Eltern Kritik

ELTERN“ von Robert Thalheim (Co-B + R; D 2013; Co-B: Jane Ainscough; K: Henner Besuch; M: Anton Feist, Uwe Bossenz; 100 Minuten; Start D: 14.11.2013); natürlich geht es mal wieder ums Scheitern. Ums Selbstfinden. Um das schwierige Tun in einer an sich doch ziemlich ansehnlichen deutschen Bürgerfamilie.

Vater Konrad, Mutter Christine, zwei Mädels: Emma 5, Käthe 10. Die bisher vom Papa als Hausmann rundum bestens betreut wurden, während die Mama als angehende Oberärztin die Kohle verdiente. Dann aber will er in seinen Beruf als Theaterregisseur zurück. Ein angemessenes Angebot liegt vor. Wie das nun künftig arrangieren? Ein Au-pair-Mädchen muss her. Von weit her, aus Argentinien. Landet Isabel hier. Während wir sogleich bei der Abholung am Flughafen sehen können, dass mit der hübschen, zumeist stummen jungen Frau irgendetwas nicht stimmt, bemerken die Eltern natürlich nichts. Kurzum – Isabel ist schwanger, und nun hat die moderne Familie anstatt Hilfe ein weiteres Problem Zuhause. Anstatt sich eine andere Kinderbetreuerin „zu besorgen“, wird natürlich der manchmal ohnmächtigen fremden Isabel geholfen. Motto: Abtreibung ja. Oder doch nein? Alles muss nun noch komplizierter unter ein tägliches Zeitfenster untergebracht werden. Die Folge, natürlich: Spannungen. Viele Anspannungen. Keiner will „zeitgemäß“ weichen. Zumal sich nun auch „Liebschaften“ am Arbeitsplatz heranschleichen. Sowohl bei Ihr wie auch bei Ihm. Auch das noch. Während Emma mit ihrer kindlichen Lockerheit (herrlich: die süße EMILIA PIESKE) für einige fetzige Lockerheit sorgt, bemüht sich ihre sensible ältere Schwester Käthe (PARASCHIVA DRAGUS) diese familiären Turbulenzen einigermaßen einzuordnen und zu überstehen. Derweil Papa und Mama ziemlich ratlos „herumstaunen“.

Der Ausgangspakt geht gar nicht. Die Sache mit dem Au-pair-Mädchen. Als sozusagen nunmehr „drittes Kind“. Anstatt der dringend benötigten Hilfe. In the Family. Warum wird wegen der „Neuen“ sogleich das Familienglück einfach aufs Spiel gesetzt? Ist doch völlig unlogisch. Unwahrscheinlich. Und auch dämlich. Wenn ich meine Familie „auf funktionierenden Vordermann“ bringen will, lade ich mir doch nicht noch mehr Stress an die Zeit-Backe. Was soll das? Die privaten Probleme der netten Isabel werden von der humanen Familie sogleich auch noch mit-aufgenommen, hinzugepackt, damit diese auseinanderbricht? Möglicherweise? Nicht sehr wahrscheinlich. Co-Autor und Regisseur Robert Thalheim, 29, („Am Ende kommen Touristen“; „Westwind“) hat sich dabei, hiermit, ziemlich denk- vertan. CHARLY HÜBNER, der Rostocker Hauptkommissar Alexander Bulkow aus der „Polizeiruf 110“-Reihe, und CHRISTIANE PAUL, viel im TV unterwegs („Das Adlon. Eine Familiensaga“), spielen das ausdriftende Ehepaar mit sehr viel spannendem Einfühlungsvermögen. Vermögen aber gegen das „schiefe“ Drehbuch nix auszurichten. Wenn die inhaltliche Ausgangslage so fragwürdig angesetzt ist, können auch die hervorragendsten Akteure wenig ausrichten.

Im Schulheft würde stehen: Bemüht, aber gutes Thema leider ideen- mäßig verfehlt (= 2 ½ PÖNIs).

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