DAS GEHEIMNIS VON NEAPEL

„DAS GEHEIMNIS VON NEAPEL“ von Ferzan Ozpetek (Co-B + R; Italien 2017; Co-B: Gianni Romoli; Valia Santella; K: Gian Filippo Corticelli; M: Pasquale Catalano; 113 Minuten); man begegnet sich, nimmt erst Augen- dann umgehend Bett-Kontakt auf. Zwischen Adriana (GIOVANNA MEZZOGIORNO) und Andrea (ALESSANDRO NORGHI) „funkt“ es buchstäblich. Gerne lässt uns der 57jährige türkischstämmige italienische Autoren-Regisseur FERZAN OZPETEK – bei uns bekannt durch seine originelle Familien-Komödie „Männer Al Dente“ (s. Kino-KRITIK/2010) – daran mechanisch-erotisch und lautstark teilhaben, beinahe ganze zehn Minuten lang. Dann ist für beide klar: Wir müssen uns wiedersehen. Doch Adriana hört nichts von ihm, und er ist auch über sein Handy nicht zu erreichen. Dann liegt er wieder vor ihr, allerdings ziemlich ramponiert. Adriana ist Gerichtsmedizinerin, Andrea ist ermordet worden und gerade gilt es, ihn zu sezieren. Ein Tattoo identifiziert ihn inmitten all der körperlichen Deformationen und des Bluts für sie.

Sie ist erschüttert. Will natürlich wissen, warum weshalb wieso. Auch ihre Familie vermag sie nicht „zu beruhigen“. Sie will ihn sozusagen jetzt näher „kennenlernen“. Zu sehr brodeln noch die Gefühle in ihr. Dann trifft sie seinen Zwillingsbruder. Von dem die Polizei allerdings nichts weiß. Sie nimmt ihn heimlich bei sich auf und hofft, über ihn mehr über ihren verschiedenen Geliebten zu erfahren. Währenddessen spüren wir, dass auch Sie offenbar ein schlimmes Geheimnis von einst bewahrt. Da erschießt eine Frau einen Mann. Was hat es damit auf sich? Was spielt sich hier wirklich ab? Und. Sie lässt sich mit dem Bruder auch intim ein. Der dann mehr und mehr besitzergreifend reagiert. Aber da ist ja noch der verliebte Polizei-Ermittler, der ihr beistehen möchte.

Mal Thriller, mal Gesellschaftsbild, mit diversen familiären Eskapaden, mal neapolitanisches Lokalkolorit, die Genre-Bedienungen sind vielschichtig. Mit diesen bedeutungsschwangeren Skulpturen, magischen Gemälden, eleganten Milieus. Neapel, so die überdeutlichen Signale, ist eine geheimnisumwitterte Region. Mittendrin bemüht sich eine erschütterte, emotional „aufgeladene“ Frau, ihren tragischen Verlust zu begreifen und verarbeiten zu wollen.

Ein bisschen erzählerisch zu üppig, aber immer am Eleganz-Pegel von Emotionen und Spannung. Mit einem verblüffenden Finale. Ein gutes Stück italienisches Atmosphären-Kino (= 3 PÖNIs).