Ender’s Game Kritik

ENDER’S GAME“ von Gavin Hood (B + R; USA 2012; K: Donald McAlpine; M: Steve Jablonsky; 114 Minuten; Start D: 24.10.2013); „Kinder an die Macht!“, sang einst Herbert Grönemeyer hintergründig, in diesem Science-Fiction-Movie wird dies wahr. Allerdings längst nicht so ironisch wie das bei Grönemeyer klang, sondern vielmehr völlig humorlos. Ganzheitlich ernst. Mit faschistischen Tendenzen. Und viehisch aggressiv. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Schriftstellers Orson Scott Card (62). Die Geschichte wurde im August 1977 als Kurzgeschichte (in „Analog Science Fiction and Fact“) herausgebracht und im Jahre 1985 zu einem Roman ausgebaut. DER war in den USA ein Bestseller, wurde mehrfach ausgezeichnet, war aber hierzulande nach der Veröffentlichung im selben Jahr unter dem Titel „Das Große Spiel“ (mit nur rd. 20.000 Verkaufsexemplaren) ein Ladenhüter.

In der Zukunft. Haben die Menschen einen bestialischen Krieg gegen Aliens, genannt Formics, ameisenartige Wesen aus dem All, gewonnen. Dabei kamen Millionen von Menschen ums Leben. Diese Abwehrschlacht ist inzwischen ein halbes Jahrhundert her. Seitdem ist es Ziel der Obersten Heeresführung, einen weiteren Angriff der Außerirdischen gar nicht erst zuzulassen. Also werden weltweit KINDER gesucht. Und rekrutiert. Die klügsten und begabtesten werden gesucht. Ausgesucht. Und ihren Eltern weggenommen. Denn die Menschheit benötigt ein militärisches Genie wie es einst, in der Historie, Alexander der Große, Dschingis Khan oder Napoleon Bonaparte war. Ender Wiggin (ASA BUTTERFIELD) könnte solch ein „Spezi“ sein. Werden. Ender ist 12 und wird für die intergalaktische Luftwaffe „engagiert“. Im All. Wo Oberst Hyram Graff (HARRISON FORD) Leiter des Ausbildungsprogramms ist und Ender fördert. Öfter auch be-fördert. Weil DER sich doch als richtiger Nahkampfheld und bereits gewiefter Taktiker erweist. Wie beim „richtigen“ Militär wird viel herumgebrüllt („Full Metal Jacket“ von Stanley Kubrick lässt grüßen), mit Konkurrenten herumgeprügelt, in einem riesigen Battle Room, einer kugelförmigen Halle im Zentrum der Raumstation, in der Schwerelosigkeit herrscht, probiert. Dann wird es ernst: Die Abschlussprüfung. Als Simulation. Ender erweist sich als Held und vernichtet den Gegner, indem er dessen Planet ausmanövriert und komplett vernichtet. Die Vorgesetzten sind zufrieden, denn dies war doch keine Simulation, sondern „echt“. Ender, der mächtige Knirps, hat den Feind ausgeschaltet. Ein John Wayne- Held. HURRA.

Doch nun wendet sich der Film. Nachdem er eine Ewigkeit die Herrlichkeit von Drill an und Krieg über Kinder betonte. Und dies in allen „köstlichen Details“ pries. Ender ist betroffen. DAS wollte er doch nicht. Sagt er. Denn hätte es nicht sein können, dass DIE in Wirklichkeit gar keine Aggressoren waren, sondern genauso lebenswillige Wesen wie die Menschheit? Hatte er nicht immer wieder diesen Traum mit dem vermeintlichen „Hilferuf“ dieser Wesen, die sich dem Menschen gegenüber nicht artikulieren, nicht verständlich machen können? Und DIE möglicherweise friedfertiger sind, jetzt waren, als vermutet? Egal, deren Rasse ist ja nun vernichtet. Amerika, hier = die ganze Welt, hat mal wieder einen Krieg gewonnen. Ist das nicht toll??? HURRA!: Unsere Kiddies….., diese Teufelskerle…..

„Ender’s Game“ ist ein reaktionärer Mistfilm. Mit üblen Tendenzen. Als Werbung fürs US-Militär. Denkend. Man benötigt schließlich immer „guten Nachwuchs“. Der, ideologisch und militärisch spitzengeschult, jederzeit einsatzfähig ist. Solange (noch) der Mensch für „Krieg“ benötigt wird, sind auch und – so der Film – vor allem Kinder-Soldaten durchaus willkommenes, „nutzbares Material“.
„Oberst“ Harrison Ford stolziert mit immer demselben grimmigen Gesichtsausdruck angepisst durch die bescheuerte Szenerie; der gesichtstätowierte Ben Kingsley als neuseeländischer Endausbilder mit Maori-Genen wirkt genauso deplaziert. Wie lächerlich. Und der 12jährige Asa Butterfield, neulich erst so aufregend lebendig & charmant in Martin Scorseses „Hugo Cabret“ unterwegs, mimt als militärischer Zuarbeiter mit hohem I Q ein jämmerlich- diszipliniertes, manipuliertes „Kindskopf-Kind“. Was für ein geistiger Schund, was für ein saublödes wie erzkonservatives Popcorn-Scheißkino ist DAS hier! Eklig. (= O PÖNIs).