Dschungelbuch Kritik

Der KINO-Start von Disney’s „DAS DSCHUNGELBUCH“ („RIAS-Rundschau am Morgen“/25.03.1993)

Woran erkennt man einen “besonderen“ Film, einen Klassiker? Nun, zum Beispiel, wenn ich zitiere: “Ich schau‘ Dir in die Augen, Kleines“, und jeder weiß: “Casablanca“. Beim Zeichentrick-Klassiker „DAS DSCHUNGELBUCH“ von Wolfgang Reitherman (USA 1967; 78 Minuten; Start D: 13.12.1968; Wiederauffühung D: 25.03.1993), dagegen ist die Nation noch gespalten. Während im “Westen“ die berühmte Erkennungsmelodie ein Hit ist, lernt man im “Osten“ erst jetzt den “Bären“-Ohrwurm kennen und mögen.

Alle Zeichentrickfilme von Walt Disney sind Bestseller geworden. Egal, ob “Schneewitchen“, “Fantasia“, “Dumbo“, “Bambi“ oder “Peter Pan“: Es sind beliebte Klassiker des Genres. “Das Dschungelbuch“ aber, 1967 nach 3 ½ Produktionsjahren mit 322.000 Zeichnungen von 70 Zeichnern fertiggestellt, ist zweifellos der Erfolgreichste unter den weltweit Erfolgreichen. Der Grund: Besonders originelle Typen und: Noch nie zuvor kamen sich Tier und Mensch so komisch-nahe. Das waren: Ein Bär und ein kleiner Junge. Der wurde einst als Baby im Dschungel ausgesetzt und von den Tieren gefunden und großgezogen. Sein Name: Mowgli. Doch nun ist der Kleine so “groß“ geworden, dass es an der Zeit ist, ihn wieder in menschliche Obhut zu bringen. So jedenfalls denken der Panther Baghira und der Bär Baloo und bemühen sich nach Kräften. Doch Mowgli denkt gar nicht dran, den Urwald freiwillig zu verlassen, will bei den Tieren bleiben. Ist störrisch und haut ab. Und gerät prompt in Gefahr. Denn Tiger Shir Khan, der passionierte Menschenhasser und -fresser, treibt sich in der Gegend herum und lauert nur auf eine günstige Gelegenheit, den Bengel aufzuspüren. All davon aber ahnt Mowgli nichts. Er durchstreift den Dschungel und erlebt die haarstäubendsten Abenteuer mit einer hypnotischen Schlange, einem strengen Elefanten-Colonel und dem übermütigen Affen-König Loui, der so gerne ein Mensch wäre…und so weiter, und so fort. Was für ein Glück, dass die tierischen Freunde stets Helfer und Retter in der Not sind. Und überhaupt: Die Geschichte, die auf dem berühmten Kinderroman von Nobelpreisträger Rudyard Kipling basiert, geht natürlich happy aus.

“Das Dschungelbuch“ ist der letzte Trickfilm, an dem Walt Disney persönlich beteiligt war. Der am
15. Dezember 1966 verstorbene Meister der filmischen Zeichen-Kunst vertraute vor allem auf die “Musikalität“ des Stoffes. Motto: Da swingt der Urwald, da toben die Viecher. Viel zum Erfolg beigetragen haben die Sprecher bzw. Sänger. Selten war eine Synchronisation dem Original so ebenbürtig pfiffig und spaßig. Ein Lob dem Team um die “Kojak“-Stimme Edgar Ott als Baloo oder Ex-Kabarettist Klaus Havenstein als King Loui. Ihre stimmliche Gute-Laune-Animation steckt an. “Das Dschungelbuch“: Ein
zeitloser Disney-Hit, der Jung und Alt im besten Sinne anmacht und unterhält. Und: Mit bislang über 18 Millionen Zuschauern ist “Das Dschungelbuch“ auch der insgesamt erfolgreichste Film, der je hierzulande im Kino lief. Alsdann: Auf ein Neues und viel Spaß mit Baloo und Anhang (= 5 PÖNIs).