Dr. M Kritik

DR. M“ von Claude Chabrol von Claude Chabrol (D/Fr/Italien 1989; B: Thomas Bauermeister, Sollace Mitchell; K: Jean Rabier; M: Paul Hindemith; Mekong Delta; 116 Minuten; Start BRD: 24.06.1990; Start DDR: 28.09.1990).

Der Film ist ein Remake von Fritz Langs „Dr. Mabuse, der Spieler (1922), der auf dem gleichnamigen Roman von Norbert Jacques (1920) beruht. Mabuse, das ist ein ganz besonderer Verbrecher, der Menschen und Gesellschaft manipulieren und beherrschen wollte. Politische Hintergründigkeit paarte sich einst mit cineastischem Spitzen-Handwerk und kriminalistischer Spannung. Nichts davon heute.

“Dr. M“ im Berlin der 90er Jahre. Eine unerklärliche Selbstmordwelle macht die Verantwortlichen in West und Ost betroffen. Ein junger Kommissar ermittelt auf eigene Faust und entdeckt und entlarvt einen Medien-Giganten als neuen Schreckens-Herrscher. Die Geschichte ist ebenso simpel wie schnell durchschaut. Sie wird ohne nähere und tiefe Erklärungen vorgeführt. Die Personen erscheinen wie Zeichenbrett-Figuren, wie Pappkameraden ohne Seele und Herkunft. Das Meiste wird gesagt, erklärt, aber nicht gezeigt. Die Optik ist fad, und die Schauspieler müssen entsetzlich dumme und unglaubwürdige Worte sprechen. Zudem sind sie schlampig nachsynchronisiert. „Dr. M“, der Film, ist scheinbar mit der Gartenschere geschnitten, denn die Anschlüsse sind oftmals hanebüchen. Von Chabrol‘scher Raffinesse, von seinem schwarzen Humor und der hintergründigen Spannung keine Spur. Und die vermeintliche Attacke auf die große Medien-Manipulation und Gefährlichkeit?: Luftblase.

“Dr. M“ ist filmischer Leerlauf. Jan Niklas wirkt nur angestrengt, Jennifer Beals hat ein schönes Gesicht und nervt trotzdem entsetzlich. Alan Bates als Mabuse der 90iger ist platte Routine. Der Rest…ist Schweigen. Ich glaube, Claude Chabrol hat noch nie einen so schlechten Film gemacht wie „Dr. M“ (= 1 PÖNI).