DIE UNGLAUBLICHEN 2 (Gastkritik)

„DIE UNGLAUBLICHEN 2“ von Brad Bird (B + R; USA 2018; K: Mahyar Abousaeedi; M: Michael Giacchino; 118 Minuten; deutscher Kino-Start: 27.09.2018).

Gastkritik von Caroline „Carrie“ Steinkrug

2004 schickte PIXAR zusammen mit Walt Disney DIE UNGLAUBLICHEN zum ersten Mal hinaus in die Welt. Und bei den Oscars 2005 räumten sie dann schon gemeinsam den Preis für den besten animierten Spielfilm ab. Kein Wunder, denn dieses Werk war ein Hit. (s. Kino-KRITIK)

Ganze 14 Jahre später erfahren die Fans nun, wie es mit der übermächtigen Familie weitergeht. Eine lange Produktionszeit, die zwischendrin viele Fragen aufwarf. Warum bekamen weniger erfolgreiche Titel wie CARS (s. Kino-KRITIK) in den letzten Jahren bereits drei Nachfolger? Während es um die Superhelden still blieb? Hatten die großen Co-Konzerne etwa ihre beliebten Parrs auf der Strecke gelassen? Nein! Ganz Anderes war der Fall! Drehbuchautor und Regisseur Brad Bird wollte sich bewusst Raum nehmen. Gestaltungsfreiraum für eine Geschichte, die qualitativ nicht hinter dem Vorgänger zurückbleiben sollte. Im Mittelpunkt nicht die Quantität des wirtschaftlichen Gewinns, sondern die Kunst der Animation. Zusammen mit einer Erzählung, die auf kindliche Begeisterung abzielt. Egal welchen Alters. Ein Thema, welches die Zuschauer intelligent berührt und gleichzeitig ernst nimmt.

Also, was ist passiert? Es sind mittlerweile schwere Zeiten für Superhelden angebrochen. Sie sind für illegal erklärt worden, nachdem sich Nachrichten über Verwüstungen in der Stadt häuften. Meistens beteiligt: Familie Parr, die rund um Oberhaupt Bob alias Mr. Incredible (im Deutschen gesprochen von MARKUS MARIA PROFITLICH) pausenlos Kriminelle jagt. Doch es gibt Hoffnung, denn ein steinreiches Geschwisterpaar möchte eine teure PR-Kampagne starten, um den Ruf der Gerechtigkeitskämpfer wiederherzustellen. Im Fokus dieses Mal Mutter Helen alias Elastigirl (im Deutschen mit der Stimme von KATRIN FRÖHLICH). Während ihr nun werbewirksam die Kameras folgen, bleibt Vater Bob daheim und alleine zurück. Seine Aufgabe stattdessen: Familienmanagement und Mathehausaufgaben.

Der Film thematisiert demnach zwei Dinge: alltägliche „Banalitäten“ wie Kindererziehung und fantastische Aufgaben wie Verbrechensbekämpfung durch Superkräfte. Der Rollentausch, den er dabei zwischen den beiden Geschlechtern vollzieht (der Mann bleibt Zuhause; die Frau geht arbeiten), wird jedoch glücklicherweise nicht als bloßer Witzelieferant ausgeschlachtet. Beide Seiten werden als sehr heldenhaft inszeniert. Ein wichtiger emotionaler Pluspunkt, der nötig ist, um der größten Schwäche des Films, dem viel zu blassen Bösewicht, entgegenzuwirken. Denn dieser hypnotisierende Bildschirmfritze ist leider zu vorhersehbar und farblos. Die Aufmerksamkeit liegt und bleibt somit bei den Parrs, die mutig-spritzig den gesamten sehr spaßigen Unterhaltungsfaktor tragen. Vor allem Baby Jack-Jack im Pyrokinese-Kampf gegen räuberische Waschbären avanciert dabei schnell zum schnuckeligen Windelliebling.

Indes vergessen DIE UNGLAUBLICHEN 2 aber auch nicht, was ein richtig guter Superheldenfilm braucht: Geschwindigkeit und Action. Letztere flimmert mit dermaßen viel Animationskönnen über die Leinwand, dass sich so manche Realverfilmung einiges davon abschneiden kann. Das amüsiert prächtig und bringt eine schwungvolle Kurzweil in das ungewöhnliche Sippenleben. Dieser Familienfilm taugt also für jede Altersklasse und macht einen gemeinsamen Kinobesuch quasi zur Pflicht. Was für eine UNGLAUBLICHE Fortsetzung! (= 4 sehr verdiente „Carrie“-PÖNIs)