Dick Tracy Kritik

In Amerika, so wird uns wieder einmal vollmundig erklärt, sei der Film ein Mega-Hit. Was so viel bedeutet, dass er um die 100 Millionen Dollar an Eintrittsgeldern in den USA und Kanada eingespielt hat. Doch das sagt natürlich überhaupt nichts über die Qualität eines Filmes aus. Dennoch wird uns und Ihnen andauernd verklickert, dass bei solch einer Einnahme ein Film einfach Spitze sein muss. Im Vorjahr ging damit “Batman“ bei uns und auch in ganz Europa baden, jetzt heißt der neue Aufschrei: „DICK TRACY“ von Warren Beatty (D+R; USA 1990; 101 Minuten; Start D: 27.09.1990).

In “‘Dick Tracy“ geht es um eine in Amerika populäre Comic-Figur, die von Chester Gould erstmals 1951 gezeichnet wurde. Seit damals ist sie fester Comic-Bestandteil in amerikanischen Tageszeitungen. Dabei ist das Dauer- Thema von “Dick Tracy“ ganz simpel: Ein Strahlemann und Einzelgänger im ewigen Clinch gegen das Böse und die Bösen. Einer alleine mal wieder gegen eine große Überzahl. Die wird von Big Boy Caprice (AL PACINO) angeführt, einem lauten und ständig aufgeregten Schurken. Aber Dick und sein 12jähriger Kumpel sind natürlich nicht zu bezwingen. In der Liebe dagegen bekommt es Dick-Beatty mit einer hochkarätigen Lady zu tun. Im Film heißt sie „Heiserchen Mahoney“, wir kennen sie als MADONNA.

“Dick Tracy“ ist Plastik. Die Typen sind in fantasievolle Monster-Gesichter verpackt. Das Design ist Computer-Grafik vom feinsten und genauso steril. In der besonderen, geheimnisvollen Farbmischung liegt das große Können des Films, sagen amerikanische Kollegen. Meine Antwort: Ganz hübsch, aber Na-Und? Die prominenten Mitwirkenden dagegen, wie Al Pacino oder Dustin Hoffman, sind hinter dicken Schmink-Masken versteckt und liefern kleine, gagige Einzelnummern ab. Das ist es dann. Warren Beatty dagegen überschätzt sich und den Stoff einmal mehr. Wenn er mit seinem beigen Kaschmir-Mantel umher wedelt, sieht das einmal, zweimal, dreimal toll aus, füllt aber die Schnüffler-Figur nicht aus. Schon gar nicht abendfüllend. Und Madonna?:
Wie gehabt: Blond, sexy, aber stinklangweilig. Denn sie bloß so überzeugend schauspielern wie singen könnte…, so aber ist ihr Leinwand-Auftritt mal wieder lasziver Krampf.

„Dick Tracy“: Der Versuch, uns eine typisch amerikanische Comic-Figur näher zu bringen, bleibt ein solcher, weil die nur seelenlos, animiert und kraftlos daherkommt. Während die Story schon tausendmal und oft viel besser, ulkiger und spannender gesehen und erlebt wurde. “Dick Tracy“, das ist Plastik-Fantasie, das ist Fast-Food-Kintopp, das ist Moment-Entertainment (= 2 PÖNIs).