Falco Kritik

FALCO – VERDAMMT, WIR LEBEN NOCH!“ von Thomas Roth (B+R; Ö/D/USA 2007; 109 Minuten; Start D: 05.06.2008); einem österreichischen Autor und Regisseur vom Jahrgang 65. Nach dem Akademischen Gymnasium in Graz war der Sohn des Wiener Schriftstellers Gerhard Roth, von 1985 bis 1994, Journalist und Regisseur im ORF-Landesstudio Steiermark tätig. Während dieser Zeit stellte er Dokumentationen, Musik-Videos, Werbespots, Konzert- und Kurzfilme her. Danach schuf er Spielfilme für das (österreichische) Kino und Fernsehen (“Wolfgang Bauer – stets ein Fremder in mir“; “Der Milleniumsmörder“/“Tatort“-Krimi). Hier nun hakt er in seinem BIOPIC die Lebensgeschichte eines der größten Popstars seines Landes ab: Die von FALCO. (Der Filmtitel bezieht sich auf einen Song sowie ein posthum erschienenes Album des Musikers).

Geboren am 19. Februar 1957 als Johann “Hans“ Hölzel; gestorben am 6. Februar 1998 bei Puerto Plata in der Dominikanischen Republik. Mit seinem Lied “ROCK ME AMADEUS“ landete erstmals in der Popgeschichte ein deutschsprachiger Titel – am 20. März 1986/für 3 Wochen – an der Spitze der US-Billboard-Charts. Wenige Wochen später wurde der Titel dann auch in Großbritannien die Nr.1 in den Pop-Charts. In Rückblenden, beginnend mit den letzten Minuten vor seinem verhängnisvollen Auto-Crash fern der Heimat, erzählt der Film von einem völlig zerrissenen Menschen, einem typischen “Dr. Jekyll & Mr. Hyde“: “ICH BIN EIN GRENZGÄNGER, DER MIT SEINEM LEBEN SPIELT“.

Als kleiner Bub beginnt er in der Meisterklasse in Wien am Klavier; als junger Bassist träumt er vom UNBEDINGTEN Erfolg. Spielt in den Bands “Hallucination Company“ und “Drahdiwaberl“, lässt sich vom DDR-Skispringer Falko Weißpflog zu seinem Künstlernamen inspirieren, kreiert sich zur Kunst- und Kultfigur FALCO. Startet durch mit Hits wie “Der Kommissar“, “Vienna Calling“ und später “Jeanny“. Zu Lebzeiten werden rund 60 Millionen seiner Tonträger verkauft. Seine Arroganz ist nicht nur gespielt und Teil seiner Kunstfigur Falco, sondern auch ein gewichtiger Teil seiner gespaltenen Persönlichkeit: “ICH BIN
IN ALLEM EIN EXTREMER MENSCH. UND ICH ICH WEISS, DASS ICH FÜR VIELE EIN ABSOLUTES BRECHMITTEL BIN. WAS ICH MACH, DAS MACH ICH BIS ZUM EXZESS“. Alkohol, Drogen, Exzesse, Beziehungen, eine Kurzzeit-Ehe, eine vermeintliche Tochter; das ganze Programm; Falco lässt nichts aus. Lebt gleich mehrere Leben in einem: “IM GRUNDE MEINES HERZENS BIN ICH HALT EINFACH EIN GEGENSTROMSCHWIMMER“. Ein Exzentriker par excellance: Nach den glanzvollen, umjubelten Bühnen-Auftritten folgen immer häufiger die privaten Aussetzer und Abstürze: “SO WIE ICH LEBE, IST EINMAL AUCH GENUG“.

Ein tolles, weil ein packendhochemotionales, dabei SEHR dichtes, berührendes, phantastisch-musikalisches Pop-Star-Movie. Darstellerisch zudem grandios, brillant, exzellent-überzeugend. Das sich durchaus messen lassen kann mit Hollywood-Musiker-Biographien wie “Ray“ (Ray Charles) oder “WaIk The Line“ (Johnny Cash). Weil eben ER “funktioniert“, dieser FILM-Falco MANUEL RUBEY.

Der 29jährige Schauspieler-Sänger aus Wien mimt nicht nur Falco, er IST dieser “Doppel-Typ“ mit Haut, Haaren und Stimme. Manuel Rubey ist – seit 2002 – Mitglied der österreichischen Rock- Gruppe “Mondscheiner“ (die 2006 mit “Das was wir sind“ einen Hit landete) und vermittelt als Falco Zerstörungs-Charisma, Seelen-Charme und Charakter-Tiefe. WIE er sich bewegt, wie er diesen Arroganz-Bolzen sensibel-kraftvoll ausdrückt, vermittelt, bewegt, wie er ihn körpersprachlich-stark aufsaugt und ausatmet, das ist eine grandiose Leistung sowohl als Akteur wie auch als Show-Man.

Eine unterhaltsame, eine Klasse-Biographie über einen ganz und gar außergewöhnlichen Menschen-Künstler (= 4 PÖNIs).