DIE DREI MUSKETIERE

DIE DREI MUSKETIERE“ von Paul W.S. Anderson (D/Fr/GB 2010; 125 Minuten; Start D: 01.09.2011); die zigste-zigste Leinwand-Adaption des populären Roman-Klassikers von Alexandre Dumas von 1843/44 ähnelt jenem Kintopp, das wir in Kindheitstagen an jedem Sonntag um 15.30 Uhr begeistert betrachtet haben: Da gab es bei Monumentalschinken, Hollywood-Western oder Jerry Lewis-/Dean Martin-Späßen klare Strukturen: Gut und Böse oder tolle Chaoten und blöde Spießer standen sich „wohlgeordnet“ gegenüber und hauten sich die Felsen, Kugeln oder Gag-Torten nur so um die Ohren. Heute sagt man schubladengemäß „Popcornkino“ dazu und meint – pures Unterhaltungskino ist/wird annonciert. Wie hier. Wo der Blick aber zunächst schmunzelnd zurück in der Erinnerung schwelgt. Die beste Adaption?: Zweifellos USA 1948, „The Three Musketeers“ von George Sidney, mit einem prächtigen GENE KELLY – D’Artagnan und einer ebenso verführerischen wie teuflischen LANA TURNER als Lady de Winter. Immer wieder sehenswert. Eine der schlimmsten filmischen Verunglimpfungen wurde hierzulande 1971 erzeugt: „Die Sexabenteuer der drei Musketiere“ (von Erwin C. Dietrich; mit Ingrid Steeger und einem Achim Hammer).

Der britische Produzent, Drehbuch-Autor und Regisseur Paul William Scott Anderson, 45, hat sich durch Verfilmungen von Computerspielen wie „Mortal Kombat“ (1995), der „Resident Evil“-Reihe (2002/2004/2007 + 2010) sowie „Aliens versus Predator“ (2004) bekannt gemacht. Der Ehemann von Milla Jovovich, dem Star aus dem „Resident Evil“-Programm, und seine beiden Drehbuch-Autoren ALEX LITVAK („Predators“) und ANDREW DAVIES (schrieb die beiden „Bridget Jones“-Filme) setzen denn auch den filmischen Abenteueransatz bei dieser vorwiegend in Bayern und Babelsberg entstandenen neuen Produktion über die berühmten französischen Degen-Fighter entsprechend anders. Deren Charaktere interessieren hier weniger, denn sie sind hinreichend bekannt. Vielmehr stehen zuallererst die attraktiven schurkischen Figuren, ehemals nur zur „Begleitung“ benutzt, sowie „das spektakuläre Äußere“ im Mittelpunkt und Blickfang. Und diese Mixtur funktioniert. Sozusagen – die „Einer für Alle, Alle für Einen“-Mittelalter-Freunde sind im 21. Kinojahrhundert angekommen. Und müssen nun ihren Helden-Ruhm quasi „teilen“. Aufteilen. Mit „schön fiesen Gleichrangigen“.

Paris anno 1625. Die drei Musketiere Athos, Porthos und Aramis (MATTHEW MACFADYEN, RAY STEVENSON, LUKE EVANS) waren einer Intrige am Hofe des naiven Kinds-Königs Louis XIII. auf der Spur, wurden jedoch rechtzeitig „abgebremst“. Vom listigen Oberintriganten und Drahtzieher, dem mächtigen wie machtbesessenen Kardinal Richelieu (CHRISTOPH WALTZ). Aus die Maus. Die offizielle Degradierung. Man sackt ab. Versackt privat. Perspektivlos. Saufend. Bankrott. Ein „Coach“ muss für DIE her. Und DER taucht sogleich auch auf. In Gestalt des draufgängerischen D’Artagnan (LOGAN LERMAN). Einem feurigen Jungspund. Der ist in die Hauptstadt gekommen, um ein tapferer, edler Musketier zu werden, muss DIE aber erst einmal aus ihrer „Depression“ holen. Und ihre Abenteuerlust „wecken“. Kitzeln. Klar, dass nach dem „ersten Anschnuppern“ fortan gemeinsam die Fetzen fliegen. Der übermächtige Gegner wird locker aufgemischt. Dezimiert. Mit Volldampf und in phantastischen Duellen.

Das flotte Äußere. Oder – wenn die Genre-Spitzenfilmgeschichte streichelnd lustwandelt. Streichelnd. „Die drei Musketiere“, der Neufilm, atmet „Indiana Jones“, „Matrix“, „Mission: Impossible“ aus, besitzt einigen Schräg-Charme aus der „Fluch der Karibik“-Atmosphäre und erinnert anfangs, als die Hauptakteure mit Bildstillstand namentlich vorgestellt werden, an die berühmte Anfangssequenz aus Sergio Leones „The Good, The Bad and the Ugly – Zwei glorreiche Halunken“-Western-Klassiker von 1966. Ohne aber in eine zitatenreiche Dauerkopie zu verfallen. Sondern als einfallsreiche, flotte, runderneuerte Neukomposition. Denn wenn die 4 Königstreuen so richtig in Schwung kommen, dürfen sie sich mit raffiniertem Waffenmaterial wie Feuerkanonen, in futuristischen, brennenden Luftschiffen, aber natürlich auch mit dem scharfen Degen „großzügig“ austoben. (Fecht-Europameisterin IMKE DUPLITZER sorgte als Trainerin für Stars und Stuntmen für die „richtigen Bewegungen“). Und natürlich in – diesmal „antörnendem“ 3 D. Schön überdreht und ständig überhöht. Ironisch pointiert. Mit andauerndem Augenzwinkern. Als Rock-Pop-Spektakel. Oldie-Rock in schmuckem Neu-Gewand. Völlig entstaubt. Als typisches Macht Spaß-Spektakel.

Und mit grandiosen Heroes in den Fies-Rollen. „Oscar“-Basterd CHRISTOPH WALTZ ist als tückischer Kirchenfürst („Ich bin Frankreich!“) in seinem zynischen Schwarzelement. In feinem Rot-Gewand versteckt und mit süffisanter Bösartigkeit ausgestattet. Ein erneut herrlicher Auftritt dieses großartigen „Kino-Edel-Schurken“. Nicht minder „aufregend“: Die attraktive MILLA JOVOVICH als durchtriebenes Milady de Winter-Miststück von Doppel-Agentin. Die prächtig auszuteilen versteht. MADS MIKKELSEN („Adams Äpfel“; der OO7-Neulich-Gegner in „Casino Royale“) gibt seinen überheblichen Rochefort-Schurken prollig-arrogant- dampfend, während der sonstige Nett-Boy (und praktizierende Buddhist) ORLANDO BLOOM (33) diesmal als mieser Herzog von Buckingham verschlagen ´rummacht. Und der Sohn von Briten-Star Edward Fox („Der Schakal“/1973), FREDDDIE FOX (21), kauzig den Jüngelchen-König Louis XIII. mimt. Den alle – mehr oder weniger – auszutricksen gedenken. Ach so ja, TIL SCHWEIGER (als Cagliostro) scharwenzelt auch ein paar Minuten mit-herum, bevor er dann, buchstäblich, absäuft.
Spiel, Spaß, Spannung – die Show, der Circus, der Jahrmarkt radaut. Prima. „Die drei Musketiere“ sorgen für respektable Okay-Unterhaltung.

Anfangs schon im Format angekündigt, singen immerhin die fünf TAKE THAT-„Bubis“ um Robbie Williams dann noch den Titelsong „WHEN WE WERE YOUNG“ auf dem Abspann.
Und schließlich heißt es still: „For Bernd“. Bernd Eichinger. Ihm hätte „sein Constantin-Film“ gewiss auch gefallen (= 3 ½ PÖNIs).

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