BIS DANN, MEIN SOHN

PÖNIs:       (4,5/5)

„BIS DANN, MEIN SOHN“ von Wang Xiaoshuai (Co-B + R; VR China 2018; Co-B: Ah Mei; K: Kim Hyun Seok; M: Dong Yingda; 185 Minuten; deutscher Kino-Start: 14.11.2019); war im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale einer der „Bären“-Favoriten. Thema: über drei Jahrzehnte „China“ in der Beobachtung der Entwicklung. Von Gesellschaft und Mensch. Motto: Das Politische ist privat. Das Private politisch. Dabei stehen keine direkten Konfrontationen im Kotau, sondern beschrieben wird in meisterlichen Denk-Zügen und einfühlsamen darstellerischen Charakter-Darstellungen, was „Entwicklungen“ in Politik und Gesellschaft mit Menschen „machen“; welche Auswirkungen von Politik direkt auf das private Leben von Menschen fließen. „Bis dann, mein Sohn“ ist ein furioses empathisches Gesellschaftspanorama als packendes chinesisches Melodrama. „Ein gewaltiges Meisterwerk der Emotionen und intellektuellen Schwingungen“, stand in „À voir, à lire“. „Einer der schönsten Filme des Jahres. Der herzzerreißendste sowieso“, antwortete „Paris Match“.

Das ausgehende 20. Jahrhundert. Eine Stadt im Norden Chinas. Eine glückliche Familie: Liyun und Yaojun, mit ihrem Sohn Xingxing. Man wohnt im Wohnheim der Metallfabrik, in der die Eltern arbeiten. Wand an Wand mit ihren Freunden Haiyan und Yingming, deren Sohn Haohao am gleichen Tag geboren ist wie Xingxing. Als dieser eines Tages bei einem Unfall ums Leben kommt, trennen sich die Wege der beiden Familien. Doch sie bleiben durch die Tragödie und die Suche nach Wahrheit und Versöhnung untrennbar miteinander verbunden. Das trauernde Elternpaar zieht vom pulsierenden Norden in den eher beschaulichen Süden, in ein Hafenstädtchen, wo ein kleiner Bootsreparaturbetrieb das Einkommen sichert. Währenddessen beginnen im Norden Chinas gigantische ökonomische Umwälzungen. Das Land verändert sich radikal, die Menschen bemühen sich mitzuhalten.

Der vielfach preisgekrönte chinesische Regisseur WANG XIAOSHUAI („Beijing Bicycle“/2001/“Silberner Berlinale Bär“ als Jury-Preis) erzählt die Geschichte zweier Familien vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Umwälzungen in China. Als zutiefst berührendes, feinfühliges Familien-Epos über Freundschaft und Veränderungen, Verlust, Trauer und neue Hoffnung. Und nicht zuletzt – als eine lebenslange Liebe, die das Versprechen von den guten und den schlechten Tagen auf trotz allem beglückende Weise einzulösen vermag. Dabei schafft es die kunstvoll verschachtelte Handlungsstruktur die Größe und Tiefe der Erzählung sensibel wie spannend aufrecht zu halten und die Zusammenhänge erst allmählich begreifbar zu machen.

Aus dem großartigen Ensemble ragen WANG JINGCHUN als Yaojun und YONG MEI als Liyun heraus. Beide erhielten die Darsteller-„Bären“ bei der Berlinale. Sich hierauf einzulassen bedeutet, tief in die Seele eines monumentalen Meisterwerks einzutauchen, deren Identität „China“ heißt. Auch „Variety“ war von dem Film sehr angetan: „Die Zeitspanne, über die Wang seine Geschichte erzählt, lässt uns die tektonischen Verschiebungen der chinesischen Gesellschaft hautnah in menschlichen Schicksalen erleben. Solche Veränderungen sind oft unsichtbar, gerade weil sie so massiv sind, weil das hier China ist und die Dimensionen so schwindelerregend groß sind. Aber in diesem Film können wir sie spüren“ (= 4 1/2 PÖNIs).

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