Exodus Kritik

EXODUS: GÖTTER UND KÖNIGE“ von Ridley Scott (GB/USA/Spanien 2013/2014; B: Adam Cooper & Bill Collage, Jeffrey Caine, Steven Zaillian; K: Dariusz Wolski; M: Alberto Iglesias; 150 Minuten; Start D: 25.12.2014); eigentlich geht es immer nur um die Kloppereien. DIE – attraktiv eingefangen – das Sünden-As sind. Sein sollen. Hauen, Stechen, Töten ist halt doch so schick. Der Rest ist Kokolores, Männer in Rüstungen oder kurzen Hosen, die markante Oberschenkel vorweisen; die Mädels allesamt ver-kleidet: Gesichter zwischen Ich-habe-ja-sowieso-nichts-zu Sagen und gemein schauend, der Rest des Körpers ist züchtig wie geheimnisvoll verdeckt. Als emotionaler Napalm.

Sandalenfilme habe ich als Kind gemocht. Schnell war klar, DER ist okay, DER-Dagegen ein Schurke. Die Sympathien waren verteilt; lange Zeit konnte der böse Bube mit seinen Schergen die Gegend tyrannisieren, bis er schließlich in dem Guten seinen Besieger fand. DER war zwar reichlich abgekämpft, aber glücklich. Die Trompeten trompeteten gewichtig, und die Welt war wieder einmal um eine fiese Type ärmer. Bis zum nächsten Cinemascope- oder wie es 1956 auch hieß, Vistavision-(Breitwand-)Spektakel. Damals kam der 220minütige amerikanische Film „Die zehn Gebote“ vom Studio „Paramount“ heraus. Mit Produktionskosten von knapp 13 Millionen Dollar galt der Monumentalschinken lange Zeit als einer der teuersten Hollywood-Streifen aller Zeiten. Mit etwa 14.000 Statisten und 15.000 Tiere aller Art. Und zwei Darsteller-Giganten an der Rampe: Charlton Heston als Moses und Yul Brynner als Pharao Ramses.

Sensationell war jedenfalls damals die Trick-Szene, als Moses sein gejagtes Volk durch das sich teilende Meer in die Freiheit führt. Während die gemeinen Ägypter darin umkommen. Nachdem sich das Wasser wieder „zusammengefügt“ hat. Unvergesslich in der Außen-Wirkung; unterstützt durch viele Trompeten, Hymnen und insgesamt einer riesiger Geräusche-Kulisse. Sowie mit vielen phänomenalen Tricks „aus der Hand“.

Grundlage war das berühmte kriegerische Bibelstück um Herrschen und Beherrscht-Werden. Der Pharao hält die Israeliten versklavt, DIE wiederum werden von einem ehemaligen geschätzten Höfling, der in Wirklichkeit Sohn eines israelischen Sklaven ist, später an- und in die begehrte Unabhängigkeit und Freiheit geführt. Vier Autoren mühten sich hier an dem klassischen Stoff ab, um die alte religiöse Kamelle neu und weitgehend humorfrei aufzumöbeln. Als Action-Trubel. Der viel An- und noch mehr Leer-Lauf benötigt. Bevor die Super-Helden gegen einander antreten. Dargeboten vom edlen CHRISTIAN BALE, der selten so hübsch statisch wirkte wie hier, und Glatzkopf JOEL EDGERTON (war in der Neuverfilmung von „Der große Gatsby“ der grobe Ehemann Tom Buchanan des Titelhelden-Liebchens Daisy) als Ramses. Es wird viel geritten, geplappert, gefährlich geschaut, wissend geblickt, aber spannend sieht anders aus.

Beeindruckend wird es nur, wenn der Computer sich köstlich austobt. Wenn das Wasser rot bebt mit bärbeißigen Krokodilen und die gierigen Frösche, Stechmücken und Heuschrecken „zupacken“. Als Plagen gegen den immer noch nicht kapierenden Ramses. Während der guten Moses von einem ein naseweises Jesu-Kind sicher „dirigiert“ wird. Doch wenn sich das Meer (hier: auf Fuerteventura) für das Volk Moses hier teilt, wirkt das eher „na ja“. Kein Großraum-Duft, sondern ein gut aneinander geschnittenes Intermezzo von Wasser weg und Wasser da. Nicht besonders erbauend. Kinematografisch.

In Nebenparts tauchen übrigens, mehr unwirkliche Statisten denn lebendige Mitspieler, Stars wie JOHN TURTURRO (als Papa Pharao), SIGOURNEY WEAVER als Mama von Ramses, weitgehend stumm, aber mit funkelnden Augen, und auch der unvermeidliche Sir BEN KINGSLEY als hebräischer Gelehrter Nun auf. Da der GESAMT-Film rund vier Stunden sein soll, werden wir von deren „Aktionen“ sicherlich bei der Heimkino-Auswertung dann noch einiges mehr sehen. Erleben.

Das „Exodus“-Fazit: Dieser, von der hiesigen Film- und Medienbewertung (FBW) „Besonders wertvoll“ prädikatisierte Schinken kommt von seinen schmucken, aufwendigen Außen-Werten ganz nett und bemüht daher (Budget: 140 Millionen Dollar), weiß aber keine neuen Anlass-Motive und wenig inspirierende, neue KINO-Unterhaltungsereignisse zu vermitteln. Außer den bekannten, dass der eitle, dumme, ignorante, machtbesessene Mensch schon zu allen Zeiten oft schlecht gelaunt gegenüber anderen Menschen war und immer wieder gerne zu aggressiven Mitteln griff, um seiner Tötungs-, Mord- und Macht-Lust und Besitzgier nachzukommen. Was das US-Kino offensichtlich immer mal wieder und auch immer mal wieder gerne blut-kämpferisch hervorkramt.

Warum?: Ach so ja, Business. Achtung, Pointe: Ren-tiert es sich wohl (deutscher Kino-Start: 25. Dezember 2014)?

Dann doch lieber wieder schön sarkastisch in Laune kommen mit ….. „ALWAYS LOOK ON THE BRIGHT SIDE OF LIFE“….. (= 2 ½ PÖNIs).

P.S.: Und weil wir schon dabei sind, diese dauerhafte Musik-Suppe hier bei „Exodus: Götter und Könige“ ist nun auch nicht gerade erbauend, ganz im Gegenteil.

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