BOBBY

PÖNIs: (4,5/5)

„BOBBY“ von Emilio Estevez (B + R + D; USA 2006; K: Michael Barrett; M: Mark Isham; 120 Minuten; deutscher Kino-Start: 08.03.2007); Jahrgang ‘62, der aus einer bekannten Künstler-Familie stammt; der Papa heißt Martin Sheen und zählt zu den vielbeschäftigsten Schauspielern Hollywoods (zuletzt bei Scorsese in „Departed – Unter Feinden“), sein Bruder Charlie Sheen hat sich ebenfalls als Schauspieler einen guten Unterhalter-Namen gemacht („Hot Shots! – Die Mutter aller Filme“; „Die drei Musketiere“). Als Jung-Spund-Schauspieler verdiente sich Emilio Estevez erste Lorbeeren mit Auftritten bei Francis Ford Coppola („Die Outsider“/1983) bzw. bei John Hughes („Breakfast Club“/1985) und John Badham („Die Nacht hat viele Augen“; mit Richard Dreyfuß als Partner/1987). Seit Mitte der 80er Jahre arbeitet Emilio Estevez aber auch als Regisseur und fiel mit Filmen wie „Wisdom“ und „Men At Work“ (mit Bruder Charlie Sheen) auf.

Hier nun liefert der Autor + Regisseur EMILIO ESTEVEZ sein erstes filmisches Meisterstück ab: Wir schreiben den 4. Juni 1968. Der Ort: das Hotel „Ambassador“ in Los Angeles. Der 42-jährige ROBERT FRANCIS KENNEDY, der Bruder des im November 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, wird erwartet. Es ist der letzte Tag der Präsidentschaftsvorwahlen in Kalifornien. Und Robert, genannt BOB Kennedy hat die besten Chancen, von der DEMOKRATISCHEN PARTEI zum nächsten Präsidentschaftskandidaten nominiert zu werden (der regierende Präsident Johnson hat auf eine erneute Kandidatur verzichtet). Die USA im Jahr 1968: Die allgemeine Lage ist ANGESPANNT. Stichwort: Der VIETNAM-Krieg. Dagegen gibt es inzwischen eine große Protest-Bewegung.

Der schwarze Bürgerrechtler MARTIN LUTHER KING ist ermordet worden. Trauer, Empörung und Wut herrschen im Land. BOB Kennedy gilt als politischer/gesellschaftlicher Hoffnungsträger. Er hat sich GEGEN den Krieg in Vietnam ausgesprochen; er ging im Wahlkampf auf Schwarze, Arme + Latinos zu; zeigt Interesse an sozialen Fragen; bezog liberale (+ nach europäischen Maßstäben „linke“) Positionen; kam bei den Massen gut an. Der Film beschreibt diese damalige Aufbruchsstimmung: 22 (Hotel-)Personen unterschiedlicher Hautfarbe/Geschlechter/sozialer Klassen als Mikrokosmos einer wichtigen amerikanischen Dekade/Epoche. Erdachte Kurzgeschichten + Schicksale mit Helden und Verlierern als Prototypen einer – wie wir wissen – Abschiedsära von Jugendlichkeit und Optimismus und Fortschrittsglauben; hin zur Zeit der „politischen Finsternis“ („Watergate“).

Ein großartiges Ensemble zeigt Gesicht/Seele/Tiefe/Atmosphäre: „Oscar“-Preisträger Sir ANTHONY HOPKINS + HARRY BELAFONTE (= am 1. März 80 geworden) als zwei philosophierende ältere Foyer-Herren; DEMI MOORE als Star-Sängerin mit enormen Alkohol-Problemen; SHARON STONE mimt angenehm zurückhaltend wie unangestrengt eine Promi-Hotelfriseuse + Seelsorgerin; ASHTON KUTCHER sorgt als ausgeflippter Hippie-Dealer für angesagten Anarcho-Zeitgeist; LINDSAY LOHAN ist eine junge Frau, die einem jungen Mann durch Heirat Vietnam „ersparen“ will; WILLIAM H. MACY spielt den fremdgehenden Ehemann von Sharon Stone und Hotel-Manager; CHRISTIAN SLATER bekommt als rassistischer Küchen-Boss zuhauf Probleme; „Oscar“-Preisträgerin HELEN HUNT + MARTIN SHEEN befinden sich als gutbürgerliches Ehepaar auf einer spannenden Selbstfindungsreise; und dann befinden sich auch  ELIJAH WOOD/LAURENCE FISHBURNE und HEATHER GRAHAM unter den weiteren Akteuren in einem phantastischen Ensemble.

„Bobby“, der Film: Großartig gespielt/erzählt/montiert: ROBERT ALTMAN („Nashville“; „Short Cuts“) lässt bestens grüßen; ein mitreißender, hochemotionaler, kluger, spannender USA-Film; mit außergewöhnlich interessanten Gedanken/Beobachtungen UND vor allem mit auch natürlich ganz aktuellen Verweisen: Vietnam = Irak; die Veränderungswünsche im Land; die Hoffnung auf die Endlich-Verbesserung der Lebens- + Werte-Qualität der USA, „daheim“ wie in der Welt.

Ein aufwühlender, toller neuer amerikanischer Film ( = 4 ½ PÖNIs).

Teilen mit: