Bevor der Winter kommt Kritik

BEVOR DER WINTER KOMMT“ von Philippe Claudel (B + R; Fr 2012/2013; K: Denis Lenoir; M: André Dziezuk; 102 Minuten; Start D: 13.11.2014); vor fünf Jahren, im November 2009, hatte der französische Schriftsteller und Dramatiker mit seinem Spielfilm-Erstling „So viele Jahre liebe ich dich“ (s. Kino-KRITIK) einen Achtungserfolg im hiesigen Kino. Sein zweiter Kinolangfilm – „Tous les soleils“ – blieb bei uns unbekannt; bei seinem dritten Film als Drehbuch-Autor und Regisseur patzt er. Mit einem diffusen Bourgeoisie-Drama.

Paul (DANIEL AUTEUIL) sollte glücklich sein. Hat eine erfolgreiche Karriere als Gehirn-Chirurg hingelegt; ist seit über drei Jahrzehnten mit der schönen Lucie (KRISTIN SCOTT THOMAS) verheiratet, die das pompöse Anwesen, Haus mit opulentem Garten, hingebungsvoll pflegt. Doch dann begegnet Paul der „unauffällig“-aufdringlichen jungen Bistro-Kellnerin Lou (LEILA BEKHTI), und schon befindet sich Monsieur in „Nöten“. Weniger Schwanz-gesteuert, das sicherlich auch, sondern mehr – wir sind ja klug – intellektuell. Paul beginnt sich mit Sinn-Fragen zu quälen, ist irgendwie von dem jungen Wesen angetan, weiß plötzlich nicht mehr, was er eigentlich künftig will. Natürlich gibt es „dadurch“ Zuhause Stress, zumal auch ein Kollegen-Freund (RICHARD BERRY als Gérard) seine Zuneigung zu Pauls Frau nicht mehr verbergen will.

Ein bedächtiges emotionales Kuddelmuddel. In fragwürdiger Thriller-Auflösung: Weil sich Lou ebenso unverhofft wie völlig dämlich-reaktionär als eine Serien-Mörderin herausstellt. Die wie eine Spinne Männern auflauerte, um sie zu zerstören. Die böse Verführerin. Da haben wir SIE. Das Biest, das die bürgerliche Ordnung attackierte. Der angemachte Paul hat Glück gehabt, dass sich hier alles zum Guten wendet. Für Seinesgleichen. Zum Schluss sitzt die gesamte feine Muschpoke zusammen. Am Tennisplatz. Wieder friedlich vereint. Friede, Freude, Eierkuchen.

Ein öder Blödsinn. Der reiche arme Mann, mit plötzlich zwei Frauen, emotionale Ungewissheiten, über das Leben und überhaupt; so alles; ungewisse, schicksalhafte Begegnungen. Ausbruchsgedanken. Als Krise mit Thriller-Geschmäckle. Dünn. Langweilig. Triefend. Man(n) macht auf Probleme. Völlig banal-egal. Uninteressant. Trotz namhafter Besetzung. DIE krampfen nur ab (= 1 PÖNI).