DAS ENDE DER WAHRHEIT

PÖNIs:      (4/5)

„DAS ENDE DER WAHRHEIT“ von Philipp Leinemann (B + R; D 2017/2018; K: Christian Stangassinger; M: Sebastian Fillenberg; 105 Minuten; deutscher Kino-Start: 09.05.2019); wir beklagen doch immer wieder, dass gesellschaftspolitisch relevante AKTUELLE politische BRD-Geschichten bei uns kaum einmal Kino-Thema sind. Jetzt dürfen wir davon berichten, dass sich dies geändert hat. PHILIPP LEINEMANN heißt der kluge, talentierte, 1979 in Braunschweig geborene Filmemacher, der schon 2014 mit seinem knallharten Polizei-Film „Wir waren Könige“ (s. Kino-KRITIK) für atmosphärisch-packende Realo-Spannungsstimmung aus bzw. in unserem Land sorgte. Damals wie heute in der Hauptrolle: der massige RONALD ZEHRFELD, 42, geschätzt aus Filmen wie „Barbara“ von Christian Petzold (2012/s. Kino-KRITIK) und „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (2015/s. Kino-KRITIK).

Zehrfeld spielt Martin Behrens, einen integeren Analysten, der beim Bundesnachrichtendienst (BND) zuständig ist für Vorderasien. Ein Typ Marke Instinkt-Bursche anstatt Bürokrat. Der mit der Journalistin Aurice Köhler (ANTJE TRAUE) liiert ist, die an einem heißen Aufklärungsthema dran ist, das mit seiner Behörde zu tun hat. Behrens dagegen hat gerade Informationen ausgewertet, die, nach Abstimmung mit seinen Chefs, an die CIA weitergeleitet wurden. Woraufhin DIE im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan mittels einer Drohnenbombe einen hochrangigen Terroristen ausschalten. Bevor Behrens‘ Freundin Aurice weiterhin ihre „unbequemen“ Einzel-Ermittlungen fortführt, wird sie bei einem Terrorakt auf ein arabisches Restaurant in München getötet. Während seine Vorgesetzten dies als Vergeltungsschlag routinemäßig abtun, ist Behrens wütend-alarmiert. Ihm kommen Zweifel an der offiziellen Version. Er stellt fortan eigene Ermittlungen an und stößt auf eine üble Korruptionsspur innerhalb seiner Behörde. Wo Waffenlobbyisten, Geheimdienstler, Politiker und andere Macht- und Geldgier-Menschen dabei sind, dicke illegale Geschäfte zu tätigen. Die alles andere als bekannt werden dürfen. Doch – wem kann man trauen, vertrauen, wo sitzen die Eigen-Player? Deshalb wird die Luft für Martin Behrens immer dünner. Zumal sein neuer junger, dynamischer Sachgebietsleiter Lemke (faszinierend-eklig: ALEXANDER FEHLING) und dessen Vorgesetzter, Stabsleiter Rauhweiler (AXEL PRAHL), ihm offen die Gegnerschaft erklären.

Da haben wir ihn – den professionell gemachten, kritisch-spannenden deutschen Polit-Thriller. Mit der Prädikatsmarke: gute knackige Unterhaltung. An der man ständig dranbleibt, weil hier für eine atmosphärische Krimi-Stimmung gesorgt wird und dabei reizvolle Figuren wie auf einem Schachbrett – spannungs-erhaltend – hin und her befördert werden. Wirklich auffallend, wie passend hier das beeindruckende Ensemble (mit u.a. CLAUDIA MICHELSEN; AUGUST ZIRNER; WALTER KREYE) in die einzelnen Betätigungsfelder geschickt platziert wurde. Ausgehend vom Obermotto: Demokratische Volksvertreter, Regierung und beamtete Adlaten schaffen sich ihr eigenes Betätigungsfeld, spielen ihre eigenen, höchst lukrativen operativen Spielchen, mit vielen Intrigen und professionellen Lügen, um Karriere und Geld zu machen und Macht gefährlich auszuüben. Dabei interessieren sie weder Gesetze noch Regeln noch dienstliche Vorgaben. „Dank“ des Krieges gegen den Terror kann man die eigenen Positionen anonym verwischen. Problem: Martin Behrens will aber nun mal nicht mitspielen. Ein Moralist im Dienst-Haufen.

Lasst Philipp Leinemann nicht wieder Jahre hängen, bevor er seinen nächsten (Förder-)Film machen darf. Wir brauchen hierzulande solche KINO-Stoffe, wir brauchen solche KINO-Bilder. Die uns was angehen. Die von unserer (fiktiven?) Innen-Bedrohung packend zu erzählen wissen (= 4 PÖNIs).

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