Daybreakers DVD-Kritik

Eigentlich sind extreme „Blutfilme“ nicht so mein Ding. Mit „Saw“ & Folgen (Ausnahme das Original, mit dem wirklich überraschenden, verblüffenden Schluß) kann ich nichts anfangen. Natürlich aber gibt es Ausnahmen. DVD-aktuell heißt eine solche:

DAYBREAKERS“, von THE SPIERIG BROTHERS; das sind die australischen Zwillingsbrüder Michael + Peter Spierig, die hier für Drehbuch + Regie und für die digitalen visuellen Effekte verantwortlich zeichnen (Australien 2007/2008; 94 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 23.08.2010).

DIE haben einen Science Fiction-Horror-Thriller geschaffen, der in seinen philosophischen wie gesellschafts- wie politischen Gedanken und Motiven äußerst interessant und spannend ist. Bereits 2002 haben sie, so vermittelt das Bonusmaterial, einen „solchen“ Genrefilm mit dem bei uns unbekannten Streifen „Undead“ geschaffen. Hier nun stehen sie mit „Daybreakers“ in der Genre-Güteklasse ihres Landsmanns George Miller („Mad Max“), des Hollywood-Haudegens John Carpenter („Halloween – Die Nacht des Grauens“; „Sie leben!“) sowie natürlich des Zombie-Meisters George A. Romero („Die Nacht der lebenden Toten“).

Wir schreiben das Jahr 2019. Vor 10 Jahren hat eine mysteriöse Epidemie einen Großteil der WELTBEVÖLKERUNG in Vampire verwandelt. Das gesellschaftliche wie politische Leben ging „normal“ weiter, nur ist seitdem das Hauptnahrungsmittel für die Menschheit BLUT. Dafür werden die verbliebenen, nun sehr „kostbaren“ „echten“ Menschen gejagt und in Farmen „gehalten“/aufbewahrt. Denn nur über das „richtige“ Blut kann eine Quasi-Unsterblichkeit der Vampir-Menschheit erlangt werden. „Fangt Menschen!“ steht folgerichtig jetzt auf den U-Bahnhof-Plakaten. Doch der „Original“-Mensch als Nahrungsmittel/-quelle stirbt im wahrsten Sinne des Wortes so langsam aus. Viele gibt es nicht mehr, und die wenigen, die es noch zu finden gilt, haben sozusagen GOLD-Wert. Blut-Ersatz heißt das neue Zauberwort.

Der Forscher Edward Dalton (ETHAN HAWKE), selbst natürlich Vampir, forscht mit seinem Team nach einem neuen künstlichen, medizinischen Überlebensmittel. Er selbst verweigert sich dem täglichen Blut-Cocktail aus 100% reinem Menschenblut, obwohl er ihm gesellschaftlich zusteht. Apropos, diese vampirische Menschheit ist inzwischen eingeteilt, in „Menschen“ der 1. bis 4. Klasse. Die 4. sind die „Unterirdischen“, die „Abgekoppelten“, die Ausgestoßenen, für die schließlich nicht mehr genügend „Futter“ vorhanden ist und die schließlich zum Verbrennen in die Sonne befördert werden. Während die Oberschicht immer noch triumphiert: „Niemand wird alt. Unsterblichkeit ist das Wunder, wir sind privilegiert“, freut sich Charles Bromley (SAM NEILL), der mächtige Chef des Forschungsunternehmens. Dem es keineswegs in den Kram passt, dass Edward offensichtlich sogar dabei ist, eine Art „Heilung“ und „Rückwandlung“ zu finden. So dass der Mensch wieder „Richtig-Mensch“ sein kann, wird. Denn Edward Dalton hat zwischenzeitlich mit einer Gruppe von „echten Menschen“ zusammengefunden, die alles daran setzt, den Planeten wieder halbwegs „normal“ hinzukriegen.

„Wir sind eine gefährdete Art, Doc – es wird Zeit, dass wir das ändern“, meint Lionel „Elvis“ Cormac, einer der Anführer der menschlichen Rebellen (WILLEM DAFOE) und Ex-Vampir. Doch in den vielen treuen wie brutalen Untertanen von Konzern-Boss Bromley haben er und seine Truppe gierige Jäger am Hacken. Währenddessen hat es Charles gepackt und eine „Umwandlungslösung“ über die Sonne gefunden. Ist wieder ein sterblicher Mensch geworden. Was ihn fortan zum Feind, zum Gegner stempelt. Den es jetzt auch „amtlich“ auszulöschen gilt Der Krieg der Blutsbrüder beginnt.
„Daybreakers“ erzählt eine „dicke“ Geschichte. Motto: Vampir-Menschen benehmen sich demzufolge genauso „unmenschlich“, dumpf und blöde wie heutzutage WIR. Sind auf ihren Vorteil bedacht, zeigen sich als folgsame Mitläufer, benehmen sich egoistisch, anpasserisch, unzivilisiert. Jedenfalls viele von ihnen. Die Führungsschicht dagegen herrscht diktatorisch. Götter-ähnlich. Intelligente Ausnahmen gibt es immer, inmitten jeder Klasse, und von denen hängen – wie gehabt – die Überlebenschancen ab.

Mit viel spannendem Gedankengut hantieren die SPIERIG BROTHERS. Gehen dabei natürlich genre-kompatibel vor. Lassen Köpfe rollen: Die Bestie Mensch. „So“ oder so. Bewegen die menschlichen Untoten wie auf einem faszinierendem Schachbrett. Mal als Hau-Drauf-Bauern, mal als listiges Führungspersonal, als clevere Adlige.
„Daybreakers“ oder = der George-Orwell-Geruch („1984“; der totalitäre Überwachungsstaat) und die seelische Kafka-Düsterniß mit dem klobigen „District 9“-Direkt-„Charme“ und der „Blade Runner“-B-Atmosphäre. Auf vampirisch. Kurzum: Der unterhaltsame Geschmack des Horrors. Weil die Promis wie ETHAN HAWKE (40; zuletzt „Gesetz der Straße – Brooklyn´s Finest“), WILLEM DAFOE (55; zuletzt „Antichrist“ von Lars von Trier) und SAM NEILL (63; einst im Spielbergschen „Jurassic Park mehrmals mit-unterwegs + 1992 mit bei der „Jagd auf einen Unbekannten“ von John Carpenter beteiligt) offensichtlich Spaß hatten, bei diesem intelligenten Independent-Horror-Movie mitzumischen. Jedenfalls wird das überzeugend (wenn auch leider NICHT übersetzt bzw. untertitelt) in der 2stündigen „Making Of“-Bonus-Dokumentation erklärt. Also: Die diesmal „etwas härtere“ DVD-Empfehlung gilt!

Anbieter: „Sunfilm Entertainment“.