CAMBRIDGE ANALYTICAS GROßER HACK

PÖNIs:       (5/5)

„CAMBRIDGE ANALYTICAS GROßER HACK“ von Karim Amer und Jehane Noujaim (USA 2018/2019; B: Karim Amer, Pedro Kos, Erin Barnett; K: Basil Childers; M: Gil Talmi; 139 Minuten; NETFLIX-Start: 24.07.2019); das Kostbarste, was es heutzutage gibt, sind: nein, nicht Gold oder Geld, sondern Daten. Mit ihnen kann man beinahe alles bekommen/gewinnen. Im üblen Sinne: manipulieren. Es ist der 24. Juli 2019. Ein unfassbarer Vergleich wird öffentlich: Der Daten-Gigant Facebook muss wegen Datenschutzvergehen rund fünf MILLIARDEN Dollar Strafe an die US-Handelsaufsichtsbehörde „Federal Trade Commission“ (FTC) zahlen. Am selben Tag kommt eine Dokumentation bei NETFLIX heraus, die die Hintergründe dieses Deals ausführlich beleuchtet. Hervorragend recherchiert aufhellt. So dass wir es hier mit einem enormen WUTFILM zu tun bekommen.

Ausgangspunkt: Das 2014 von der britischen „SCL Group“ gegründete Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica (CA). Mit Hauptsitz: New York City. Einer der Gründer war der politische EXTREM-RECHTS-Außen und enger Trump-Vertrauter Stephen Bannon, 61. Erste Amtshandlung der Chefetage der Firma – sich Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern zu beschaffen, ohne dass die Betroffenen davon etwas erfahren. Die Absicht: den Wahlkampf von Donald Trump ebenso zu unterstützen wie dann später auch den Brexit-Wahlkampf in Großbritannien. Der Dokumentarfilm präsentiert viele Beispiele dieser zielgerichteten personalisierten Propaganda, die „Microtargeting“ genannt wird. „CA“ startete – als Pilotprojekt – zunächst den Versuch, den republikanischen Gouverneursanwärter in Virginia, Ken Cuccinelli, mittels getürkter Umfragen („…wenn am nächsten Sonntag gewählt werden würde…“) und mit gezielten Botschaften, genannt: „psychographic messaging“, auf den Gouverneurs-Posten zu hieven. Das misslang. Was die reichen Geldgeber & Unterstützer nicht davon abhielt, „erst recht“ weiterzumachen. 2014 war „CA“ an 44 US-Wahlkampf-Kandidaten beteiligt, bestätigt im Film Alexander Nix, der einstige Direktor der Abteilung Wahlen der britischen Tochtergesellschaft SCL Group („SCL Elections“). Nix behauptet weiterhin, sein Unternehmen habe damals eine einzigartige Methode zur Erstellung von PERSÖNLICHKEITSPROFILEN entwickelt und damit Profile von 220 Millionen US-Bürgern erstellt. Bezüglich aktueller „Aktivitäten“ gibt Alexander Nix im März 2017 des Weiteren an, dass die Firma zu diesem Zeitpunkt in vier Kampagnen in Asien, Afrika und Südamerika tätig gewesen sei.

Im März 2018 veröffentlicht der amerikanische Whistleblower CHRISTOPHER WYLIE erste Details zu diesen Aktivitäten. Die liberale, kritische Öffentlichkeit beginnt aufzuhorchen. Ist über das Mehr-und-Mehr-Herauskommende aufgescheucht. Alarmiert. Die Dokumentarfilmer begeben sich „in Position“.

Die Wirklichkeit ist oftmals sehr viel „schlimmer“ als ein fiktionaler Hollywood-Polit-Spielfilm. Beweist dieser informative, packende Dokumentations-Thriller. Dessen erschütterndes Fazit jeden „George Orwell“-Argwohn („1984“) bei weitem übertrifft: Mittels DATEN ist es Technisch-Versierten und Geld-Haien heutzutage möglich bzw. ein Leichtes, jede Persönlichkeit EXAKT einzuschätzen und „einzustufen“ UND im gewünschten Sinne beeinflussen zu können. Merke: Du bist schon längst nicht mehr Herr Deiner Meinung. Von Interessengruppen wird Dir „mitgeteilt“, was Du zu machen bzw. zu lassen bzw. zu denken bzw. zu wählen hast. Und Amen.

Der Film als Warnung. Gehe künftig vorsichtiger, kritischer, erheblich einschränkender mit deinen persönlichen Daten beziehungsweise der Herausgabe selbiger um. Es geht Daten-technisch längst nicht mehr um harmlose Werbe-Botschaften, die auf Dich täglich niederprasseln, sondern vor allem um ideologische Beeinflussung. Um pure politische Manipulation.

„THE GREAT HACK“, wie der Film im Original heißt, lässt ausgesprochen zornig werden. Und es sage niemand, ihn betrifft das nicht. Dass ich nicht lauthals wie empörend lache. Von wegen: DIE verarschen uns permanent und wir machen fröhlich mit … und SO weiter… (= 5 PÖNIs).

Teilen mit: