Deutschland. Ein Sommermärchen Kritik

DEUTSCHLAND. EIN SOMMERMÄRCHEN“ von Sönke Wortmann (D2006; 108 Minuten; Start D: 05.10.2006); der mit dem Fußball seit Jahren/Jahrzehnten fest verbunden ist. Anfang der 80er Jahre wollte der Junge aus Marl (Jahrgang 1959) eigentlich Profi-Fußballer werden. Kickte u.a. bei Westfalia Herne und der Spielvereinigung Erkenschwick (die damals, auch dank eines Wortmann-Tores, in die 2. Bundesliga aufstieg), bevor er dann doch zum Regiestudium an die Hochschule für Fernsehen und Film in München „umschwenkte“. 2002 schuf er mit dem Spielfilm „DAS WUNDER VON BERN“ d e n deutschen WM-Fußball-Film (rd. 3 1/2 Millionen Kinobesucher sahen den Spielfilm über den legendären WM-Erfolg von 1954 beim Turnier in der Schweiz), danach inszenierte er die 7teilige SAT.1-Kreisliga-Kicker-Serie „Freunde für immer – Das Leben ist rund“, und jetzt stellt er sein neuestes Fußball-Film-Projekt vor.

Die Idee dazu lieferte/verdankt Wortmann den Franzosen. 2002 sah er deren Dokumentarfilm „Les Yeux dans les Bleus“, über den Weg der französischen Nationalmannschaft zum WM-Titel 1998. Nach zähen/mühseligen Verhandlungen (FIFA + WM-Organisationskomitee waren anfangs überhaupt nicht von diesem Projekt überzeugt) und nach dem Amtsantritt von Klinsmann & Bierhoff bekam er jedoch „grünes Licht“ für die Idee, die deutschen Fußball-Nationalspieler durch das „Abenteuer WM“ mit der Kamera „intim“ begleiten zu dürfen. Nach erfolgreichen Probelauf beim „Confed Cup 2005″ war er ständig mit-dabei/“integriert“. Thema: Eigentlich sind ja Kameras an „heiligen Orten“ der Fußball-Nationalmannschaft wie Kabine, Mannschaftsbus oder Teamhotel tabu. Nun aber durfte Wortmann gerade dort auch drehen. Herausgekommen ist ein GLÜCKSFALL von Dokument: Die „so“ eigentlich nie geglaubte Erfolgsgeschichte des deutschen WM-Teams.

Die Spiel-/Ablauf-/Ergebnis-Fakten sind ja bekannt und haben Millionen Deutsche in diesem Sommer gepackt/fasziniert/begeistert. Deshalb konzentriert sich der 108minütige Film auch nicht so sehr um die Rasen-Details, sondern eben um DAS-DAHINTER bzw. -DRUMHERUM. Wie ein spannender Kinofilm ist er – „dramaturgisch“ – mit Ouvertüre/Hauptteil/(Tragik-)Schluss + stimmungsvollem Epilog ebenso informativ wie hochemotional aus rd. 100stündigem Material ausgestattet bzw. zusammengemixt worden. Mit vielen ebenso informativen wie unterhaltsamen „Kleinigkeiten“ am Rande; mit den GIGANTISCHEN Ansporn-Solo-Auftritten des grandiosen Motivators Klinsmann; mit der überwältigenden Gänsehaut-Atmosphäre im Land während des gesamten Turniers. „DIE FANMEILE KEHRT NOCH EINMAL ZURÜCK“, lautet das Fazit dieses Klasse-Films, der die ewige Meckerei/den nörgeligen Dauer-Depri-Pessimismus im Lande noch einmal, für einen herrlichen Kino-Moment-lang, wunderbar zu verscheuchen versteht.

Und nun auch Sönke Wortmann in die vordere Reihe der hiesigen Filmemacher katapultiert: Geboren am 25. August 1959 in Marl; sein studentischer Abschlussfilm „Drei D“ bekam 1990 eine Nominierung für den Studenten-„Oscar“; amüsantes Kino-Debüt 1991 mit „Allein unter Frauen“; Off-Kino-Erfolg mit dem nächsten Kinofilm „Kleine Haie (1992); schlechte Kinofilme: „Mr. Bluesman“ (1993), „St. Pauli Nacht“ (1999) sowie der missglückte Hollywood-Ausflug „Der Himmel von Hollywood“ (2001, mit: Burt Reynolds, Tom Berenger sowie Rod Steiger in seiner letzten Rolle); bessere/gute Kinofilme: Natürlich „DER BEWEGTE MANN“ (1994, mit Til Schweiger + Joachim Król; über 6 Mio. Kino-Besucher); „Das Superweib“ (1996, mit Veronica Ferres); „Der Campus“ (1998, mit Heiner Lauterbach). Die letzten beiden FUßBALL-Filme adeln ihn nun. Bisherige Auszeichnungen von Sönke Wortmann: „Bambi 1994“; „Deutscher Filmpreis 1995“ für „Der bewegte Mann“; „Ernst-Lubitsch-Preis 1995“ für „Der bewegte Mann“ sowie „Bayerischer Filmpreis 2003“ für „Das Wunder von Bern“ (= 4 PÖNIs).