DIE SCHÖNSTE ZEIT UNSERES LEBENS

PÖNIs:    (2/5)

„DIE SCHÖNSTE ZEIT UNSERES LEBENS“ von Nicolas Bedos (B + R; Fr 2018; K: Nicolas Bolduc; M: Anne-Sophie Versnaeyen; 116 Minuten; deutscher Kino-Start: 28.11.2019); ich mag „solche Leute“ nicht. Die im Alter jammern von wegen der Vergänglichkeit des Lebens, der Jugend, des Erfolges oder sonst was. Die meinen, das Gestern war toll, das Heute ist Nur-Scheiße. Gestern wurde die Liebste entdeckt, mit der heute zusammenzuleben nicht mehr „ganz so doll“ ist. Eine Erkenntnis des deutschen Dichters Jean Paul (*1763 – †1825) kommt bei diesem französischen Film ins Gerede: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können“. Aha.

Victor (DANIEL AUTEUIL) ist solch ein Unerträglicher. Geworden. Ein mürrischer Endsechziger. Nölt nur noch herum, verdirbt es sich mit jedem und wundert sich, dass er auf der Arschlochliste in seinem Umfeld ganz oben steht. Als es sogar seiner (bezaubernden) Gattin Marianne (FANNY ARDANT) zu viel wird, setzt sie ihn vor die Tür. Da kommt es gerade recht, dass ihm sein Sohn einen Energieschub spendet in Form eines Gutscheins. Einzulösen beim Event-Unternehmen „Time Travellers“, das betuchten Kunden „spezielle Zeitreisen“ ermöglicht. Indem man einen Tag aus der Vergangenheit „einrichtet“. Sozusagen: professionell nachspielen lässt. Mann oder Frau Nostalgiker müssen nur ganz genau erklären, wie wo, wann damals was mit wem passiert ist und schwups wird dies aufbereitet. Mit sämtlichen Details, einschließlich Personal-Kopien. Wie gewünscht. Victor erinnert sich an den 16. Mai 1974, es ist der Tag, an dem er seine spätere Gattin kennenlernte.

Und so taucht er denn wieder ab. Ins „damalige“ Bistro. Und ein. Ausgestattet mit Klamotten von einst wie Lederjacke, Schlaghose, Schnurrbart. Margot (DORIA TILLIER) taucht auf. Als Marianne. Die ist die Schauspieler-Freundin des Veranstalters Antoine (GUILLAUME CANET). Der gerade etwas „Stress“ mit seiner Liebsten hat. In die sich aber gerade Victor verguckt. Emotionale Komplikationen. Währenddessen Victor seine (teuren) Erinnerungen „verlängert“.

So richtig konsequent haben die Franzosen diese Komödie nicht erschaffen, denn WIE eigentlich diese Detailgenauigkeit er- bzw. geschaffen wird, bleibt außen vor. Man sieht Spielleiter und Arrangeur Antoine zwar mit Kopfhörer hantierend, aber wenn ich das alles glauben, mit-nachvollziehen soll, sollte es eigentlich auch plausibel arrangiert sein. Stattdessen geht es um „die Irgendwie-Einrichtung“ eines längst vergangenen wichtigen Tages im Leben eines heute unzufriedenen Menschen, der dadurch bekehrt werden soll. Wird.

So richtig warm wird diese von der Idee her hübsche Geschichte nicht, vielmehr versendet sie sich, um möglicherweise an einem TV-Nachmittag demnächst besser zu blühen (= 2 PÖNIs).

P.S.: FANNY ARDANT ist hinreißend-charmant.

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