Extrem laut und unglaublich laut Kritik


EXTREM LAUT UND UNGLAUBLICH NAH“ von Stephen Daldry (USA 2011; B: Eric Roth; K: Chris Menges; 129 Minuten; Start D: 16.02.2012); hier (ver-)sammeln sich viele namhafte Personen und bedeutende Ereignisse. Vorneweg der Regisseur, der 50jährige britische Theater- und Filmregisseur, der für seine ersten drei Kinofilme jeweils eine „Oscar“-Nominierung für die „Beste Regie“ zugesprochen bekam: „Billy Elliott – In Will Dance“ (2000); „The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (2002) sowie „Der Vorleser“ (2008/“Oscar“ für Kate Winslet).

Sein 4. Kinofilm entstand nach dem gleichnamigen, zweiten Roman des am 21. Februar 1977 in Washington D.C. geborenen amerikanischen Schriftstellers JONATHAN SAFRAN FOER (umjubeltes Bestseller-Debüt 2003 mit „Alles ist erleuchtet“; 2004 verfilmt von Liev Schreiber, mit Elijah Wood). 2005 erschien (nach einem Vorschuss von einer Million Dollar) sein zweiter Roman „Extremely Loud & Incredible Close“, der noch im selben Jahr bei uns unter dem jetzigen Auch-Filmtitel herauskam. Im November 2009 erschien Foers erstes und auch gleich vielbeachtetes Sachbuch, das sich unter dem Titel „Eating Animals“, bei uns „Tiere essen“, mit den Problemen der industrialisierten Tierproduktion/Tierhaltung/Massentierhaltung befasst. Gemeinsam mit der deutschen Schriftstellerin und „Veganer-Aktivistin“ Karen Duve begab sich Jonathan Safran Foer auf eine von den Medien begleitete, vielbeachtete Lesereise durch die Republik.

Der 66jährige New Yorker Drehbuch-Autor ERIC ROTH zählt zu den Besten seines Fachs. Für seine Drehbücher zu den Filmen „Insider“ von Michael Mann, „München“ von Steven Spielberg und „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ von David Fincher (2008/mit Brad Pitt) erhielt er „Oscar“-Nominierungen. Für sein Drehbuch zu dem Kulthit „Forrest Gump“ von Robert Zemeckis (mit Tom Hanks) bekam Eric Roth 1995 die begehrte Trophäe. Hier nun adaptierte er den Roman von Jonathan Safran Foer für den aktuellen Film von STEPHEN DALDRY.
Thema: Die individuellen, komplexen Ängste in einer New Yorker Familie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Oskar Schell, 11 Jahre, hat bei der Zerstörung des World Trade Centers seinen Vater verloren. Mehrmals hatte Thomas Schell (TOM HANKS) seine Familie noch telefonisch zu erreichen versucht und auf den Anrufbeantworter gesprochen, dann verstummte seine Stimme. Für immer. Seitdem, seit diesem „Schlimmsten Tag“, ist der Junge „verstört“. Traumatisiert. Vater und Sohn hatten eine enge Beziehung. Der Vater förderte den hochintelligenten, sensiblen Jungen mit vielen Denk-Spielen. Und –Aufgaben. Gerade hatten sie sich eine Art Schnitzeljagd kreuz und quer durch New York ausgedacht. Als Suche nach einem „verlorenen“ Bezirk. Vorbei. Aus. Der Junge ist völlig außer sich. Lässt auch seine besorgte Mutter Linda (SANDRA BULLOCK) kaum an sich ´ran. Findet einen „geheimnisvollen“ Schlüssel, den sein Vater zurückgelassen hat, verbunden mit dem Namen „Black“. Macht sich also auf. Stellt sich eine Aufgabe. Begibt sich auf die Suche nach jenem oder jener „Black“. Will notfalls alle 472 New Yorker mit Namen „Black“, siehe Telefonbuch, aufspüren. Begegnet dem Untermieter seiner Oma, einem ganz und gar schweigsamen älteren Herrn (MAX VON SYDOW). Der für sich beschlossen hat, kein Wort mehr zu sprechen, dennoch aber mit dem Jungen „zu kommunizieren“ versteht, wohl sein deutscher Opa ist, der Vater seines Vaters, und fortan Oskar auf seinen Suchstreifzügen durch New York begleitet.

Dies hört sich spannender an als es filmisch ist. Eine gute Stunde „nervt“ dieser kleine, zapplige, extrem unruhige kleine Mann. Mit seiner Altklugheit, mit seiner verständlichen Wut, mit seinem offensichtlich unbehandelten Dauer-Schock. Eine gekünstelte ernsthafte schwierige „Situation“. Die bald verständlich wie „begriffen“ erscheint, sich aber nur mühsam weiterentwickelt. Zudem wird beinahe jedes „Vorkommnis“ bedeutungsgeladen „aufgemöbelt“. Im Ton, in den ritualisierten Schmerz-Bewegungen des Kindes und auch durch die „bedrohliche“„Aufbausch“-Musik von ALEXANDRE DESPLAT. Die Kamera des 71jährigen „Oscar“-Preisträgers CHRIS MENGES („The Killing Fields“) dagegen argumentiert schon mal mit „Aufregung verheißenden“ extremen Zeitlupenmotiven, doch eine spannende Neugier und Nähe zu dem verstörten Jungen will sich nicht einstellen. Und auch „die Lösung“ bleibt als „sentimentale Komplikation“ eher „interessant“. Also beliebig.

THOMAS HORN stammt aus San Franzisco, ist 14 Jahre und hochbegabt. War dreimal bei Schulwettbewerben von „National Geographic“ auf vorderen Plätzen. Spricht fließend kroatisch, etwas spanisch und lernte zwei Jahre chinesisch. Gewann 2010 beim Auftritt in der US-TV-Quiz-Sendung „Jeopardy! Kids Week“ 31.800 Dollar. Fiel dadurch dem Produzenten Scott Rudin auf. Die Rolle des kranken, klugen Oskar Schell ist seine erste Filmrolle. Zweifellos – Thomas Horn ist präsent. Wirkt „so“ wie sein kleiner Held: Stets nervös, ständig wie kurz vor einer seelischen wie physischen Explosion stehend, extrem „dampfend“.. Aber auch altklug, ziemlich „aufdringlich“, besessen überemotional. Thomas Horn als Oskar Schell ist „zuviel“ des Guten. Gewollten. Seine permanente Energie stumpft zunehmend ab. Beim Zusehen und Zuhören. Und als schließlich der 82jährige „Oscar“-Mime MAX VON SYDOW („Pelle, der Eroberer“) als kriegstraumatisierter stummer Opa aus Dresden die Szenerie betritt, „füllt“ sich die emotionale Leinwand auf einmal gigantisch. Hochbedrückend wie faszinierend. Was Max von Sydow völlig ohne Worte, nur mit seinem Körper „erzählt“, wirkt wie ein ganz wunderbar eigenes, anderes Schau-Spiel. Jedenfalls – „zusammen“ kommen diese Beiden kaum, der sich mächtig anstrengende neue Kleine, der den Film tragen muss, und der unangestrengt agierende ganz große großartige Alte. Der zu Recht DAFÜR erneut für den „Oscar“ nominiert wurde.

Und die beiden Stars, Hanks & Bullock?: Sie sind hier reine und beabsichtigte ordentliche Stichwortgeber (= 3 PÖNIs).

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