Camille Claudel

CAMILLE CLAUDEL“ von Bruno Nuytten (Fr 1988; 175 Minuten; Start D: 18.05.1989); der Debütfilm von einem der bedeutendsten Kameramänner Frankreichs.

Der französische Wettbewerbsfilm der diesjährigen Berlinale ist vieles. Eine auf authentischen Fakten basierende historische Geschichte. Eine Schicksalsbeschreibung zweier außergewöhnlicher, mit extremen Gefühlen ausgestatteter Künstler/Bildhauer. Die erst schöne, dann schmerzhafte Liebesromanze eines Paares. Die emanzipatorische Anstrengung einer leidenschaftlichen Frau inmitten einer Welt von Männer-Dominanz. Die Beschreibung einer kalten, seelenlosen Gesellschaft, die für ihre großen Talente keinen Freiraum lässt. Und die dann, bei entsprechenden Temperamentsausbrüchen, für verrückt erklärt und verkommen lässt. Und: Zuallererst ist “Camille Claudel“ auch ein grandioser Schauspieler-Film, in dem ISABELLE ADJANIund GERARD DEPARDIEU das Kraftfeld sind und die Leinwand ausfüllen und beherrschen.

1884 begegnen sie sich das erste Mal. Camille Claudel, Schwester des Dichters Paul Claudel, und Auguste Rodin, anerkannte Kapazität als Bildhauer. Sie ist 20, er 44. Beide sind besessen von ihrer Kunst und beginnen zusammenzuarbeiten. Aus den beruflichen Bindungen entstehen auch private. Aber Rodin ist verheiratet, kann und will sich aus seinem Umfeld und den Konventionen nicht richtig lösen. 15 Jahre dauert ihre anstrengende Beziehung. Bei der es immer wieder und immer mehr Zoff gibt. Er fühlt und begreift sich als das unantastbare Genie, an dem keinerlei Kritik angebracht und überhaupt möglich ist.
Camille fühlt sich verraten, unverstanden und zurückgedrängt. Begehrt auf, macht Rabatz, um als Künstlerin und Frau akzeptiert zu werden. Und verliert. „Camille Claudel“ endet mit dem von Mutter und Bruder betriebenen Abtransport in die Nervenheilanstalt. Wo sie vereinsamt und vergessen 30 Jahre verbringen und sterben wird.

„Camille Claudel“ ist ein großer, ein bewegender Film,
der von vielen Seiten her interessiert. Der die lange Mühe wert ist, zuzusehen und zuzuhören. Der die Gefühle genauso bewegt und traktiert wie die Gedanken. “Camille Claudel“ – ein Film für Liebhaber des schönen, intelligenten Kinos (= 4 ½ PÖNIs).