Coming In Kritik

COMING IN“ von Marco Kreuzpaintner (Co-B + R; D 2013; Co-B: Jane Ainscough; K: Daniel Gottschalk; M: Peter Plate, Ulf Leo Sommer, Daniel Faust; 104 Minuten; Start D: 23.10.2014); Schwul oder Nicht-Schwul, das ist hier die lockere Frage. Zunächst – natürlich ist Tom Herzner (KOSTJA ULLMANN) voll schwul. Schließlich ist Berlins bekanntester und erfolgreichster Figaro auch Star der Schwulen-Scene. Zudem verkaufen sich auch seine Kosmetika absolut glänzend. Aber „natürlich“ nur halb. Bei bzw. für Männer eben. Nur. Um dies bei seinem neuesten Parfüm geschäftlich wie geschlechtlich ausbaufähiger zu gestalten, schickt ihn sein Manager und Lover Robert (KEN DUKEN) von der Berliner Promi-City gen Neukölln. Zu Studienzwecken. Motto: Welche Düfte werden dort bevorzugt? Vorzugsweise auch von Mädels? Und so erreicht der Nadelstreifen-Tom („Neukölln? Warum denn nicht gleich Afghanistan?“) den Salon der zwar etwas begriffsstutzigen, aber auch frech-charmanten Bezirks-Göre Heidi (AYLIN TEZEL). Und kommt mit ihr ins Necken.
Was bei seinen schwulen Freunden Irritationen auslöst. Während „ihr Macker“ Didi, ein völlig unterbelichteter „Eisern“-Union-Fußball-Fan (völlig unterfordert: FREDERICK LAU), nix mitbekommt. Dass bei Tom sich längst emotionale Gewissenszuckungen regen: Wer was und überhaupt bin ich, will ich sein, und geht das alles überhaupt, dass Ich-Schwuler mich auch für ein Mädel zu begeistern vermag?

„Coming In“ ist „politisch“ originell, aber leider nicht unkorrekt lustig. Genug. Als Komödie. Und dass Schwule ständig als „Sektchen“-Fraktion verschrien werden, na ja = nö. Ebenso, dass sie auch bei Marco Kreuzpaintner („Sommersturm“; „Trade – Willkommen in Amerika“; „Krabat“) kaum unterhaltsam-„normal“, also durchschnittlich-ulkig wie viele Heteros agieren, sondern „exotisch“, macht den Spaß auch nicht fülliger. Aufregend ist „Coming In“ jedenfalls nur bei einigen passablen Mitspielern: Kostja Ullmann gelingt es erfrischend, den Tom-Menschen glaubhaft zu interpretieren. AUGUST ZIRNER als Herausgeber einer vormals liberalen Schwulen-Postille bietet eine Klasse ironische Fummel-Performance. Während die aus Bünde bei Bielefeld stammende Aylin Tezel als Neuköllner Kiez-Mamsell Heidi ihre TV-„Aschenputtel“ von 2011 (aus der ARD-Märchen-Reihe „Sechs auf einen Streich“) putzig fortführt.

Dass nebenbei auch noch eine Kurzgeschichte um ihre kranke Oma (samt lieben Opa/Thilo Prückner) eingebaut wurde, entpuppt sich als unnötiger, zeitraubender Ergänzungs-Kitsch. Den Film „Coming In“ mag ich. Ein wenig (= 2 ½ PÖNIs).