Brothers Grimm Kritik

BROTHERS GRIMM“ von Terry Gilliam (USA/GB/Tschech.; 118 Minuten; Start D: 06.10.2005); einem der aufregendsten Anarcho-Künstler überhaupt. Der 1940 in Minneapolis geborene Ex-Grafiker, Werbetexter und Redakteur einer satirischen New Yorker- Zeitschrift („Help“) errang zunächst als (einziges) amerikanisches Mitglied der britischen „Monty Python“-Spöttergruppe um John Cleese und Eric Idle Popularität. Mit „Die Ritter der Kokosnuß“ aus dem Jahr 1975 (Originaltitel: „Monty Python And The Holy Gral“) unternahm er, gemeinsam mit dem Python-Kollegen Terry Jones, dann erstmals den Versuch, den „speziellen Humor“ dieser zeitgenössischen Clowns ins Kino zu transportieren. Filme wie „Jabberwocky“, „DAS LEBEN DES BRIAN“, „Time Bandits“, „Brazil“ („Oscar“-Nominierung für sein Drehbuch), „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“, „König der Fischer“ (mit Jeff Bridges und Robin Williams/“Silberner Löwe“ von Venedig), „12 Monkeys“ und zuletzt – 1998 – „Fear And Lothing In Las Vegas“ (mit Johnny Depp), eine ätzend-schräge Adaption des berühmten Drogen-Romans von Hunter S. Thompson, prägten den Künstler als spannenden, phantastischen Visionär und konsequenten Kino-Träumer. Dessen großangelegtes Projekt um „Don Quixote“ (mit wieder Johnny Depp und Jean Rochefort) am Anfang dieses neuen Jahrhunderts, gegen seinen Willen, „grandios scheiterte“ (worüber er dann einen Dokumentarfilm schuf).

Terry Gilliam zählt zu den GANZ GROßEN Regisseuren, der sich ungern in seine Werke „reinreden“ lässt und deshalb immer mit „der Produktion“ so seine (Umsetzungs-)Schwierigkeiten hat: „Künstlerische Differenzen“ zwischen Produzenten und Macher sind bei ihm immer an der Tagesordnung. Hier übernimmt er authentische Figuren/Charaktere in seine bizarre Schwarze-Humor- Fantasy-Welt: Wilhelm und Jakob Grimm, die berühmten deutschen Märchen-Erfinder. Die im wirkliche Leben einst, an der Schwelle zum 19. Jahrhundert, mehr Bücherwürmer denn Abenteurer waren, hier aber, bei Gilliam und seinem Drehbuch-Autoren Ehren Kruger („Arlington Road“, „The Ring“), als eine Art Wander-Geisterjäger profitabel durch das von Napoleons Truppen besetzte Deutschland ziehen, um abergläubische Regionen und Bürger von vermeintlichen, übersinnlichen Bedrohungen und Schreckgespenstern zu befreien. Dann aber stoßen sie auf „tatsächlichen Horror“ und müssen sich mit wahrhaftigen Märchenfiguren und -Mythen (sozusagen von Rotkäppchen“ über „Hänsel und Gretel“ bis zu „Rapunzel“) herumschlagen.

Überdreht-radikale, amüsant-unterhaltsame Bilder-Spektakel-Orgie, bei der bisweilen die Magie zwar auf der Strecke bleibt, was aber der Prima- Show nicht schadet. Ein Film-Event, mit HEATH LEDGER („Ritter aus Leidenschaft“) und MATT DAMON („Die Bourne Verschwörung“) als Brüder Grimm in den Hauptrollen, während Jonathan Pryce (der Bösewicht im Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“), Peter Stormare und MONICA BELLUCI als exotische Mitstreiter und gute Stichwortgeber bei dieser Co-Produktion Tschechien/USA von 2003/2004 mitmischen (= 4 PÖNIs).