Chanson d´amour Kritik

CHANSON D´AMOUR“ von Xavier Giannoli (B+R; Fr 2005; 112 Minuten; Start D: 18.01.2007); lief im Wettbewerb der letztjährigen Filmfestspiele von Cannes und war dort eine „willkommene Erholung nach Krieg, Totschlag und Verderben“ („Süddeutsche Zeitung“). Der 1972 geborene Filmemacher startete seine Karriere auch mit einem Cannes-Triumph: 1998 gewann er dort mit seinem Kurzfilm „L`Interview“ die „Goldene Palme“. Sein erster Langfilm war 2003 die Dreiecksgeschichte „Es brennt in mir“; zwei Jahre darauf entstand „Une aventure“, die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann und einer Schlafwandlerin, der bei uns nicht lief. Mit seinem 3. Spielfilm setzt er nun bereits eine ganz vorzügliche „Duftmarke“: „Chanson d´amour“ blickt in die Welt der französischen Provinz-Gaukler, der heimischen Unterhaltungskünstler „für das Volk“, begibt sich in die Szene der Schlagersänger und des Chansons.

Fernab von der (Pariser) Welt des Glamours entfaltet sich hier eine ganz eigene Atmosphäre der Geselligkeit und des Tanzvergnügens. Dabei im Mittelpunkt: Der in die Jahre gekommene Ballhaussänger Alain Moreau, ein ebenso routinierter wie sehr beliebter „Handwerker der Emotionen“. Der sein Umfeld aus dem F-F kennt/beherrscht/dirigiert, gleichzeitig aber weiß, dass er hier und NUR-hier in der Spitze und Beliebtheitsskala ganz oben mitmischen kann. Folglich hat er sich melancholisch, aber auch mit viel Selbstironie „eingerichtet“: Als charismatischer Galan mit Würde und sympathischem Kerle-Charme. Doch eines Abends kommt das „erotische Knistern“ für den Mitt-Fünfziger plötzlich zurück, als er sich in die eine Generation jüngere Marion verliebt.

„Chanson d´amour“ ist eine zärtliche, liebevolle Hymne an die überschaubare Welt der musikalischen wie gesellschaftlichen Gegenkultur in der französischen Provinz. Eine Hommage an das Tanzhallen-Milieu, in dem Alain Moreau „Elvis“ ist: Der „gefühlte KING des Chansons“. Der große (58jährige) GERARD DEPARDIEU spielt dieses „Zentralmassiv“, wie er sich selbst einmal bezeichnet, diesen einfühlsamen Charme-Bolzen, mit viel Kraft, Zärtlichkeit und Wahrhaftigkeit. Und: ER SINGT ALLE LIEDER AUCH GLEICH SELBST, ohne Playback. Souverän wie sympathisch unaufgeregt. Ein wirklich glanzvolles (Unterhaltungs-)Ereignis.

An seiner wunderschönen wie selbstbewussten Seite: Die in Belgien geborene, 30jährige CÉCILE DE FRANCE (neulich „L´auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr“ + „L´auberge espagnol – Wiedersehen in St. Petersburg“ sowie „Ein perfekter Platz“ von Danièle Thompson) als „irritierte“ Marion. „Chanson d´amour“ zählt zu jenen wunderschönen französischen „Regionalfilmen“ wie „Der Schmetterling“, „Eine Schwalbe macht den Sommer“ oder „Wenn die Flut kommt“, die mit poetischer Sensibilität und Diskretion von der Seele „außerhalb“ der großen Städte/Lautstärke FEIN zu erzählen wissen…(= 4 PÖNIs).