Call – Leg nicht auf! Kritik

THE CALL – LEG NICHT AUF!” von Brad Anderson (USA 2012; B: Richard D’Ovidio; K: Thomas Yatsko; M: John Debney; 94 Minuten; Start D: 11.07.2013); der 48jährige Regisseur ist ein erfahrener Experte für eigenwillig-spannende TV-Serienfilme („Fringe“) und Kino-Movies („Der Maschinist“/2004, mit einem völlig abgemagerten Christian Bale und, leider zu unbekannt geblieben, „Transsiberian“/2008, mit Woody Harrelson, Emily Mortimer, Ben Kingsley).

Sein neuestes Spannungsding hat er weitgehend in das Innenleben der Polizei-Notrufzentrale von Los Angeles verlegt. Dort gehen alljährlich mehr als 180 Millionen Notrufe von hilfesuchenden Bürgern ein. Die von einem Verbrechen bedroht sind oder gerade Opfer solcher Attacken wurden. Wie die junge Casey (ABIGAIL BRESLIN), die in einem Parkhaus von einem Unbekannten entführt wurde. Da sie zufällig das Handy der Freundin bei sich trägt, kann sie sich über die Leitung 911 mit der versierten Telefonistin Jordan Turner (HALLE BERRY) in Verbindung setzen. DIE hat vor einem halben Jahr versehentlich in ihrem Job Mist gebaut, so dass eine bedrängte Frau umkam. Seitdem ist sie immer noch traumatisiert. Zumal sie dann bei der mühevollen Recherche herausbekommt, dass genau dieser verbrecherische Mistkerl von einst auch an Casey „dran“ ist. Deshalb ist ebenso präzises wie schnelles Handeln dringend erforderlich. Was sich natürlich als äußerst schwierig erweist, spielen fortan Angst auf beiden Seiten, mörderische Zufälle „unterwegs“ und Verzweiflungsstress eine immer bedrohlichere Rolle.

Natürlich sorgen diese hektischen Parallelmontagen zwischen der Telefonzentrale und dem Entführungsopfer im Autokofferraum lange Zeit für enorme Nervenspannung. Bis der psychopathische Entführer (toller boshafter Scheißtyp: MICHAEL EKLUND; war schon einst in „88 Minutes“ ein faszinierend- fieser Al Pacino-Gegenspieler) dahinterkommt, was da „hinten“ abläuft, und natürlich noch mehr durchknallt. So dass Jordan höchstpersönlich mit in das schmutzige Geschehen eingreift. Und die Logik-Löcher dadurch immer umfangreicher werden. Vor allem im blutigen Final Countdown. Im Keller. Wo sich Autor und Regisseur bedauerlicherweise etwas von der „Das Schweigen der Lämmer“-und „SAW“-Atmosphäre haben klischeehaft inspirieren lassen. Motto: Wenn das Hackebeil swingt.
Dennoch – die meiste Zeit hier regiert die fetzige Anspannungshitze. In der bzw. durch die „Kooperation“ dieser beiden Frauen. Die auf Gedeih und Verderben auf- und voneinander (telefon-) abhängig werden.

„The Call – Leg nicht auf!“ kann sich zwar nicht mit den konsequenteren Telefon-Thrillern „Nicht auflegen!“ (mit Colin Farrell) und „Buried – Lebendig begraben“ (mit Ryan Reynolds) von neulich anlegen, funktioniert aber überwiegend als kitzliges Suspense-Puzzle. Weil diese beiden Akteurinnen authentisch wie plausibel mitmischen, bis auf die letzte Viertelstunde: Abigail Breslin, seit ihrem hinreißenden Auftritt in und als „Little Miss Sunshine“ (2006) bekannt, kriegt trotz der Enge körpersprachliche Bewegungen „gruselig hin“. Während „Oscar“-Lady Halle Berry („“Monsters’s Ball“) die geduldige psychologische Büro-Kampfdrohne gibt, die mit sehr viel Einfühlungsvermögen lange um das Leben Caseys verbal fightet. Um dann sogar, April, April, handpersönlich, also „hollywoodkinogerecht“, eigens durchzustarten. Düsteres Sommerkino mit viel Spannungsschmackes. So oder auch so. Dann (= 3 PÖNIs).