Bob, der Streuner Kritik

Link für Pöni TV „BOB, DER STREUNER“ von Roger Spottiswoode (GB 2015; B: Tim John & Maria Nation; basierend auf dem gleichn. Buch von James Bowen/2012; K: Peter Wunstorf; M: David Hirschfelder; Original-Songs: Charlie Fink; 103 Minuten; Start D: 14.01.2017); ausgedacht, als Fiktion-Drehbuch, wäre dies, zum Beispiel aus Produzentensicht, keinen Pfifferling wert, nur eine abzulehnende Schmonzette. Da „es“ aber passiert ist, müssen WIR-ALLE erneut feststellen: Die unwahrscheinlichsten wie schönsten Geschichten ereignen sich tatsächlich bisweilen mitten unter uns. Im realen Leben. Über solch ein stark berührendes Real-Märchen gilt es hier zu berichten.

Da ich bekennender Katzen-Fan bin und seit Jahrzehnten mit ihnen zusammenlebe, vermag ich die spirituelle Wirkung ihrer wunderbaren Rasse voll zu genießen. Aber der Reihe nach: 2012 kommt in England ein Buch heraus, das bald zum Bestseller wird. 2013 wird es auch hierzulande zu einem Riesen-Erfolg. Titel: „Bob, der Streuner – Die Katze, die mein Leben veränderte“. Von JAMES BOWEN. Über ihn beziehungsweise von ihm hätte die Welt nie etwas erfahren, gäbe es da nicht diesen Zufall, der sein ganzes, schlimmes Leben einst umkrempelte. James, geboren am 15. März 1979, war unten. Im wahrsten Sinne, ohne jegliche Perspektive: drogenabhängig, arbeitslos, obdachlos. Lebte als Straßenmusiker in London. Hatte nichts, davon aber eine Menge. Eine Sozialarbeiterin verhilft ihm zu einer kleinen Wohnung, und vor dieser entdeckte er eines Tages einen verletzten rotbraunen Kater. Seine Bemühungen, dessen Dosenöffner auszumachen und ihn abzugeben, sind vergeblich. Und Bob, wie er ihn dann nennt, lässt sich fortan nicht mehr abschütteln. Ganz im Gegenteil: Der Kater, zusammengefasst, „therapiert“ James und verhilft ihm – und sich – zu einem neuen und natürlich besseren Leben. Zugleich werden er und sein Herrchen literarisch zu einer landes- und dann weltweiten Berühmtheit.

Der Film folgt gekürzt den Spuren dieser beiden Londoner Outlaws. Der junge James Bowen (LUKE TREADAWAY) ist ziemlich am Ende. Hat erhebliche Mühe, sein „Tagesgeld“ mit Gitarre-Spielen auf den Straßen zu verdienen. Er hat Glück, dass ihn seine Sozialarbeiterin Val (JOANNE FROGGATT) nicht fallen lässt und ihm sogar eine kleine Sozial-Wohnung im Londoner Stadtteil Hackney besorgt. Bedingung: Regeln. Keine Kontrolltermine mehr versäumen; kein Ärger „draußen“ und vor allem – kein Drogen-Rückfall mehr. Schließlich befindet er sich mitten im Methadon-Programm. Ein Kater taucht bei ihm auf. Einfach so. Stolziert durch sein Fenster. Lässt sich nicht abweisen. James ist ratlos. Will ihn abwimmeln, doch dies funktioniert nicht. Bob, wie er ihn schließlich nennt, ist verletzt und scheint auch keine guten Zeiten hinter sich zu haben. Benötigt den Tierarzt. Doch der kostet Money. Außerdem: Wohin mit diesem vierpfotigen Anhängsel am Tag? Und wie soll das überhaupt gehen: Er – kaum Geld und Zeit – mit diesem Kater?

Wir kennen die Entwicklung. Aus dem Buch. Bob findet den Schulter-Platz von James „draußen“ geradezu ideal, und beide vermögen sehr viel mehr Aufmerksamkeit und Einnahmen bei James‘ Auftritten zu verbuchen als sonst. Natürlich ist die Straßen-Konkurrenz auf die Beiden nicht unbedingt gut zu sprechen, mindern DIE doch ihre Einnahmen. Doch so langsam werden James & Bob – besser: umgekehrt – in der Region und im Netz bekannt; entwickelt sich diese zunächst gut funktionierende Zweckgemeinschaft zu einem richtigen Herz-Team. James & d i e Attraktion: Bob. Doch ihr gemeinsamer Weg ist steinig, zumal Bob zwischendurch verschwindet und James sich irgendwann endgültig für einen Entzug entscheidet. Auch, um endlich einmal „normal“ mit seiner Nachbarin Betty, einer veganen Tier-Aktivistin (RUTA GEDMINTAS), in Kontakt zu kommen. Und um endlich mit Bob „normal“ zusammen-leben zu können.

Der 70jährige kanadisch-britische Regie-Profi ROGER SPOTTISWOODE („Under Fire“; „Scott & Huutsch“; „James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie“) lässt den tierischen Gefühlen breiten Raum ohne dabei vollends zu übertreiben und vor allem: ohne dabei die Lebenshärte und die immensen (auch aggressiven) Probleme von Straßen-Gestrandeten wie James Bowen auszusparen. Allerdings gehört dieser herrlichen Kater-Persönlichkeit, teilweise vom echten Bob und dann auch von sechs „Doubles“ gespielt, das breite positive Emotionsfeld. Seinem entwaffnenden Charme kann man sich sowieso nur schwerlich entziehen (warum eigentlich auch). Und wenn dann Regisseur Spottiswoode manchmal die Kamera-Auge-Perspektive wechselt und die Geschichte auch aus der „unteren Sicht“ von Bob beleuchtet, führt dies zu komischen Blickmotiven.

Die Freundschaft. Zwischen Tier & Mensch. Als Seelen-Medizin. Die gut tut und wertvoll ist. Wie schon in den (inzwischen zahlreichen) Bob-Büchern und jetzt im Film auch; das gute Motto lautet: Es gibt sie, die tierische Hoffnung (= 4 PÖNIs).