Chinesen kommen Kritik

DIE CHINESEN KOMMEN“ von Manfred Stelzer (B+R; D 1986; 97 Minuten; B: Ulrich Enzensberger, M: Rio Reiser; Start D: 05.03.1987).

Das ist keineswegs die verblüffende Idee eines ausgebufften Autoren-Teams, und auch kein April-Scherz macht hier die Runde, da soll es ganze Fabriken in der Bundesrepublik geben, die von Chinesen nach deren Pleitegang aufgekauft, abmontiert und ins ferne Reich der Mitte transformiert wurden. Ja, wo gibt’s denn so was…denkt sich auch der ordentliche Bayer, der Pfnürr Hansi (JÖRG HUBE), der sich gemeinsam mit ein paar letzten Getreuen irgendwo in einer kleinen bayerischen Region zu Füßen der Alpen noch täglich auf seiner ehemaligen Arbeitsstätte herumlümmelt und staunend erleben muss, wie der Junior von den Tann‘schen Werke (ROLF ZACHER) das ganze Werk an die Chinesen verscheuert. Obwohl doch seit Menschen Gedenken diese Fabrik zum Bayernland gehörte wie das Bier zum Volke. Nichtsdestotrotz, nun sind sie auf einmal da, die Chinesen. Und sie sind freundlich, höflich, bringen Gastgeschenke und einen Bienenfleiß mit. Darüber können der Hansi, der Schorsch (HANS BRENNER), die Rose (MONIKA BAUMGARTNER) und all die anderen nur staunen. Auch darüber, wie schnell aus dem anfänglichen Misstrauen eine erste, kleine Verbundenheit wächst. Man kann sich zwar nicht sprachlich verstehen, aber übers Radi und dem Bier klappt‘s mit der Verständigung allemal. Während der für die örtliche Kultur zuständige Heimatkundler Raith (MARTIN SPERR) bereits für einen künftigen bayerisch-chinesischen Kulturaustausch plädiert und gar zünftige Modell-(Jodel-) Vorschläge vorführt, will der Schorsch wenigstens eine Maschine vor den Exoten retten, denn mit „seiner“ 509er verspricht er sich eine goldene, selbständige Zukunft. Aber beim heimlichen Abbau gibt’s einige Schwierigkeiten, und zudem stellt sich mittenmal das Problem, dass einer von ihnen mit nach China soll, um dort beim Wiederaufbau der Fabrik zu helfen. Was ist, wenn dieser Diebstahl herauskommt? Kommen die dann mit ihren – wieviel? – zwei, drei Milliarden zurück, um sich bitter an Bayern zu rächen…?

Manfred Stelzer ist ein in Berlin lebender Bayer aus Göggingen, der sich sowohl mit beachtlichen Dokumentarfilmen, wie “Allein machen sie dich ein“/1973, „Kalldorf gegen Mannesmann“/1974, mit interessanten Dokumentarspielfilmen, wie „Monarch“/1979 (dafür gab es den Bundesfilmpreis 1980), Geschichten aus zwölf und einem Jahr“/1985, und komödiantischen Spielfilmen, „Perle der Karibik“/1983 und „Schwarzfahrer“/1985, profiliert hat.

„Plötzlich seh‘ ich Chinesen im Fernsehen, die mitten in München eine Fabrik wegschleppen“, Da hat‘s bei ihm, dem Filmer, gefunkt. Erst mal als Dokument, dann aber, weil er immer zu spät kam, wenn die Chinesen irgendwo was abgebaut haben, als richtigen Spielfilm. Ulrich Enzensberger wurde als Co-Autor ebenso gewonnen wie die bayerischsten Bayern, die es innerhalb der hiesigen Darstellerszene gibt: Hans Brenner (der „Lieber Karl“-Vater), Kabarettist Jörg Hube („Heimat“) und Schriftsteller Martin Sperr („Jagdszenen aus Niederbayern“), der gut und gern auch als bayerischer Kulturminister vorstellbar wäre. Ein hinterfotziges Team, bei dem ständig auf die Zwischentöne zu achten und dann immer noch nicht klar ist, wie was gemeint sein mag. Ebenso wie beim Regisseur. Will der etwa seine Landsleute oder gar die ganze chinesische Menschheit verscheißern? Macht der sichch etwa bloß über alles lustig in diesen grauslichen Zeiten? “Den Vorwurf höre ich gern“, kommentiert Stelzer zurück. „Ich finde inzwischen sehr vieles komisch“. Ja, wie finde ich denn das…(= 4 PÖNIs).