DIE AGENTIN

PÖNIs:     (3/5)

„DIE AGENTIN“ von Yuval Adler (B + R; nach dem Buch „The English Teacher“ von Yiftach Reicher Atir; D/Fr/Israel 2018; K: Kolja Brandt; M: Haim Frank Ilfman; 120 Minuten; deutscher Kino-Start: 29.08.2019); lief im Frühjahr im Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz und fand zwiespältige Aufnahme. Der Titel ist Programm, aber kein Versprechen. „The Operative“, so der Originaltitel, will kein „Außen-Spannungsfilm“ sein, sondern „innen“ funktionieren. DIANE KRUGER („Aus dem Nichts“ von Fatih Aktin/2017) im Titelpart. Eine clevere Frau als Mossad-Agentin. Die im geheimen Auftrag Israels zwischen Deutschland, Israel und dem Iran pendelt. Eine Heimatlose, die erst auf amtliche Anweisungen arbeitet, handelt, um dann ihr privates-emotionales „Eigending“ durchzuziehen. Ihre Schwäche – sie lässt bei einem Langzeit-Einsatz im Iran persönliche Gefühle zu. Verliebt sich in den Observanten, einen iranischen Elektronik-Unternehmer, der zu einem Handel mit Nukleartechnik geködert werden soll.

Dabei geht es dem Autoren-Regisseur YUVAL ADLER (Debütfilm: „Bethlehem“/2013) nicht um einen üblichen Geheimdienstfilm mit Action-Bewegungen, sondern um das Profil einer intelligenten Frau, die sich im Macht-Zirkel eines Staates-im-Staat befindet, dessen „Handhabungen“ demokratischen Gepflogenheiten widerspricht. Was Fragen nach Loyalität und „Interessen“ aufwirft. Yuval Adler erzählt dies mit kunstvoll verschachtelten Rückblenden, in denen viel geredet und begrenzt „gehandelt“ wird. Mittendrin diese in sich zerrissene Rachel, für die sich ihr Führungsoffizier, gespielt von MARTIN FREEMAN (der „Sherlock“-Dr. Watson), ins Zeug legt, dabei aber feststellen muss, dass die junge Frau längst ihr Eigen-Ding abzieht. Als sie ihn – nach längerem Abtauchen – kontaktiert, „Mein Vater ist gestorben“, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem es nur Verlierer geben kann. Motto: „Das ist ein Krieg, dabei sterben unschuldige Menschen“. Dabei will SIE nicht mehr mitmachen und ihre Identität zurückgewinnen. Was intern als „Feindschaft“ aufgenommen wird. Aus der Verbündeten wird eine Gegnerin.

Ein Geheimdienst-Kriegsfilm, in dem handfeste Konfrontationen zumeist ausbleiben. Ausgeblendet werden. Eine Charakter-Studie wird annonciert, in dem die Protagonistin eine menschlich Entwurzelte spielt und sich irgendwann zu ihrer persönlichen Identität durchringt. DIANE KRUGER behauptet sich Charakter-stark, muss aber bei diesem viel zu konstruiert entwickeltem Zerreißproben-Drama um eine eigene Welt innerhalb unserer Welt, in der Loyalität und Wahrheit(en) nichts zählen, Punkte lassen. Zu trocken, zu sehr nur auf psychologische Motive und verbale Spannung und komplizierte Rück-Ansichten setzend, firmiert der verwirrende, wenig wirklich wirkende Theorie- & Kopf-Thriller.

Denn: Das war eigentlich schon vorher, aus vielen zum Beispiel John Le Carré-Romanen und -Adaptionen („Dame König, As, Spion“), bekannt: Geheimdienst-Arbeit ist immer erheblich schmutzig, anti-demokratisch und menschen-feindlich. Was eigentlich nicht mehr neu zu beweisen war (= 3 PÖNIs).

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