungsrolle: „Ein Traum, den man allein träumt, ist ein Traum. Ein Traum, den man gemeinsam träumt, ist Wirklichkeit“.

Mit seinem zweiten Spielfilm nach dem Coming-of-Age-Drama „Kids in Love“ (2016) erreicht der britische Regisseur CHRIS FOGGIN eine atmosphärische, britisch-humorige Gute-Laune-Stimmung. Nach dem berühmten Motto: Du hast keine Chance, also nutze sie gefälligst! Erinnerungen an Leckerli-Unterhaltungen und brillante Underdog-Komödien wie „Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten“ (von 1996) und den Bill Forsyth-Klassiker „Local Hero“ (von 1983/mit Burt Lancaster/s. Kino-KRITIK) streifen die Gedanken. Marke: wenn die HERZlichen Emotionen purzeln. Schließlich strandet Danny hier nicht nur wegen der einzigartigen Landschaft, den knochigen Typen und ihrem musikalischen Repertoire, sondern auch, weil er sich in die bodenständige Alwyn (TUPPENCE MIDDLETON) verguckt: „Fisherman’s Friends“ ist natürlich eine Rundum-Business-, Freundschafts- und Liebesgeschichte.

Tatsache(n): Dieser „Rock ’n‘ Roll von 1752“, präsentiert von britischen „Santianos“, die ja hierzulande seit 2011 die Folk-Pop-Hitparaden stürmen („Santiano – Leinen los, volle Fahrt“), katapultierte sich 2010 in die britischen Charts und ihre CD wurde eines der bis dahin meist verkauften Folk-Shanty-Alben überhaupt. Seitdem sind die Seebären-Kerle aus Port Isaac auf Erfolgstour. Dieser launige Spielfilm setzt ihnen ein stimmungsvolles Denkmal. Argumentiert mehr mit dem Herzen, denn rationell. Bedeutet: eine urige „What Shall We Do with the Drunken Sailor“-Stimmung (= 4 PÖNIs).

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