Berlin für Helden Kritik

BERLIN FÜR HELDEN“ von Klaus Lemke (B, R+Prod.; D 2011; 95 Minuten; Start D: 05.04.2012); nun kommen sie alle. Zum Beispiel aus München. In die „garstige“ neue Hauptstadt. Wo doch so viel los ist. Wo das coole Schmutz-Fieber grassiert. Von wegen diesem „anderen“, diesem saustarken Drecks-Soundtrack des Berliner Alltags. Hier. Oben wie unten. Der Dietl, Helmut war neulich hier und ist mit „Zettl“ gigantisch gescheitert. Um danach gleich wieder gen bayerische Gemütlichkeit zu entfleuchen. Der vorübergehende Aufenthalt. Mal schnell vorbeischnuppern. Mit Bäh-Lust. Und satirischem Schmäh-Charme. Ohne aber „richtig“ „mittendrin“ zu sein. Mitzumischen. Ohne wirklich mal was zu wagen. Und zu sagen. Von wegen Provokation: „Berlin Royal“ eines inzwischen vergreisten Spinners. Der nie einen profunden Blick für diesen exorbitant- „gemeinen Standort“ bekommen hat.

BERLIN stinkt gut. Lautet auch das Motto für den Alt-Anarcho Lemke, den Klaus. 71 ist der Landsberger (von der Warthe) mit Wohnsitz in München inzwischen. Ist der Udo Lindenberg des Kinos. Ein Ewig-Rocker. Der nicht dreht, wenn Kohle zusammengebettelt wurde, sondern wann er Lust dazu hat. Sie wissen schon von wegen keine Chance, die es aber zu nutzen gilt. Was Klaus Lemke („Rocker“, „Die Ratte“, „Amore“ und wie sie alle waren) zelebriert, wagt, ist die letzte freie freche ungehörige Bastion Anarcho-Filmkunst. Motto: Voll auf die Geschmacks-Fresse. Atmosphärisch, mit einem stimmungsvollen Tarantino-Gitarren-Sound (vom Morricone-Proll MALAKOFF KOWALSKI), und mit prächtigen, pardon (bin bürgerlich) Scheißhaus-Typen. Die „neben uns“ hier durchstarten. Mitten in Berlin. Lemke offenbart sie einfach so. Präsentiert sie mittenmang. In der mauen Menge. Auf der Straße. Der Bezirke. Neben diesen, pardon (gehöre dazu) flachen Normalos. Herrlichste Exoten. Die sich einen Mist scheren um irgendwas. Die „ihr Ding“ hanebüchen durchziehen. Selbstverständlich. Mit allen Gigs und Kicks und Tricks. Und Ficks. Wüst. Wirbelig. Hau drauf, wann es wo wie geht. Und das Komische – DIE sind IRRE. Voll gut irre. Aus allen Tastaturen der gesellschaftlichen Ecken und Kanten ausschwirrend. Ankommend. Heraustretend. Keinen Grund, kein Motiv, kein Alibi benötigen. Für sich. Und überhaupt. Wir sind, also tun wir’s. Was auch immer. Völlig wurscht. Wegen der, mit diesen Ungereimtheiten. Sprüngen. Den Logik-Löchern. Zuhauf. Bis zum Abwinken.

Egal. Völlig egal. Diese dauernden Patzer. Na und? Wen schert’s: Wir lehnen uns angetörnt zurück und lassen DIE machen. DIE tun. Was auch immer. Gerade angesagt, angezeigt ist. Eine einzige Anmache. Völlig kirre. Beliebig. Prustend. Stinkend. Bei hohem Blutdruckdampf. Der Spaß-Faktor ist enorm. Mit diesen wunderbar unberechenbaren Mackern. Spinnern. Bekloppten. Lebenssüchtigen. Lemkes Weibsen- und Kerlchen-Personal ist scharf. Heißen SARALISA VOLM oder MARCO BAROTTI oder ANNA ANDEREGG oder HENNING GRONKOWSKI oder ANDREAS BICHLER. Oder so. Sind fies-gut drauf. Oder umgekehrt. Mensch Lemke, bei „Berlin für Helden“ besteht akute Ansteckungsgefahr. Auf den wahren „Ulk“ meiner Stadt.
Komm’ bloß bald mal wieder hier vorbei. Und zeig’s uns. Weiter (= 4 PÖNIs).