Dave Kritik

DAVE“ von Ivan Reitman (USA 1993; B: Gary Ross; K: Adam Greenberg; M: James Newton Howard; 110 Minuten; Kinostart: 29.7.1993; Video-Veröffentlichung: 11.2.1994; DVD-Veröffentlichung: 24.2.1999).

Es war einmal. Es war einmal der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der war vielbeschäftigt und brauchte mal eine Pause von den anstrengenden Arbeitsgeschäften. Die blonde Sekretärin lockt verlockend, also muss ein Double für den Rest des Tages her: Dave.
Dave Kovic ist ein freundlicher Amerikaner. Er betreibt eine Agentur für Zeitarbeit und hat in Rezessionszeiten wie diesen Mühe, seine Klienten zu vermitteln. Seine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Präsidenten lässt ihn plötzlich zu einem „wichtigen Mann“ werden. Denn: Mr. President hat sich im außerehelichen Bett übernommen und einen Schlaganfall erlitten. Die Profis im Weißen Haus reagieren blitzschnell, allen voran der mächtige, machtbesessene Stabschef.
Dave Kovac bekommt einen Voll time-Job. Als Präsident soll er Marionette finsterer Politbeamter sein, macht denen aber einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Lässt nicht nur das erkaltete Eheleben mit der First Lady wiederaufleben, sondern sorgt auch dafür, dass der Haushalt des Landes in die bessere, sprich soziale Richtung korrigiert wird.

Der große Hollywood-Regisseur und Komödien-Experte Frank Capra schuf 1939 die auch heute noch sehr geschätzte, vielzitierte Gesellschaftssatire „Mr. Smith geht nach Washington“. Thema: Wie ein kleiner Mann aus dem Volke den amerikanischen Senat von Korruption und Intrigen reinigt. James Stewart spielte damals den aufrechten Amerikaner. Heute ist die politische und gesellschaftliche Stimmungslage in Amerika ähnlich:
Politik- und Politiker-Verdrossenheit machen die Runde.

„DAVE“ entstand gegen Ende der Bush-Ära und erzählt eine ähnliche Geschichte. Allerdings bezieht „Dave“ seine unterhaltsame Qualität nicht so sehr nur aus dem Bauch heraus, sondern auch aus realitätsnahen Wahrnehmungen. Zwar setzen Autor Gary Ross und „Ghostbusters“-Erfolgsregisseur Ivan Reitman auf viel Gefühl und Stimmung, aber sie überdrehen die Show nicht. „]Dave“ ist keine billige Klamotte, sondern eine pfiffige, intelligente und damit auch sehr augenzwinkernde, zweideutige Wunschtraum-Story- vom einfachen Bürger, der mit ein bisschen Cleverness und Köpfchen das Land auch gut und sogar besser zu regieren versteht als die rüden Profis bisher. In einer Art „kultivierter Soap-Opera“ beeindruckt KEVIN KLINE in der Titelrolle. Er, der 1989 für seine Rolle als Gangstertrottel Otto in „Ein Fisch namens Wanda“ den „Oscar“ bekam, überdreht nicht. Findet exakt den überzeugenden, ironischen Ton, spricht mehr mit Augen und Körperbewegungen, setzt auf kleine, aber feine und mitunter höchst komische Nuancen. Während sieh drum herum ausgezeichnete und sehr professionelle Stichwortgeber wie SIGOURNEY WEAVER als Präsidenten-Gattin versammeln und gut gelaunt mitspielen.

„Dave“, das ist Spaß mit Sinn und richtigem. Gefühl. Wenn Sie in diesem kalten Sommer noch nicht im Kino waren, dann sollten Sie sich wenigstens einen Film doch antun: „Dave“ Was für ein gescheites Vergnügen (= 4 PÖNIs)!