Biester Kritik

CLAUDE CHABROL, der inzwischen 65jährige:. Apothekersohn aus Paris, hat in den meisten seiner bislang 46 Filme die Doppelmoral und die Gemeinheiten des französischen Großbürgertums genüsslich attackiert.
BIESTER“ von Claude Chabrol (Fr 1995; 112 Minuten; Start D: 2.11.1995); heißt seine neueste Arbeit, die nach dem Roman “Urteil in Stein“ von Ruth Rendell entstand.
Im Original heißt der Film “ha „La ceremonie“, und wie eine solche Zeremonie ist der Film auch inszeniert.

Der Familie Lelievres geht es gut. Der Vater ist Fabrikant und liebt seine schöne Frau Catherin. Die Tochter studiert erfolgreich, der Sohn geht aufs Gymnasium. Man lebt in einem großen, komfortablen Haus auf dem Land, in der Nähe von Saint-Malo in der Bretagne. Und: Man schätzt die schönen Künste. Mit der jungen Sophie kommt anscheinend eine Perle ins Haus, Sophie ist ein fleißiges Dienstmädchen ohne Probleme und auch ohne große Ansprüche.
Dass sich Sophie immer ein wenig ‘sonderbar‘ verhält, fällt lange Zeit niemanden auf. Aber: Sophie ist Analphabetin und bemüht, dies auch zu verbergen. Sie kommt mit der neidischen Postangestellten Melinda in Kontakt. Beider dunkler Vergangenheit lassen sie zusammenschweißen. Die Dumme und die Raffinierte.
Ein Amoklauf gegen die Familie Lelievres ist die blutige, grausame Folge.

“Biester“ lässt einmal mehr die beiden beliebten Chabrol-Welten, Bourgeoisie und Proletariat, aufeinanderprallen. Doch anders als früher, wo Chabrol die Schwachen in Schutz nahm und die Reichen lächerlich machte, ist es diesmal umgekehrt. Die Familie entpuppt sich als Hort der Friedlichkeit und Gutmütigkeit. Während die beiden jungen Prolo-Frauen als psychopathische Monster vorgeführt werden. Sandrine Bonnaire und Isabelle Huppert dürfen sich vehement austoben und wurden dafür beim Venedig-Festival preisgekrönt.

“Biester“, der neueste Streich von Altmeister Claude Chabrol, ist gesellschaftspolitisch gesehen, missglückt. Ansonsten plätschert er leise vor sich hin…(= 2 ½ PÖNIs).