Children of Men Kritik

CHILDREN OF MEN“ von Alfonso Cuarón (USA/GB/Japan 2006; 109 Minuten; Start D: 09.11.2006); einem mexikanischen Regisseur, der seine Vielseitigkeit mit der Romanze „Große Erwartungen“/1997, dem Jugend-Drama „Y tu mama tambien – Lust for Life!“ (2001) und dem vorletzten Harry-Potter-Spektakel („Harry Potter und der Gefangene von Askaban“/2004) unter Beweis gestellt hat. Mit der Verfilmung eines Science-Fiction-Romans der Autorin P.D. James („Im Land der leeren Häuser“) erprobt er sich nun an einem neuen Genre: Einem Endzeit-Thriller, der in seiner morbiden Dunkelheit sofort Gedanken an den Ridley-Scott-Klassiker „Blade Runner“ aufkommen lässt: Die Menschheit ist im Jahr 2027 unfruchtbar geworden; aus unbekannten Gründen können die Frauen keine Kinder mehr auf die Welt bringen.

Deshalb ist auch der Planet Erde auch zu einem unwirtlichen Lebensraum geworden, in dem Anarchie herrscht. Die Weltordnung ist zusammengebrochen, die westliche Demokratie zur Diktatur mutiert. Kriegs-Recht gilt. Die Menschheit, obwohl und ohnehin dem Untergang geweiht, bekämpft sich mit aller Brutalität und bringt sich gegenseitig um. Flüchtlinge, unter ihnen auch viele Deutsche, werden gedemütigt. Chaos, Gewalt und Nationalismus zählen zum normalen Alltag. Großbritannien, der verdreckte, zerfallene Handlungsort, ist ein faschistoider Polizeistaat. Paramilitärische Einheiten beschützen die dekadenten Wohlhabenden und gehen mit aller Härte gegen Oppositionelle und Terrorgruppen vor, deportieren unerwünschte Personen wie illegale Flüchtlinge in Konzentrationslager.

Mittendrin: Der Regierungsagent und Ex-Freiheitskämpfer Theo. Der resigniert hat und sich aus allem raushält. Dann aber wird er verschleppt. Von der Untergrundgruppe seiner Ex-Geliebten. Er wird beauftragt, eine junge Schwarze an die Küste zu bringen, wo sie von einem Boot der mysteriösen Organisation „Human Project“ aufgenommen und außer Landes gebracht werden soll. Der Grund: Die junge Frau ist im 8. Monat schwanger.

Ein hoch-spannender Film, in der Mischung aus George-Orwell-Überwachungsdenken („1984“) und Carpenters Action-Klassiker „Die Klapperschlange“, vorzüglich- atmosphärisch-rüde von Kameramann Emmanuel Lubezki (zuletzt: „The New World“ von Terence Malick) mit der agilen Handkamera eingefangen (und dafür kürzlich mit dem „Kamerapreis“ beim Venedig-Festival ausgezeichnet) und überzeugend von einem erstklassigen Ensemble dargeboten: Der auch mal als neuer Bond im Gespräch gewesene CLIVE OWEN („King Arthur“; „Hautnah“, als Partner von Julia Roberts) findet in der modernen Kurt-Russell-„Klapperschlangen“-Rolle genau die richtige Wut und Knalligkeit; JULIANNE MOORE („The Hours“, die Jodie-Foster/Clarence-Starling-Nachfolgerin in „Hannibal“) ist wie immer bombastisch-gut, während auch Oldie Sir MICHAEL CAINE wieder einmal einen großartigen Auftritt verbuchen kann: Als zurückgezogener, ständig benebelter, witziger Post-Hippie im John-Lennon-Look, der in einem abgelegenen Wäldchen ein gut-getarntes Kiffer-Biotop bewohnt, setzt er einen absoluten Glanzpunkt.

Ein außergewöhnlich fesselnder Philosophen-Thriller, klasse gedacht/gelenkt/erzählt, mit natürlich ganz aktuellen Motiven (Vorstadt-Randale, Terrorgruppen, Überwachungsstaat, Verfolgungswahn, Flüchtlingsströme, Konzentrationslager, Umweltzerstörung, religiöser Extremismus…..), aufregend-nachwirkend und eben so permanent spannend…spannend…spannend, in JEDER Hinsicht (= 4 PÖNIs).