Ein griechischer Sommer Kritik

Zurückschalten ist annonciert. Diesmal darf es filmisch einfach, überschaubar, ohne lautes oder trickreiches Brimborium sein. Dafür mit viel Spaß, guter Luft und viel Sonne. Außen wie innen. Ein wunderschöner kleiner, feiner Familienfilm mit angenehmem Vergnügungsfaktor und vortrefflicher Seelen-Wärme verdient eine „erhebliche“ Beachtungschance. Er passt formidabel in die jetzige Sommerfilmära. Ist zwar schon „seit neulich“ auf dem Heimkino-Markt, wurde aber bei mir immer wieder von wegen „Wichtigerem“ beiseite getan. Nun aber darf der Wohlfühlfilm Zuhause endlich voll „blühen“:

EIN GRIECHISCHER SOMMER“ von Olivier Horlait (Griechenland/Fr 2011; B: Olivia Bruynoghe; nach dem Roman „Nikostratos“ von Eric Boisset; K: Michael Amathieu; M: Panayotis Kalantzopoulos; 95 Minuten; Start D: 11.10.2012; Heimkino-Veröffentlichung: 26.04.2013).

„Der Junge und der Pelikan“ wäre der bessere, weil nicht so banal klingende und deshalb leicht zu übersehene deutsche Filmtitel gewesen. Yannis (Thibault Le Guellec) ist 14. Lebt mit seinem Vater auf der landschaftlich herrlich gelegenen (fiktiven) griechischen Insel Zora. Seit die Mutter gestorben ist, ist sein Vater Demosthenes (EMIR KUSTURICA) mürrisch und abweisend. Zieht sich tagsüber als Fischer in die Einsamkeit des Meeres zurück. Gibt sich jähzornig. Kalt. Als Yannis einen jungen Pelikan rettet und aufzieht, muss er ihn natürlich vor seinem interessenslosen, launigen Vater verstecken. Als es nicht mehr geht, denn diese stattlichen Tiere werden schließlich über anderthalb Meter groß, wird Nikostratos, wie Yannis seinen tierischen neuen Freund nennt, zu einem beliebten Insel-Star. Der die Touristen in Scharen anlockt. Und auch dafür sorgt, dass der alte Grobian endlich „lockerer“ werden könnte.

Wer griechische Inseln mag, überhaupt – „satte Natur“ mag, wird die einzigartigen Naturschönheit hier aufsaugen. Das azurblaue Meer, die Sonne in allen Schattierungen, diese imposanten Klippen und Felsen, der Strand, Die träumerische Weite. Des Horizonts. Hier sind die „einfachen (Lebens-)Dinge“ eigentlich angesagt. Normale Verständigung. Lässige Bewegungen. Wenige Aggressionen. Unruhe höchstens auf dem Markt. Beim Käse-Verkauf. Diese Lauter-Kleinigkeiten von emotionalen, wirkungsvollen Daseins-Tupfern. Diese gute, gelassene, schmunzelnde Zusammengehörigkeitstimmung. In solch einer – vergleichsweise – ruhigen-Gegend. Umgebung. In der Yannis aufwächst. Wo „sich mögen“ vorwiegend herrscht. Mit ironischem wie exotischem Flair. Eigentlich. Wenn bloß der Alte nicht so stur und abweisend wäre. Also ist der beste Freund für den arbeitssamen Yannis seine „verständige“ wie neugierige „Hunde“–Ziege. Außerdem hält er sich gerne bei den humorigen unorthodoxen Orthdoxen im „lockeren Kloster“ auf. Wo manch gute Ratschläge und viel Zuneigung für ihn abfallen. Und natürlich sorgt auch Angeliki, die gar nicht auf den Mund gefallene Nichte des Dorfwirtes, für weitere „Interessen“. Die ganze Gemütslage ist hier eigentlich auf „sympathisch“ gepolt. Doch dann verunglückt Nikostratos. Dieser gigantische, majestätische Vogel. Was umgehend für eine Stimmungs(ver)änderung vor Ort sorgt. Bei ALLEN.

Der Pelikan ist der Star. Noch vor Emir Kusturica. Der Pelikan ist der schwerste Vogel, den es gibt. Ihn beim Fliegen zu beobachten, ist ein wahrer Genuss. Philippe Gautier, der ausführende Produzent bei diesem Projekt, arbeitete hier, am ägäischen Meer, mit den Vögeln aus dem Doku-Hit „Nomaden der Lüfte“. Hatte es also mit „professionellen Tieren“ zu tun. UND: Damit der leichte, aber keineswegs seichte Stoff und Charme auch genügend „beachtet“ wird, engagierte der Drehbuch-Autor und Produzent OLIVIER HORLAIT für seinen Regie-Erstling für die „negative“ Erwachsenen-Hauptrolle den 56jährigen Star EMIR KUSTURICA: Den vielfachen internationalen Preisträger und Gewinner der Filmfestspiele von Berlin, Cannes und Venedig. Der auf der ganzen (Film-)Welt mit seinen Werken wie „Papa ist auf Dienstreise“, „Arizona Dream“ (1993; mit Johnny Depp, Jerry Lewis, Faye Dunaway), „Underground“, Schwarze Katze, weißer Kater“ (1998) riesiges Interesse und enorme Begeisterung entfachte. Der streitbare bosnische Cineast (mit serbischer und französischer Staatsbürgerschaft) gibt hier routiniert grummelnd das Papa-Ekel. Das erst über einen „außergewöhnlichen Vogel“ in die Menschlichkeit zurückfindet. Was die imposante „Big Band der Mönche“ auf den Schließlich-Plan ruft: Denn SIE bestimmt letztendlich den rhythmischen Absacker-Ton.

„Ein griechischer Sommer“ ist eine feine kleine, sehr amüsante, unterhaltsame „Angelegenheit“ fürs Herz, für die Sinne und für den Geschmack. Aufs normale Leben. Bei dem dann sogar GELD gar nicht so „ernst“ genommen wird. Wenn es sogar von einer Ziege kritiklos aufgefuttert werden darf. Denn Geld ist eben nicht alles. Lautet der lächelnde Nebenbei-Blick. Wie schön. Und wahr (= 3 ½ PÖNIs).

Anbieter: „Koch Media“