Desierto – Tödliche Hetzjagd Heimkino

DONALD TRUMP hat dieser Film bestimmt gefallen. Überwiegend jedenfalls. Wenn er ihn denn je gesehen hat. Er wurde auf zahlreichen Festivals gezeigt, gewann beim Toronto-Filmfestival den „International Critics‘ Award“, erhielt den Hauptpreis des diesjährigen Taormina Film Festivals und lief kürzlich hierzulande beim renommierten Fantasy Filmfest. Die mexikanische Filmakademie hat den Film zudem für die „Oscar“-Nominierungs-Auswahl zum „Besten fremdsprachigen Film“ bestimmt bzw. eingereicht. Wer jetzt meint, dass solch ein offensichtlich gewichtiger Film bei uns natürlich erst in die Kinos kommt, bevor er fürs Heim-Kino ausgewertet wird, irrt sich gewaltig. Soeben hatte er hierzulande gleich beim HEIM-KINO seine reguläre „Kino“-Premiere:

DESIERTO –TÖDLICHE HETZJAGD“ von Jonás Cuarón (Co-B, Co-Produzent + R; Mexiko/Fr 2014; Co-Produzent: Gael Garcia Bernal; Co-B: Mateo Garcia; K: Damian Garcia; M: Yoann Lemoine; 85 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 13.10.2016).

„Wollen wir jagen?“, fragt der selbsternannte Grenzschützer Sam (JEFFREY DEAN MORGAN) seinen treuen Kumpanen und Freund, Schäferhund Tragger im Truck. Wo der Sound des Sängers Woodkid und der Whisky die Stimmung anheizt und der Radio-Sprecher einen Temperaturanstieg auf 48 Grad verkündet. Doch Sam sieht darin/hat damit offensichtlich kein Problem. Er liebt die Jagd auch in der Gluthitze der Sonora-Wüste. Dabei geht es ihm nicht um das Töten von Tieren, sondern – für ihn dasselbe – das Hinrichten von Menschen. Sam hat es auf illegale Einwanderer abgesehen, die hier das gelobte USA-Land erreichen wollen. „Das ist meine Heimat“, motiviert sich Redneck Sam und setzt sein Scharfschützen-Gewehr ebenso wütend wie genüsslich an: „You won’t fuck with me now!“

Sie sind 14 Menschen. Als der kleine LKW mitten im Staub kaputt geht, müssen sie zu Fuß weiter. „Willkommen im Land der Freiheit“, begrüßt sie Sniper Sam. Und erschießt fast alle umgehend. Eine kleine Gruppe kann ihm entkommen. Zunächst. Fortan ist Sam mit seinem mörderischen Rassen-Hass, seinem abgerichteten Spürhund und seinem zielsicheren Gewehr beschäftigt, auch „den Rest“ so schnell wie möglich umzubringen. Unter den Überlebenden befindet sich auch Moises (GAEL GARCIA BERNAL), der schon in den USA fest lebte und zu seinem Sohn-dorthin zurück will. Verzweifelt ist er bemüht, den Attacken des Rassisten und teuflischen Nationalisten Sam auszuweichen. Eine erbarmungslose Jagd beginnt.

Eine Mauer will er bauen. Lassen. Wenn er Präsident sei. Meinte Donald Trump. Genau; denn dann bedarf es solcher „aufrechter Hass-Typen“ wie Sam erst gar nicht. Dann hätte Amerika sich „zivilisiert“ abgeschottet. Und brauchte nicht mehr „auf solche Flüchtlings-Gestalten“ zu schießen. Um sich ihrer zu entledigen. „Desierto“ ist ein spannender Kammerspiel-Western-Thriller, der buchstäblich-konsequent in den Kopf knallt und fürchterlich-aktuellen Polit-Geschmack besitzt. Motto: Wenn ein selbsterklärter „besserer“ Mensch andere = aus seiner Erklärung heraus „niedere, schlechte“ Menschen umbringt. Faschismus-pur. Der widerwärtige, zynische Faschismus des 21. Jahrhunderts. Und längst nicht nur an der mexikanisch-amerikanischen Grenze auftauchend. Vorhanden. Wie wir wissen.

JEFFREY DEAN MORGAN, 50, gelingt es teuflisch gut, seine menschliche Bestie nicht plump zu dämonisieren, sondern als „ganz normales“ menschliches Monster mit riesigen asozialen Defekten und Defiziten glaubhaft zu präsentieren. „Hitler war doch auch ein Mensch“, fällt mir angesichts der coolen Interpretation seiner entsetzlichen „Patrioten-Figur“ Sam ein. Morgan, bekannt aus populären TV-Serien wie „Grey’s Anatomy“, „Weeds – Kleine Deals unter Nachbarn“ und neuerdings auch „The Walking Dead“ (wo er die wiederkehrende Rolle des Negan spielt), ist auch aus Kinofilmen in guter Erinnerung, wie zuletzt in „Die Entführung von Bus 657“ (= bei uns im Heimkino erschienen) und neulich auch in „The Salvation – Spur der Vergeltung“ (als Deibel vom Dienst). Wenn sein Sam völlig außer Seelen-Häuschen gerät, als sein geliebter Hund verletzt wird, wirkt das überzeugend verstörend. Und natürlich auch wieder nicht. Welchen „guten, treuen Freund“ soll dieser Widerling sonst wohl haben….

GAEL GARCIA BERNAL, 37. Mexikanischer Schauspieler-Star mit internationalem Format. „Amores Perros“ (2000); „Die Reise des jungen Che“ (2004); „Babel“ (2006); „Und dann der Regen“ (2010) oder „No!“, die Liste der Filme, in denen er überragte, ist lang. Für „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ wirkte er auch als Co-Produzent mit. Als Moises spielt er keinen Helden, sondern einen ganz normalen Menschen, der leben und überleben möchte. Was ihm ein anderer, Verblendeter, verweigert. Morgan & Bernal sind körpersprachlich voll auf faszinierender darstellerischer Augen-Höhe.

JONÁS CUARÓN, 35. Sohn des populären mexikanischen Filmemachers und „Oscar“-Preisträgers Alfonso Cuarón („Gravity“). War als Drehbuch-Mitschreiber beim Welterfolg seines Vaters, „Gravity“, beteiligt. Mit diesem kompromisslosen „Unterhaltungsfilm“ hat er ein grandios-fesselndes Stück Spannungskino geschaffen, passend als packender Warn-Schrei kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen am 8. November 2016, aber auch – mit vielen gedanklichen Erschütterungen – im Hin-Blick auf die gegenwärtige Grenz-Situation EUROPA sowie vielschichtig im Wissen auf „unsere Wahl“ 2017.

„DESIERTO – TÖDLICHE HETZJAGD“: Was für ein kleiner toller Wahnsinns-Film!!!

Anbieter: „Ascot Elite Entertainment“