Den Sternen so nah Kritik

DEN STERNEN SO NAH“ von Peter Chelsom (USA 2015/2016; B: Allan Loeb; K: Barry Peterson; M: Andrew Lockington; 121 Minuten; Start D: 09.02.2017); was glänzen die Cineasten-Augen und freut sich die Cineasten-Seele beim Namen PETER CHELSOM.

Der am 20. April 1956 im britischen Blackpool geborene Filmemacher kann auf drei wunderbare Außenseiter-Filme zu Anfang seiner Karriere verweisen, die leider viel zu wenig bekannt sein dürften, obwohl sie das besitzen, was man gemeinhin unter KULT versteht: Ewig „besonders“. Als da wären: „Hear My Song“ von 1991 (s. Kino-KRITIK); „Funny Bones“ von 1995 (s. Kino-KRITIK) sowie „The Mighty – Gemeinsam sind wir stark“ von 1998, seinem ersten Amerika-Film, denn seit 1995 lebt Peter Chelsom in Los Angeles. 2014 hatte er mit „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ (s. Kino-KRITIK) ebenfalls eine emotionale Freundlichkeit im Kino.

Amerika jubelt. In Gestalt von Nathaniel Shepherd (GARY OLDMAN). NASA-Chef und Pionier der Raumfahrt. Gerade verabschiedet er ein Team von Wissenschaftlern, die sich auf den weiten Weg zum Planeten Mars machen. Astronautin Sarah Elliot (JANE MONTGOMERY) führt die Gruppe an und muss während der langen Mission feststellen, dass sie schwanger ist. Den Namen des Erzeugers hält sie geheim. Sohn Gardner wird kurz nach der Landung geboren, die Mutter stirbt bei seiner Geburt. Bei der NASA wird entschieden, dieses „Vorkommnis“ nicht bekannt zu machen. Gardner (ASA BUTTERFIELD) wächst 400 Millionen Kilometer von der Erde entfernt auf, wird von der Astronautin Kendra (CARLA GUGINO) aufgezogen und zählt 16 Jahre später mit zum Team. Sein bester Freund ist ein selbstgebauter Roboter.

Auf die Erde allerdings will man ihn wegen möglicher gesundheitlicher Schwierigkeiten nicht lassen. Doch der Bengel ist in der Pubertät, wird „unruhig“, ist zudem ausgesprochen pfiffig. Hat eine terrestrische „Brief“freundin gefunden, chattet inzwischen heimlich mit dem Colorado-Girl Tulsa (BRITT ROBERTSON), der er allerdings natürlich Lügen bezüglich seines wahren Standorts auftischt. Wir ahnen, eines Tages ist es soweit, Gardner „gelangt“ auf die Erde, trifft Tulsa, eine rüde irdische Außenseiterin und „Beißerin“, die mit reichlich (Mobbing-)Stress umgeben ist. Beide beginnen einen Trip durch die Staaten, um seinen Vater zu suchen. Verfolgt vom NASA-Direktor Nathaniel, der natürlich seinen Schützling nicht aufgeben will.

Bis zur Fast-Hälfte „sticht“ der Film. Mit dem „kleinen“ Gardner. Und dessen kindlich-listige Bemühungen, in dieser Mars-Welt und in mitten der Mannschaft und mit seinem Roboter-Kumpel „spannend“ zu leben. Doch dann wird es hibbelig. Lässt sich der bis dato höchst unterhaltsame Science-Fiction-Streifen auf ein beliebiges wie stets vorhersehbares Love-Story-Niveau mit fadem Krimi-Geschmack herab. Zieht sich künftig konventionell-simpel dahin und verliert viel von seinem Reiz.

ASA BUTTERFIELD, wir kennen ihn aus seinen Klasse-Kinderparts „Hugo Cabret“ (von Martin Scorsese) und neulich „Die Insel der besonderen Kinder“ (von Tim Burton), „zieht“ hier genauso wenig wie seine künstlich-provokant-aufgemotzte Partnerin BRITT ROBERTSON („A World Beyond“), so dass Oldie-Experte GARY OLDMAN („Dame, König, As, Spion“) für die eigentliche Spannung zuständig ist; aber auch ihm geht schon bald die (Drehbuch-)Puste aus. So dass er nur noch platt und glatt wirkt.

Schade, Peter Chelsom hat es diesmal vergeigt; sein neues Außenseiter-Abenteuer bleibt vieles schuldig (= 2 PÖNIs).