Café Society Kritik

CAFÉ SOCIETY“ von Woody Allen (B + R; USA 2015; K: Vittorio Storaro; M: Oldie-Jazz-Score; 96 Minuten; Start D: 10.11.2016); einmal pro Jahr ist kulinarisches Schwelgen angesagt: Der Meister präsentiert sein neuestes Werk. WOODY ALLEN, inzwischen putzmuntere 80, 24mal für den „Oscar“ nominiert und vierfacher „Oscar“-Preisträger, lässt genüsslich schwelgen. Diesmal mit einem nostalgischen Ironie-Blick auf die emotionalen wie gemeinen Windungen des Lebens. Stichworte: Vergebliche Große-Liebe und kriminalistisches Gerangel. Gepaart mit Allens genial-süffisantem Ironie-Humor, etwa: „Das Leben ist wie eine Komödie: geschrieben von einem sadistischen Autor“, und seinen feinen jüdischen Witzeleien a la: „Das Judentum hätte gewiss mehr Kundschaft, wenn diese Religion ein Leben nach dem Tode vorsehen würde“.

Man ist sofort „drin“: Sanfter Jazz, während der Vorspann läuft. Woody Allens Stimme aus dem Off, elegante Menschen, gute Getränke, Zigarettenspitzen, attraktive Frauen, offensichtlich bedeutsame Herren, auch schon mal mit Bauchansatz. Wir befinden uns in Hollywood. In den 1930ern. Den jungen, schüchternen Bobby (JESSE EISENBERG; einer der „Unfassbaren“) verschlägt es hierher. Zuhause, in der New Yorker Bronx, wollte er nicht in das Juwelenbusiness seiner Familie einsteigen, deshalb landet er in Los Angeles. Wo sein Onkel Phil (STEVE CARELL in der eigentlich für Bruce Willis vorgesehenen Rolle) erfolgreich als Hollywood-Agent tätig ist. Doch weder Zeit noch Interesse an dem jungen Lax hat und ihn an seine Sekretärin Vonnie (KRISTEN STEWART, nach Scarlett Johansson und Emma Stone Allens neue Muse) „weiterreicht“. Prompt verliebt sich der Bengel in sie. Die allerdings mit dem verheirateten Onkel Phil eine Liaison pflegt. Kompliziert, dieser Umgang mit den Gefühlen. Derweil steht Bobbys Gangster- Bruder Ben (COREY BEN) mit (gut gemeintem) Rat und (illegaler) Tat zur Seite und sorgt zugleich zuhause, in New York, für klare Herrschaftsverhältnisse. Als Bobby ernüchtert wieder in den Schoß der Familie zurückkehrt, ergeben sich all die philosophischen Woody Allen-Widersprüche, die seine Sicht auf das Leben parat hat. Motto: Was wäre wenn…man sich anders verhalten hätte; anstatt so zu handeln wie man es getan hat; wenn man sich gegenteilig verhalten hätte und überhaupt: Zuletzt sind alle unglückliche Gewinner. Die Lebenslügen waren sicherer.

Diese emotionalen wie pointierten Irrungen und Wirrungen. Allens Akteure sind stimmungsvoll dabei: JESSE EISENBERG mimt den jungen Woody Allen-Naiv-Typen Bobby mit charmanter Nonchalance und viel Allen’schem Sprachwitz. Eine totale Überraschung aber ist die plötzlich so bezaubernde KRISTEN STEWART. Die „Twilight „-Amazone, die sich bislang meistens verbiestert und grimmig zeigte, gewinnt hier mit ihrem betörenden Charme und immenser Präsenz. Ebenfalls ein sinnlicher Gewinn: Diese faszinierenden, schmucken Retro-Look-Bilder des dreifachen Kamera-„Oscar“-Preisträgers VITTORIO STORARO („Apocalpse Now“; „Reds“; „Der letzte Kaiser“): Sowohl den schönen Gefühls-Schein der Filmmetropole brillant sonnig-doppelbödig einfangend wie dann auch atmosphärisch in den Fluren der Apartmenthäuser und in der „hauseigenen“ Bar in der Ostküsten-Großstadt stimmungsvoll unterwegs. Und auch die einmal mehr von Woody Allen schillernd in Humor-Bewegung gebrachten Ensemble-Nebenakteure, mit ihren köstlichen Bonmots, verdienen eine lobende Erwähnung (= der spitzzüngige Steve Carell & Co.).

„Lebe jeden Tag wie deinen letzten – eines Tages wirst du Recht damit behalten“, lässt Woody Allen in seinem ersten digital gedrehten Lust-Spiel „Café Society“ freundlich verlauten. Wie eigentlich wahr (= 4 PÖNIs).